Willkommen im Zeitalter des Sony Reader

Heute vor drei Jahren erblickte dieses Weblog das Licht der Welt. Eigentlich ein Grund zu einer kleinen Feier.

Feiern scheinen jedoch ganz andere Leute zu tun, denn heute sind alle online Buchhandlungen voll und ganz im Ebook Fieber, denn heute ist der Sony Reader in Deutschland erschienen.

Ganz gleich ob Libri, Buch.de, die Mayersche, mit oder ohne Gutscheinangebot, nur einer nicht: Amazon.

Ganz recht, der Sonyreader, der in seiner Art ein Konkurrenzprodukt zum Amazon Kindle 2 darstellt, wird bei Amazon nicht angeboten – und das, obwohl der Kindle in Deutschland gar nicht erhältlich ist. Nun könnte man mutmaßen, dass Amazon hier was Größeres vorbereitet und den Kindle vielleicht doch in einer Nacht- und Nebelaktion und mit Fanfaren und Tusch demnächst auch hierzulande herausbringt. Mal schauen.

Die Vorteile eines Ebook-Readers habe ich zwei Blogeinträge weiter unten schon herausgestellt. Deshalb widme ich mich hier den Nachteilen, oder vielmehr der Frage, warum ich selbst keinen Sony Reader bestellen werde.

1. Der Preis. 300 Euro. Dafür bekommt man ein schickes Netbook und das kann fast das Gleiche wie ein Notebook – man kann sogar Ebooks daran lesen und noch viel mehr, auch wenn es etwas größer, etwas schwerer ist als ein Reader und auch mehr Saft frisst – aber dafür können Sie halt viel mehr damit anfangen. Und 300 Euro für ein Gerät das nackt ist und nichts weiter kann als Bücher zu speichern, die man noch nicht einmal besitzt. Bei diesem Preis hätte dann auch gleich ein Gutschein für 10 Ebooks nach Wahl drin sein müssen. Echt jetzt.

2. Die Auswahl. Leider sehr überschaubar. Ich habe heute mal in den Kategorien Thriller, SF und Fantasy bei Libri gestöbert, sicherlich ist das ein oder andere Buch dabei, das mich interessieren könnte, aber das Gros der Bücher das ich lesen würde ist nicht in der Auswahl. Viel zu mager.

3. Der Preis der Auswahl. Ein Taschenbuch von Lee Child kostet 8,95 Euro. Die Ebook Version des gleichen Romans kostet … 8,95 Euro. Suchen Sie den Fehler in diesem Bild! Was stimmt hier nicht? Ich meine, was haben Sie für diese 8,95 Euro in der Hand? Nichts, genau. Sie halten den Reader in der Hand, der Rest ist relativ virtuell. Eine Datei, nicht mehr. Und wenn das Lesegerät mal kaputt geht und sie nicht wieder 300 Euro in die Hand nehmen wollen oder vielleicht gar das Leseformat bei neueren Geräten ein anderes geworden ist? Im ersteren Fall können Sie Ihr Buch noch auf dem PC lesen, mit einem Adobe Plug-in. In letzterem Fall … *schulterzuck*. Bücher hingegen können Sie 100 Jahre im Regal stehen lassen und sie dann noch immer lesen.

Also, wofür der gleiche Preis? Es gibt auch bei Ebooks eine Buchpreisbindung, allerdings gilt sie für das Format. Das heißt, der Verlag darf den Preis für ein Ebook unabhängig von der Printausgabe festlegen. Pfiffige Verlags- und Medienköpfe schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und rechnen uns vor, welch immenser Aufwand, der nicht zu unterschätzen sei, bei einer Ebook-Produktion im Hintergrund steht.

Das ist natürlich quatsch und soll. Bevor ein Buch in Druck geht, liegt es heutzutage als digitale Datei vor. Konvertierungsmöglichkeiten geschehen auf Knopfdruck. Der Verlag hat weder Druck- noch Bindungskosten, keine Kosten für Transportwege von der Druckerei zu einem Lager, keine angemietete Lagerfläche zu bezahlen, keine Transportkosten von dem Lager zu beliefernden Stellen, keine Kosten für den Versand (viele Onlinebuchhändler bieten den Buchversand für den Endkunden kostenlos an, bezahlen also für Sie das Porto. Auch das entfällt bei Ebooks). Es fällt für ein Ebook also nur die Tantieme des Autors, des Illustrators, die Marge für den Buchhändler und vielleicht noch ein geringer administrativer Aufwand an. Insgesamt könnte ein Ebook daher sicherlich 30 – 35% günstiger sein, als die gedruckte Version.

Oh, ich höre sie aufschreien, die Verleger. Komisch, dass das nur im deutschsprachigen Raum geschieht, woanders kennt man keine Buchpreisbindung. Und wie sieht es bei Musikportalen aus? Da meckert auch niemand. Eine Alben-CD kostet im Laden vielleicht bei einer Neuerscheinung 13,99 bis 16,99 Euro. Sie kennen das: Pressen der CD, Materialwert, Bookletdruck, Transportweg, Lagerung, etc. Im Prinzip ähnlich wie bei Büchern – und dennoch bekommen Sie ihr Album bei einem Online-Musikhändler als legalen Download (beispielsweise Apples iTunes Store) für 9,95 Euro. Sie verzichten auf die gepresste CD, auf das Jewelcase und das Booklet und bezahlen dann eben auch dafür nichts.

Ich finde, hier sollte sich das Verlagswesen mal Gedanken machen und nüchtern prüfen, ob man um des Absatzes Willen nicht doch mal die Preispolitik elektronischer Bücher überdenkt. Vorher wird man beim Ebook-Umsatz denn eher leer ausgehen.

Zum Leidwesen der Gerätehersteller. Noch verspricht sich Sony vielleicht etwas von der Kooperation mit Libri etwas – aber spätestens, wenn der Absatz ihrer Geräte nicht mehr die Herstellungskosten hereinbringt, sollte man erkennen, dass da was faul ist im Staate Dänemark.

Buch.de verkündet heute vollmundig: Die Zukunft des Lesens beginnt heute.

Nein. So nicht. Werdet günstiger, dann vielleicht.

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