2.400 Seiten Trudi Canavan


Ja, das sind schon tolkiensche Ausmaße, die Frau Canavan da vom Stapel lässt. Inzwischen hab ich alle drei ihrer Bücher um das Zeitalter der Fünf / The Age of Five durchgelesen.

Buch 1: Priester / Priestess of the White

Willkommen in Ithania, einem Kontinent, der sich in einen Nord- und einen Südteil aufspaltet. In Nordithania hat sich der Zirkel breit gemacht, eine Sippschaft aus Priestern und ihrem Vorsitz den Weißen, die den fünf zirklischen Göttern huldigen. Jenen Göttern, die vor hundert Jahren im letzten Krieg der Götter als einzige überlebt haben. Die Magie ist in Ithania omnipräsent. Menschen, die mit magischen Gaben geboren werden, werden in die Kaste der Priester des Zirkels berufen.

Wer sich weigert ist entweder ein geächteter Traumweber oder ein Wilder, ein mächtiger unsterblicher Zauberer, von den Göttern verachtet und gefürchtet.

Die Geschichte handelt von der etwa 24jährigen Auraya, einer mit magischen Gaben gesegneten Priesterin, die plötzlich zur Weißen berufen wird. Damit ist der Zirkel der Göttervertreder auf dem Kontinent komplett. Neben ihr dienen die Männer Juran und Rian sowie die beiden Frauen Dyara und Maiere als Weiße dem Zirkel. Aurayas erste Aufgaben als frisch gebackene Dienerin der Götter besteht darin, Friedensverhandlungen mit fernen Ländern zu führen. Unter anderem reist sie zu dem Inselreich Somrey und später in das Gebirgsland Si, in dem die Göttin Huan ein eigenes Volk fliegender Menschen, den Siyee, geschaffen hat.

Doch ihr Status als Weiße bringt Auraya nicht nur schöne Tage ein, denn aus Südithania wird die Kunde laut, dass die dortige Religion der Pentadrianer Aufschwung erhält. Auch diese huldigen fünf Göttern und es gibt in den sogenannten Stimmen der Götter fünf mächtige Zauberer, die einen Gegenpart zu den Weißen darstellen.

Auraya trifft auf den Anführer der Stimmen, Kuar, und wird von ihm fast getötet. Als sie sich von einem Turmfelsen stürzt gewinnt sie jedoch eine neue magische Fähigkeit, über die bisher niemand anderes verfügt hat. Sie kann fliegen. Auraya wird als Abgesandte nach Si geschickt und lernt dort die Sitten und Gebräuche der Siyee kennen. Während sie die Verhandlungen mit Si führt, braut sich im Süden ein Krieg zusammen:  Die Pentadrianer schicken eine gewaltige Armee nach Nordithania, um den Kontinent mit Gewalt zu missionieren.

Den Weißen bleibt nichts anderes übrig, als auch Nordithania zu den Waffen zu rufen.

Buch 2: Magier / Last of the Wilds

Während Auraya in Si weilt und sich um die liebgewonnenen Siyee kümmert, zieht es auch den Traumweber Leiard in das Gebirgsland. Eine unheilvolle Krankheit bricht unter den geflügelten Menschen aus und nur Leiard, der in Wirklichkeit der unsterbliche Begründer der Traumweber, Mirar, ist, kann mit seiner einzigartigen Heilmagie helfen.

Auraya lernt von Mirar die Magie des Heilens – doch dann erhält sie den Befehl der Götter, Mirar zu töten und damit ein hundert Jahre altes Säumnis Jurans zu beseitigen, denn schon einmal hielt alle Welt Mirar für tot.

Während Auraya im Land Si mit sich hadert und erste Zweifel an den Göttern sich in ihr regen, unternimmt die Unsterbliche Emerahl eine wagemutige Reise durch Nordithania um andere überlebende Unsterbliche zu suchen.

Parallel dazu wird die Armee der Pentadrianer, die im Land Sennon von der Armee der Weißen besiegt wurde, durch die junge Denkerin Reivan nach Südithania zurückgeführt. Obwohl sie über keine magischen Gaben verfügt, ernennt die zweite Stimme Imenja sie zu ihrer ratgebenden Gefährtin. Während das Volk Südithanias einen neuen Anführer der Stimmen der Götter wählt, treffen Reivan und Imenja auf die entführte Königstochter des Meeresvolkes der Elai. Ihr Plan, die gerettete Prinzessin ihrem Vater zurückzubringen und dies als Anlass für ein Bündnis mit den Elai zu nutzen, scheint aufzugehen.

Buch 3: Götter / Voices of Gods

Mirar ist auf der Flucht vor den Göttern nach Südithania gereist wo er die Bekanntschaft mit den dortigen Traumwebern macht und feststellen muss, dass sie hier nicht geächtet, sondern toleriert und gar respektiert werden. Die Stimmen der Götter werden auf ihn aufmerksam und laden ihn in die Hauptstadt Glymma ein.

Auraya ist nach ihrem Rücktritt von den Weißen nach Si zurückgekehrt. Emerahl unterbricht ihre Suche nach der Schriftrolle der toten Göttin Sorli und unterweist Auraya in der Fähigkeit ihre Gedanken sowohl vor den Weißen als auch vor den Göttern abzuschirmen.

Nach und nach entdeckt Auraya das Geheimnis der Unsterblichkeit und die Fähigkeit, dass sie nicht nur die Anwesenheit der Götter spüren, sondern auch deren Gespräche belauschen kann. So erfährt sie, dass die Göttin Huan die anderen vier Götter versucht gegen Auraya aufzuwiegeln, um sie aus dem Weg zu schaffen. Einzig der Gott Chaia, der Gefallen an Auraya gefunden hat, scheint ihrem Tod im Wege zu stehen.

Aurayas Zweifel an den Göttern beginnen sich zu regen, als Huan eine Gruppe Siyee auf ein selbstmörderisches Himmelfahrtskommando nach Südithania schickt, um dort einen Vergeltungsschlag zu üben. Zwar wird Auraya erlaubt, die Siyee zu begleiten, doch die Götter verbieten ihr, sich mit ihrer Macht einzumischen und die Siyee zu unterstützen.

Der Angriff ist eine Falle, in die die Siyee blind hineintappen. Sowohl sie als auch Auraya werden Gefangene der neuen Ersten Stimme Nekaun, der Auraya das Volk Südithanias näher bringen will, um sie so auf seine Seite zu ziehen.

Die Götter sorgen jedoch dafür, dass dies nicht geschehen kann und mobilisieren eine Armee Nordithanias, um gegen Südithania zu marschieren. Innerhalb kürzester Zeit steht ein zweiter Krieg bevor – doch diesmal ist etwas anders: Die bisher im Verborgenen lebenden Unsterblichen tauchen aus ihrer Deckung auf und mischen mit, denn sie haben durch eine geheime Schrift der toten Göttin Sorli herausgefunden, wie sich die Götter im Krieg der Götter getötet haben und wissen, dass sie es mit vereinten Kräften ebenso schaffen könnten.

Doch dazu brauchen sie Auraya, die als Gefangene Nekauns unter Folter in einem dunklen, magielosen Verlies dahinvegetiert.

Dass Frau Canavan fesselnd zu schreiben vermag hat sie bereits in ihrer Magicians Guild Trilogie um die junge Magierin Sonea bewiesen. Doch während Sonea noch im Kindes- und Jugendalter war und zumindest in den ersten beiden Büchern eher einen weiblichen Harry Potter abgab, ist Auraya wesentlich erwachsener. Das merkt man auch den Büchern an. Dumme Jugendstreiche gehören der Vergangenheit an. Hier geht es um Macht, Magie und Götter. Und das nicht zu knapp.

Canavan nimmt sich Zeit, ihre Geschichte in epischer Breite auszudehnen. Leider verliert sie sich dabei in zu viele Nebenstränge und kurze Kapitel, als dass man sich immer von jedem Plot mitreißen lassen könnte. Jedes Buch umfasst etwa sechs Handlungsstränge aus verschiedenen Perspektiven. Während das im ersten und letzten Roman durchaus zu verschmerzen ist, wirkt die Geschichte um die entführte Elai-Prinzessin leider nur langweilig. Und auch die Begegnung mit Mirar in Si sowie die Eindämmung der Krankheit, die die Siyee befallen hat, zieht sich zu sehr in die Länge.

Buch 1 bietet spannende, magische Fantasylektüre, die sofort unbändige Lust auf mehr macht. Buch 2 nimmt erst im letzten Viertel etwas Fahrt auf, wenn einige der Geheimnisse der Götter ans Tageslicht kommen. Buch 3 wiederum ist einfach magisch und steuert auf ein fabelhaftes Finale hin, bei dem der Leser mehr als nur einmal mit der Beckerfaust vor dem Schmöker sitzt oder sich eine Träne der Rührung oder Trauer an die Oberfläche kämpfen will.

2.000 Seiten hätten es auch getan, da hätte Frau Canavan im zweiten Roman durchaus etwas weglassen können. Doch die Durststrecke im Mittelteil wird grandios vom mit dem dritten Roman entschädigt.




  

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s