Google Stadia – mit Vorsicht zu genießen

Hier nur meine Meinung. Google Stadia ist in aller Munde und wird von den Medien regelrecht hyped.

Worum geht es? Google bringt im Herbst einen Streamingdienst für Spiele auf den Markt. Das ist vor allen Dingen für viele Menschen interessant, die sich entweder einen Spiele-PC nicht leisten können oder wollen, deren Spiele-PC eventuell betagt ist oder die keine aktuelle Spielkonsole besitzen und sich auch hier das Geld für selbige sparen wollen.

Denn Spiele, die via Google Stadia gestreamt werden, benötigen so gut wie keine nennenswerten Hardwareanforderungen, schließlich erfolgt die aufwändige Berechnung von 3D-High-End-Spielen (wie beispielsweise Assassin’s Cree Odyssey) auf den Google Servern und das, was die Spieler zu sehen bekommen, wird nur auf den heimischen Bildschirm gestreamt.

Das Endgerät kann daher ein Smartphone, ein Tablet, ein Office-PC mit Browser, ein SmartTV, ein AppleTV oder ein Chromecast sein. Gespielt wird mit einem Controller, hier bietet Google entsprechende Hardware mit geringer Latenz an. Allerdings soll man auch mit bisherigen Controllern von Sony oder Microsoft spielen können.

Was kostet der Spaß? Entweder bucht man bei Google ein Abo und bekommt dafür analog zum XBox Gamepass eine Handvoll Spiele, die man für den monatlichen Obulus zocken kann (zum Start soll Destiny 2 dabei sein, aber machen wir uns nichts vor, Blizzard hat Destiny 2 bereits kostenlos für den PC angeboten, also ist das nun wirklich keine Showrunner).

Wer neue Spiele erwartet muss erst einmal passen. Im Gegensatz zu Microsoft, die im Gamepass auch alle von den Microsoft Game Studios entwickelten Spiele direkt als Vollversion für Abonnenten herausbringen, hat Google zunächst einmal keine eigenen Spiele. Wer aktuelle Vollpreisspiele bei Stadia spielen will, muss sie kaufen – bzw. die Lizenz, sie über Stadia streamen zu dürfen. Und dafür zahlt man keinen Vorzugspreis.

Die Sache hat aber noch mehrere Haken.

  1. Neben zumindest einer rudimentären Hardware wie Fernseher, PC, Tablet etc. benötigt man vor allen Dingen eine schnelle Internetverbindung. Für Spiele in einer niedrigen Auflösung von 720p tun es 10 Mbit/sec. Aber mal ehrlich, wer will denn an einem PC-Monitor oder auf seinem Full-HD-Fernseher (wenn nicht sogar UHD) in 720p spielen? Pixelbrei zum Vollpreis? Ist doch Tinnef. Full-HD mit 60 FPS benötigt 20 Mbit/sec – und will man Spiele in 4K mit HDR und 60 FPS zocken, sind 35 Mbit/sec erforderlich.
  2. Bisher scheint nicht bekannt zu sein, auf welchem Server Dienste eigentlich laufen. Jeder Anbieter von Multiplayer-Spielen hat sein eigenes Server-Netzwerk, auf dem Spieler sich treffen. Cross-Platform-Play ist da in den seltensten Fällen möglich. Ihr könnt beispielsweise nicht Battlefield auf der PS4 spielen und euch mit eurem Kumpel Eduardo zum gemeinsamen Battle treffen, wenn dieser das Spiel auf dem PC spielt. Zumal Eduardo als eingefleischter Maus und Tastatur-Spieler dem Controller in puncto unmöglicher Geschwindigkeit den Drehungen mit dem Controller voraus ist. Wozu aber zählt nun Stadia? Da offenbar mit Controller gespielt wird, gibt es eine Verbindung zu den Sony-Diensten, oder denen von Microsoft? Oder gar nicht? Spielen die Stadia-Spieler dann ganz einsam unter sich und finden nur gähnende Leere auf den Servern vor?
  3. Der wichtigste Punkt: Google ist leider bekannt dafür, nicht einträchtige Dienste mit einem Fingerschnipsen Thanos-like auszuradieren. Jüngste Beispiele sind Google Allo, ein Messenger Dienst, der sich nie durchgesetzt hat, Inbox by Google, eine sehr schön Alternative zu Gmail und Google Hangouts wird schon seit einiger Zeit totgeredet und soll alsbald verschwinden. Von Google+ brauchen wir da noch nicht mal zu reden.

Wer also auf das Stadia-Pferd setzt, liefert sich Google zunächst einmal aus. Was, wenn das Ding nicht läuft und Google es nach einem Jahr wieder absetzt, man aber einige hundert Euro in Vollpreisspiele investiert hat? Aus. Game over. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Daher, abwarten und X-Box spie… äh Tee trinken. Schauen wir mal, wie sich der Dienst macht. Ich habe meine anfängliche Neugier bereits ad acta gelegt und. Zum Ausprobieren ist mir das Geld zu schade, da kaufe ich lieber direkt für die Konsole.

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