Was? Schon Mai?

Da guckt man mal nicht auf den Kalender und vergisst die Zeit. Als ich einen Blick in mein Blog warf und feststellte, dass der letzte Eintrag ganze vier Monate her ist, sind mir heißkalte Schauer über den Rücken gelaufen.

Es mag damit zusammenhängen, dass ich mich in meinem Hauptberuf jetzt mehr mit dem Internet und dessen Inhaltsbefüllung befasse. Webseitenbetreuung, -analyse, Beitragsartikel verfassen. Wenn man sich den ganzen Tag mit etwas beschäftigt, kommt man dann oft nicht auf die Idee, zur Entspannung abends noch einmal das Gleiche zu tun.

Das wäre ja so, als würde ich hauptberuflich schreiben und abends noch … äh … nebenberuflich schreiben.

Kurzum, ich habe die Kaylog-News sträflich vernachlässigt und möchte hier künftig wieder vermehrt posten. Wie üblich über Technik und meine Romane.

Neuigkeiten gibt es hier auch bezüglich des nächsten Vigilante-Romans und in Bälde ein Sneak-Preview zum Cover. Doch dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Stay tuned.

Bandersnatch: Uninteraktiver Scheiß bei Netflix

Ein Frohes Neues Jahr!

Hätte man mich im Freundeskreis nicht drauf hingewiesen, hätte ich den BLACK MIRROR Ableger Bandersnatch wohl links liegen lassen, da mich Black Mirror insgesamt nicht so geflasht hat.

Eine oder zwei für mich gute Geschichten, vieles ist mir dann aber doch zu sehr Twilight Zone.

Nun kommt Bandersnatch. Ausgekoppelt aus der Reihe als Stand Alone Film, der interaktiv sein soll.

An bestimmten Stellen der Handlung hat der Zuschauer „die freie Wahl“ und kann den Fortlauf der Handlung mitbestimmen.

Nicht.

Zunächst einmal: Auf Apple TV läuft der vermeintlich interaktive Streifen nicht. Futurezone vermutet dahinter Konkurrenzdenken, was natürlich total plemplem ist. Denn alles andere läuft ja auch auf der Netflix App des Apple TV.

Des Weiteren: Interaktive Filme und Spiele mit interaktiven Filmsequenzen gibt es schon seit zig Jahren. 1983 erschien auf Laserdisc beispielsweise der interaktive Zeichentrickfilm Dragon’s Lair. Die Interaktion wirkte sich auf die Bewegungen der Zeichentrickfigur aus.

Über 30 Jahre später erwartet man hier sicherlich bombastische Fortschritte, doch was macht Bandersnatch?

Es geht um simple Ja/Nein-Entscheidungen, die der Zuschauer treffen darf.

Könnte man unter Umständen noch mit leben, wenn diese Entscheidung tatsächlich den Handlungsverlauf beeinflusst und so mehrere Wege zum Ziel (dem Ende des Films) führen. Doch leider beschränkt sich die Interaktion darauf, zuweilen zur Fernbedienung zu greifen und JA oder NEIN auszuwählen.

Hat man sich falsch entschieden, merkt man das bereits nach 20 Sekunden und wird wieder zur ursprünglichen Frage zurückgeleitet, um sich dann „richtig“ zu entscheiden.

Es gibt also keine verschiedenen Handlungsebenen, alternative Wege und Ziele.

Dann, liebes Netflix, kann man das auch sein lassen. So nervt die Unterbrechung einfach nur.

Und dass es nicht auf dem Apple TV abspielbar ist, macht es nicht besser. Oder vielleicht doch … die Nutzer bleiben verschont.

Edit: Nachdem ich nun weiter geschaut habe, musste ich feststellen, dass es im letzten Drittel des Films doch unterschiedliche Ausgänge gibt. Warum nicht gleich so?

Mit Gadgets ins Jahr 2019

Hallo,

ich bin’s wieder. Der Typ mit den vielen Bildschirmen und Displays.

Diesmal bin ich etwas später dran, will es mir aber dennoch nicht nehmen lassen, das Jahr mit der beliebten Rubrik „Mit Gadgets ins neue Jahr“ zu beschließen.

Obwohl ich Ende letzten Jahres vollmundig verkündete, jetzt ist erst einmal Schluss, hat es dann doch eine Menge Bewegung gegeben.

Ich verschone euch mit der Auflistung der Dinge, die ich vom letzten Jahr mit nach 2018 genommen und abgegeben habe und auch mit jenen, die ich zwischenzeitlich gekauft und wieder verkauft habe.

Kommen wir also zu denen Geräten, die mich täglich begleiten und die den Wechsel nach 2019 überstehen werden 🙂

Smartphones

Nach meinem Jahr iPhone-Pause stieß ich im Juni auf gravierende Probleme mit dem Entertainmentsystem meines Dienstwagens. Die Bluetooth-Verbindung funktionierte nicht mehr zuverlässig und Android-Auto hat mehr und mehr Mucken gemacht (eingehende Anrufe wurden plötzlich über das Smartphone wiedergegeben, statt über die Lautsprecher des Fahrzeugs).

Als ich dann das iPhone meines Sohnes via Apple Car Play mit dem Bordsystem verband, war ich hin und weg.

So kam es, dass ich im Juni ein iPhone 8 Plus kaufte (das iPhone X durfte ich nicht, wegen einer Wette, die ich sonst verloren hätte). Da die Samsung Galaxy Gear aber nicht mehr zuverlässig mit dem iPhone arbeitete, wie vorher mit dem Galaxy Note 8 war auch der Weg zur Apple Watch nur noch einen Katzensprung entfernt.

Die Vorstellung der neuen iPhones und iPad Pro ließ mich dann Android fast gänzlich den Rücken zukehren. Nur ein Androide ist mir noch geblieben (pssst … das ist aber ein Guter).

Ich nehme also mit ins Jahr 2019:

Das iPhone Xs Max – beruflich genutzt und mit der Apple Watch Series 4 verbunden für stumme Anrufe am Handgelenk. Meine Probleme mit iPhone-Fotos haben sich inzwischen gelegt. Ich bin von der Displaygröße begeistert. Auch wenn die Notch mich noch etwas stört, mir wäre hier wirklich wohler, man könne sie ausblenden, wie es bei Android-Geräten der Fall ist.

Das iPhone Xr – ist mein privater Daily Driver. Es gibt an dem Gerät absolut nichts auszusetzen und ganz ehrlich, das X oder Xs wäre mir vom Display her zu klein gewesen. Ich bin mit der Kompromissgröße zwischen Xs Max und Xs sehr zufrieden. Zum Display habe ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben. Der Akku hält lang, die Kamera ist identisch mit der Single-Lens des Xs – insgesamt ein sehr schönes Gerät mit dem es Spaß macht zu arbeiten.

Das OnePlus 6 – der letzte Androide. Ein geiles Gerät. Sehr performant auch nach einem halben Jahr. Schöne Gestensteuerung, gutes Display, kleine Notch. Einziger Abstrich: Die Kamera, die aber in der Oberklasse mitspielt, wenn dort auch im unteren Bereich. Zumindest ist sie besser als die des iPhone 8 Plus. Sicherlich wäre das OnePlus 6T als Upgrade eine schöne Wahl wegen der besseren Kamera und der Tropfennotch, doch der Fingerabdrucksensor im Display lässt mich da noch zögern. Mal sehen, wie das OnePlus 7 wird.

Tablets

Im Bereich Tablet-PCs habe ich auch alles abgestoßen, was ich aus dem Android-Bereich noch bei mir hatte. Weg sind das Pixel C und das Huawei Mediapad.

Im Einsatz befindet sich das iPad Pro 11″ beruflich und das iPad (2018) als Couch-Tablet.

Punkt. Keine Kompromisse mehr. Alles muss rund laufen und funktionieren.

Notebooks

Nach vielem Ausprobieren habe ich hier einiges umgebaut.

Geblieben ist das Chromebook HP G13 als Schreibgerät für meine Manuskripte, die ich seit zwei Jahren in Google Docs verfasse und nicht mehr in MS Word.

Wieder hinzugesellt hat sich ein MacBook Pro 13″ Retina. Das dient mir beruflich als Hauptrechner und löst damit meinen 2012er iMac am Schreibtisch ab.

Für die Windows-Variante nutze ich ein Huawei Matebook X Pro, das mich wegen seines tollen Designs und dem schmalsten Rahmen in einem Laptop angesprochen hat.

Stationäre Rechner

Im Bereich Hauptrechner zu Hause wurde der iMac von 2014 von einem MacMini abgelöst. Das 3-Bildschirm-Setup mit 21,5″ und 1080p ist von einem 2-Bildschirm-Setup mit 27″ und 1440p abgelöst worden.

Nur zum Gaming nutze ich weiterhin meinen ASUS ROG PC

Sonstige Gadgets

Lesetechnisch bleibe ich hauptsächlich dem Kindle treu und nutze den Kindle OASIS 2 mit dem 7″ Display. Für Epubs, die ich noch habe, habe ich mir einen Tolino mit 7,9″ zugelegt.

Leider komme ich zu wenig zum Lesen und lasse mir viele Bücher beim Autofahren vorlesen.

Täglicher Begleiter ist die Apple Watch Series 4. Es gab eine Zeit, in der ich die Smartwatch-Funktionen nicht genutzt habe. Das änderte sich seinerzeit mit der Galaxy Gear S3. Inzwischen hab ich die Apple Watch mit all ihren Funktionen wieder lieb gewonnen. Neben Uhrzeit, Terminen, Benachrichtigungen nutze ich die Gesundheitsaspekte: Ich achte auf die Aktivitätenringe, nutze die Atem-Achtsamkeits-App, den Pulsmesser und lasse meinen Schlaf tracken.

Im Bereich Smartspeaker habe ich etwas umgestellt und umgeswitcht. Meine SONOS-Anlage ist verschwunden. Rasche Infos zwischendurch gibts von Alexa über den Echo (1. Generation), Musik im Arbeitszimmer über den Echo 2. Generation.

Der Echo Dot tut seine Funktion als Wecker und im Bad als Musiklautsprecher und um morgens das Wetter und die Nachricht vorzulesen, während man sich die Zähne putzt.

Die Musikbeschallung im Wohnzimmer übernimmt ein Apple Homepod, über den ich auch die Heizungsthermostate und einige Smartlampen steuere.

Ausblick

Für 2019 interessiert mich vornehmlich, was OnePlus rausbringen wird. Den Fingerabdrucksensor unters Display zu verbauen und die Notch auf ein Minimum zu reduzieren ist schon mal ein vernünftiger Ansatz gewesen – da geht noch mehr.

Im restlichen Androidenlager sehe ich eher Ladenhüter. Samsungs Notch-Weigerung ist löblich, aber schmalere Displayränder zum Preis eines Kameralochs im Display zu erzielen, wie es wahrscheinlich beim Galaxy S10 sein soll, ist nicht fortschrittlich.

Fortschritt wäre es, nicht nur die vorderen Sensoren (Näherung, Umgebungslicht), sondern auch die Kameralinse unters Display zu verbauen, sodass nichts davon sichtbar ist. Ob das technisch machbar ist, keine Ahnung, aber ich bin SF-Autor – träumen wird man ja noch dürfen.

So sehr ich mir falt- und biegsame Displays wünsche, der Einsatzzweck muss klar definiert und ersichtlich sein. Samsungs Prototyp vom Galaxy F ist da für mich eher eine Machbarkeitsstudie und für mich praktischen Mehrwert. Als Smartphone hat es ein zu kleines Display und ist zu dick, als Tablet ist es letztendlich auch zu klein.

Wenn ich an biegsame Displays denke, dann fallen mir die Designstudien von ASUS Waveface ein. Die sind allerdings schon 9 Jahre alt und leider noch immer nicht umgesetzt worden. ASUS hatte seinerzeit eine Reife von ca. 5 Jahren angekündigt. Bei Waveface handelt es sich um Konzepte wie beispielsweise einen Armreif, der komplett als Display konzipiert ist, ein aufklappbares Display, das dann als Notebook fungiert und ähnliches.

Das wären die Dinge, die mich in der Zukunft reizen. Smartphone-Tablet-Kombinationen wie sie in der neuen Serie WESTWORLD dargestellt werden.

Mal sehen, wo die Reise hingeht.

Euch wünsche ich ein Frohes Weihnachtsfest, bleibt gesund, kommt gut rüber und vorab alles Gute für 2019!

Euer

Martin Kay

Das Ende der Packstation ist nah

Huch! War er nicht ein Riesenfan davon?

Ja, und ich bin es noch.

Die Packstation befindet sich in der Nähe meiner Wohnung. Ich bin erst in den Abendstunden zu Hause. Meine Nachbarn nehmen keine Pakete für mich an. In der Packstation, kann ich Bestellungen auf dem Nachhauseweg eben abholen, unabhängig von der Tageszeit. Selbst nachts. Ist einfach eine tolle Sache. Und gerade das Nebenan-Feeling ist nicht zu unterschätzen.

Ich bin Großeinkäufer bei Amazon und freue mich, dass ich die meisten Pakete dann auch in die Packstation liefern lassen kann – somit zwinge ich Amazon auch, per DHL zuzustellen und nicht den doofen Hermes zu nutzen.

Aber es gibt Produkte, die lassen sich nicht in die eine Packstation liefern. Sperrige zum Beispiel. Eine Spielkonsole war vom Versand an die Packstation ausgeschlossen, da der Umkarton einfach zu groß war. Oder Druckbehälter und Flüssigkeiten. Hygieneartikel wie Deos oder Rasierwasser könnte man zwar im DM kaufen, aber hey, wenn man eh alles bei Amazon bestellt, warum dann erst noch extra zu einem anderen Laden gurken, zumal es mit einigen Sparangeboten bei Amazon sogar besser läuft als bei DM und Rossmann?

Amazon nutzt nun immer öfter seinen eigenen Zustelldienst Amazon Logistics. Das hört sich furchtbar professionell an, ist jedoch nur eine laienhafte Lösung. Fahrer werden eingestellt oder arbeiten auf eigene Rechnung. Leihfahrzeuge von Buchbinder & Co. kommen zum Einsatz, und die Hobbyfahrer stellen in den späten Abendstunden zu.

Wenn sie denn zustellen. Da sind Leute der Sorte drunter „ist doch mir egal, wer unterschreibt und überhaupt“. Pakete werden „beim Nachbarn“ abgegeben, der sieben (!) Häuserblocks weiter wohnt (das nennt sich eigentlich nicht mehr Nachbarschaft), werden ohne Benachrichtigung abgegeben oder der Zusteller ist zu faul in einem Mietshaus das Paket bis an die Wohnungstür zu liefern und fordert alte Damen auf, bis zur Haustüre zu kommen.

Beschwerden sind raus. Ob sie was bringen, ist fraglich.

Was also tun?

Dass Amazon seit geraumer Zeit an eigenen Paketabholstationen arbeitet, ist bekannt. Ich war mir nur nicht bewusst, dass es in meiner Nähe schon welche gibt. Auf eine neue stieß ich heute in Kamen an einer Shell-Tankstelle, an der ich öfter vorbeifahre (und auch tanke). Der Amazon Locker ist allerdings noch nicht bei Amazons Webseite gelistet, offenbar noch brandneu und noch nicht in Betrieb.

Auf meine Nachforschungen hin stellte ich fest, dass es bereits diverse Locker auch in Dortmund gibt, die meisten an Shell-Tankstellen mit 24/7-Betrieb – so wie eine DHL-Packstation.

Und warum stirbt die Packstation jetzt? Weil Amazon sein Prime-Versprechen nicht mehr einhält, wenn man per DHL und an eine Packstation liefern lassen will. Sie nutzen lieber ihren eigenen, laienhaften Hobbyzustelldienst Amazon Logistics. Der liefert natürlich nicht an DHL Packstationen, sondern entweder zur Haustür oder zu einem Amazon Locker.

Vorhin habe ich eine PRIME-Bestellung aufgeben und wie gewohnt meine Packstation ausgewählt. Lieferung am Mittwoch, 04.10. – äh, bitte? Ist doch Prime. Heute bestellt, morgen geliefert. Da sollte mindestens ein Montag drin sein.

Ist es aber nicht. Wählte ich als Zustelladresse meine private aus, ändert sich der Liefertermin auf Montag, 02.10. – na klar, die liefern das dann mit Fritz Krause und Buchbinder-PKW aus, so gegen 19 Uhr, total genervt und arrogant, weil er ja noch ein Paket zustellen muss, obwohl er den ganzen Tag bereits beim Konditor hinter dem Verkaufstresen gestanden hat.

Gut, den Stress mit genervten Zustellern kann man sich sparen, indem man die Lieferung nicht zu sich liefern lässt, sondern zu einem Amazon Locker. Und auch das ist für Montag, 02.10. möglich.

Hier beschleicht mich das Gefühl, dass Amazon DHL mehr und mehr aus der Logstikkette herausdrängen wird. Eigener Zustelldienst, eigene „Pack“stationen in Form der Amazon Locker – das Ende ist nah.

Spaßeshalber habe ich jetzt die Lieferung zu einem A-Locker geroutet und bin gespannt, wann ich wie benachrichtigt werde und wie ich an eine PIN komme, um den Locker zu öffnen.

Stay tuned. I keep you posted.

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Google+ ist nicht tot

Facebook-Jünger haben vor drei Jahren schon behauptet, Google+ wäre tot. Doch wir wollen mal einen Blick hinter die Kulissen werfen und schauen, wie tot es wirklich ist.

Hintergrund ist hier mein Fortgang von Facebook. Zu viel „Müll“ in der Timeline, statt Lesenswertes.

Ich degradiere hier Facebook gerne auf das Niveau eines sozialen Netzwerk-Kindergartens. Man kann Spaß haben, wenn man sich darauf einlässt, aber irgendwann ist auch mal gut, wenn man wieder zum „ernsthaften“ Spaß statt Albernheiten zurückkommen will.

Zweifelsohne darf sich Facebook als weltweit größtes soziales Netzwerk bezeichnen, wenn die Statistiken auch nicht immer 100% genau sind. So dürfte FB im Jahr 2016 zwischen 1,6 und 1,8 Milliarden Nutzer gehabt haben, Tendenz steigend. Bis auf mich natürlich, ich bin ja nicht mehr da.

Facebook schlägt damit den Ball weit ab. Wer überhaupt in unmittelbarer Nachbarschaft hinterher hechelt sind ebenfalls zwei nicht unbekannte Größen: Youtube mit ca 1 Milliarde Nutzern 2016 und What’s App mit gut 950 Millionen Nutzern.

Die drei Plattformen sind unterschiedlicher wie sie nicht sein könnten. Während Facebook trotz des „Nur Freunde können meine Posts sehen“-Charakters dennoch eher öffentliche und breitere Diskussionsformen darstellt, ist What’s App eher in Chatform einem kleineren, überschaubaren Kreis vorbehalten. Facebook werkelt auf allen Medien, während What’s App dem mobilen Endgerät mit SIM-Karte vorbehalten bleibt.

YouTube ist wieder ein anderes Kaliber. Content wird von EINER Person oder Gruppe produziert und das soziale Netzwerken besteht in vielen Fällen nur aus Kommentaren, ohne eine anregende Diskussion zu starten. Du bist toll, ich find dich gut, das war scheiße, du Hurensohn (nur um es mal gesagt zu haben) findet sich immer wieder unter Videos. Es gibt gute Kommentare bei sachlichen Videos, aber ich vermisse hier noch die interaktive Diskussion, die ich eher unter Kommentaren bei Blogeinträgen finde.

Am ehesten mit Facebook zu vergleichen ist daher Google+, das 2011 von Google gestartete soziale Netzwerk (neben Youtube natürlich).

Anfangs war Google+ ähnlich aufgebaut wie die Facebook-Timeline, heute hat es nichts mehr damit zu tun und wurde mehrfach erneuert und umstrukturiert. Hier hat sich auch die Spreu vom Weizen getrennt. Alle Katzenfoto- und -video-Liebhaber blieben bei Facebook, ebenso wie die Sprücheklopfer und jene, die in der Vergangenheit abhängen, während in meinen Augen eher die seriösen Contenlieferer sich Google+ als Medium widmeten.

Bei meinem Facebook-Ausstieg wurde und werde ich noch ausgelacht. Von Facebook-Nutzern. Google+ ist tot. Heißt es immer wieder.

Nein, ist es nicht, denn Google+ hat – und jetzt mal aufgemerkt – 2016 die vierstärkste Nutzercommunity nach Facebook, Youtube und What’s App gehabt.

Mit ca. 440 Millionen aktiven Nutzern weltweit liegt es zwar weit hinter Facebook, aber dennoch vor anderen Social Media Plattformen wie Instagram (430 Mio), Twitter (325 Mio), Tumblr (230 Mio), Pinterest (110 Mio) oder LinkedIN (100 Mio).

Natürlich mag aus deutscher Sicht G+ tot sein, denn die Deutschen gelangen hier nicht in die Top 5 der Nutzerstatistiken. Allen voran liegen die US-Amerikaner, danach die Inder, Brasilien, Großbritannien und Kanada. Bei Facebook schaffen es die Deutschen zumindest auf den fünften Platz. Vermutlich wegen der Katzen.

Wie gesagt, ich werde ausgelacht. Da mein Google+ Account bisher nur nebenher lief und meine Blogeinträge automatisiert gepostet wurden, hatte ich mich nicht mehr mit dem Netzwerk befasst.

Bis ich jetzt wieder von Neuem darauf stieß und mich offen gestanden auch erst zurechtfinden musste. In der mobilen Variante gleich Google+ noch etwas Facebook. Beiträge erscheinen in einer Timeline untereinander. In der Webvariante gibt es drei Spaltenblöcke und Beiträge erscheinen wie angepinnte Karteikarten. Dazu gibt es Communities, denen man beitreten kann und die sich bestimmten Themen widmen und man kann seine Posts in Sammlungen thematisch arrangieren.

Gerade die Communities sind interessant. Ich hatte schon vergessen, dass ich mich mal in einer Evernote und einer ChromeOS Community angemeldet habe und entdecke nun, welche wertvolle Resonanz man dort erfährt.

Google+ ist nicht tot. Es ist erwachsener, zielstrebiger, weniger Spielerei als Facebook und tot mag es nur für die sein, die es nicht verstehen und sich lieber Katzenvideos, „Teile das, wenn du noch weißt was ein Negerkussbrötchen ist“ und „Das ist schmutzig, das ist verwerflich, ich bin dabei“-Sprüche reinziehen, statt informative, wertvolle Beiträge zu lesen und sich aktiv an kreativen Diskussionen zu beteiligen.

My two cents, friends.

Edit

Noch zu erwähnen wäre:

  • Auf Facebook wurde ich trotz AdBlock am Seitenrand mit Werbung zugemüllt. Jede Googleanfrage oder Amazonsuche führte unweigerlich zu gesponsorten Beiträgen in meiner Timeline, die mit meiner Suche zusammenhängen. Kauf dies, kauf das. Auf Google+ gibt es meines Wissens keine Werbung und keine gesponsorten Beiträge.
  • Auf Facebook bekomme ich nicht das angezeigt, was ich will. Selbst wenn ich zu den neuesten Nachrichten wechsle, verschwinden die zugunsten von „Hauptmeldungen“ rasch wieder. Hinzu kommt: Öffnet man gerade Facebook und man sieht einen interessanten Eintrag, der aber schon outdated ist, aktualisiert sich plötzlich die Timeline, zeigt die neuesten „Hauptmeldungen“ an und man  darf sich auf die Suche begeben, den Beitrag wiederzufinden. Google+ geht hier ähnlich wie Twitter vor: Man lässt den aktuellen Screen stehen und blendet oben dezent ein, dass es 10+ neue Einträge in der Timeline gibt. Wenn man dann fertig mit lesen ist, kann man auf diesen Hinweis klicken und bekommt die aktuelleren Meldungen angezeigt.

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