Ein Kapitel ist zu Ende, wenn es zu Ende ist

Wie lang soll ein Kapitel werden, damit es lesbar ist? Was kann man dem Leser zumuten? In wie viele Abschnitte unterteilt man es?

Es gibt Autoren, die schreiben überhaupt keine Kapitel. Sie beginnen den Roman und schreiben ihn in einem Guss durch, nur mit Absätzen gewürzt, damit der Leser (und wohl auch der Autor) zwischendurch mal Luft holen oder das Buch an die Seite legen kann. Ich kann es ehrlich gesagt auch nicht haben, wenn ein Kapitel endlos lang ist. Natürlich sind dreißig Seiten kein Problem, wenn zwischendurch auch einmal ein Absatz gemacht wird, um das Buch notfalls an die Seite legen zu können. Denn mitten auf einer Seite einfach mit dem Lesen aufzuhören, ist nicht ganz mein Fall.

Eigentlich befinde ich mich in Kapitel Vierzehn, dem letzten Kapitel meines Romans »Das Blutreich«. Doch ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich eine Entscheidung  hinsichtlich Lesbarkeit und Dramaturgie treffen muss. Vergleichen wir Kapitel Vierzehn mit der Tomatensuppe vor dem Hauptgericht. Sie ist köstlich, bekömmlich und soll Appetit auf den zweiten Gang machen. Wenn der aber serviert wird, gerade da man den letzten Löffel aus der Suppentasse gekratzt hat, ist der Sinn der Vorspeise irgendwie verloren gegangen, und sich ohne Pause auf das Gericht zu stürzen, mutet eher wie ein misslungenes Dinner an.

Kapitel Vierzehn wird also die Vorspeise sein – und das Feuerwerk lasse ich im darauf folgenden Abschnitt abbrennen. Vielleicht gibt es noch ein Dessert … wer weiß? 😉

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