Unerhört!
Gerade in der Dortmunder Stadtbahn. Ein offensichtlicher Proll keift durch den Zug, dass er schon zehnmal gedrückt hätte, und der Fahrer mal auf seine blinkenden Lämpchen achten sollte, damit er rechtzeitig anhält.
Soweit zwar nicht gut, aber okay. Da muss man drüber stehen. Auch als Fahrer. Denn immerhin sind die Passagiere (oder Fahrgäste, wie sie von den Stadtwerken genannt werden) zahlende Kunden. Fahr- und Fluggäste sind vermutlich die einzigen Gäste, die für einen Besuch etwas zahlen müssen. Da bekommt die Aufforderung, "seien Sie mein Gast" eine ganz andere Bedeutung.
Also, der Fahrer des Stadtbahnzuges hätte Schwamm-drüber sein lassen sollen. Der Fahrgast war ohnehin ausgestiegen, blökte zwar noch etwas herum, aber was soll’s, da steht man doch drüber.
Nicht dieser Fahrer, ein offensichtlicher Jungspund, der plötzlich das das Seitenfenster herunterließ und dem Proll was zurief, dass sich verdächtig nach "Was willst du, du Hurensohn?" anhörte. Plötzlich Brüllerei, und der Fahrer macht den Fehler, er gerät in Rage und lässt sich weiter provozieren.
Dass er aber noch etwa 30 bis 40 andere ZAHLENDE KUNDEN in seinem Zug hat, und er Gott verdammt noch mal einen DIENST an diesen Kunden zu leisten hat, scheint ihn nicht zu interessieren. Vielleicht dachte er sich, so eine Prügelei wäre auch mal für die zahlenden Kunden, eine willkommene Abwechslung.
Der Fahrer öffnet seine Tür, greift sich den Weichensteller (das Metallteil, das wie ein Brecheisen aussieht) und stellt sich dem Proll entgegen. Mal abgesehen davon, dass hier die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht gewahrt blieb, DARF der Mann das überhaupt?
Sicherlich nicht. Denn seine Aufgabe ist es, die Fahrgäste sicher von A nach B zu transportieren.
Zwar ging das Ganze ohne Schlägerei aus, aber vermutlich eher nur, weil der Proll sich angesichts des drohend erhobenen Weichenstellers nicht zu einem Angriff durchgerungen hat. Nach lautstarkem Gebrüll und Stinkefingerzeig (seitens des Fahrers, als er schon längst wieder im Zug saß und dieser anrollte), nahm die Bahn ihre Fahrt wieder auf.
Normalerweise müsste der Vorfall gemeldet und der Fahrer fristlos an die Luft gesetzt werden, denn durch sein Verhalten hat er die Sicherheit der Fahrgäste und des Fahrzeugs gefährdet.
