Es wird emotional

Ich befinde mich in einem extrem luxuriösen Zustand, was das Schreiben anbelangt. Ich habe keinen Termindruck. Mein Verleger setzt mir keine Deadlines und der Lektor kann machen, was er will. Ich genieße es, das Wort Ende unter ein Manuskript zu schreiben und das, was Autoren hassen oder lieben, dem Lektor zu überlassen.

Ja, es gibt tatsächlich Autoren, die viel mehr Energie und auch Elan in die Nachbearbeitung und den Feinschliff eines Manuskripts stecken, als in das Schreiben selbst. Für mich ist das nichts. Ich bin in der Beziehung eher ein Schlunz. Ich würde nicht sagen, dass ich nach dem Fire & Forget-Prinzip schreibe, denn gerade bei Serien und Reihen komme ich immer wieder mit meinen früheren Werken in Berührung, sodass ich mich manchmal beim Nachlesen frage: Das habe ich geschrieben?

Nicht, dass es mir peinlich ist, im Gegenteil. In den meisten Fällen bin ich positiv überrascht und erinnere mich dann wieder, warum ich schreibe und vor allen Dingen wie ich schreibe: Ich schreibe das, was ich auch selbst gerne lesen würde.

Während andere mit monate- oder gar jahrelanger Vorbereitung beschäftigt sind, ehe sie überhaupt den ersten Satz schreiben, lege ich direkt los. Vor meinen Augen läuft ein Film ab, ich greife die Szene auf und tippe sie so schnell ich kann herunter. Eine Zeitlupe gibt es oft nicht. Aber ein Rewind.

Aber wie sieht es emotional aus beim Schreiben? Ich bin sehr nah am Wasser gebaut, wenn es um visuelle oder vorgelesen Szenen geht. Beim Lesen kommen mir eigentlich selten Tränen oder Glücksmomente. Ich kann mich noch deutlich an eine Szene aus Dirk van den Booms erstem Tentakelkrieg-Roman erinnern, die so gut geschrieben war, dass mir die Rührungstränen kamen.

Beim Schreiben passiert das noch seltener. In der letzten Zeit gab es aber drei Momente, von denen ich zwei unter Tränen geschrieben habe. Vigilantes Ableben war einer davon. Und als die Heldin in meiner kommenden SF-Serie vom Tod ihrer Eltern erfuhr, denn diese Szene schrieb ich kurz nachdem meine Mutter verstorben war und dann tatsächlich unter Tränenkrämpfen. Ob ihr das Leser hinterher zu spüren bekommt, vermag ich nicht zu sagen. So war es mir zumindest möglich, meinen Verlust zu verarbeiten.

Heute Morgen hatte ich einen anderen Moment. Ganz ohne Tränen, aber mit klopfendem Herzen. Dazu muss ich sagen, dass ich ein großer Fan davon bin, wenn in einer Handlung erst etwas aufgebaut wird und der Leser in die Richtung „wie war das vorher wohl mal“ oder „wie das angefangen haben mag“ bugsiert wird.

Einen Vorgeschmack, wie so etwas aussehen könnte, habe ich euch in SWORD mit einer Rückblende spendiert als Dianne Collier auf Eileen Hannigan trifft.

Heute schrieb ich eine ausufernde Rückblende, die ein gesamtes Kapitel einnahm, wie es überhaupt zur Gründung von SWORD kam, wer den Auftrag gab, wer für die Ausführung zuständig war und warum SWORD noch nicht zu Zeiten von US-Präsident Wallace die Schaubühne betrat.

Die Szene hat mich richtig gehyped, denn das war genau das, was ich auch bei einer Serie, sehen oder lesen würde. Eine Szene, die mich mit offenem Mund zurück und denken lässt: Boah, so war das also! Wie geil!

Ich weiß nicht, ob der Enthusiasmusfunke beim Lesen auf euch überspringen wird, denn dafür müsst ihr schon fast eingefleischte Fans des Hanniganverse sein, wenn ich aus einer Zeit schreibe, da Gaia’s Dawn gerade dabei ist reihenweise die Generäle und ihre Assistentinnen auszuknipsen und Eileen Hannigan im Begriff ist, die Reise nach Südamerika zum Ursprung des Verbunds der Generäle zu ergründen.

Mich hat es bei Schreiben jedenfalls vom Hocker gehauen – das halte ich für ein gutes Zeichen.

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