Mit Rückblicken tu ich mich oft schwer, da ich jemand bin, der gerne nach vorne blickt. Aus Fehlern kann und soll man lernen, aber diese Ausrede wird vermeintlich oft benutzt, wenn man einfach nur vergangenen Zeiten hinter trauert oder -jammert.
Von daher soll es nur um einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende gehen, aber ich komme nicht umhin, auch das lobend zu erwähnen, das mir dieses Jahr „geschenkt“ wurde und das ich täglich benutze.
„Geschenkt“ in Anführungszeichen, weil es freilich etwas kostet, aber ich sehe es als Geschenk an, denn es erleichtert meine Arbeit ungemein oder führt dazu, dass sie mir mehr Spaß macht und noch inspirierender wird.
Fangen wir mit dem Stichwort Musik an. Anfang 2021 habe ich mich dazu entschlossen, wieder mehr Musik zu hören und bin dann aber auch gleich in die Vollen gegangen. MP3-Kram? Nee, zumindest sollte CD-Qualität her.
Ich habe mir einen Hi-Res-Mediaplayer zugelegt und entsprechende Referenzkopfhörer. Weg mit dem Bluetooth-Zeug und zurück zu Kabelkopfhörern. Und ja, ob das Einbildung mit reinspielt oder nicht, ich höre den Unterschied und gerade dieser Unterschied gefällt mir.
2023 wurde aus dem mobilen Hi-Res-Mediaplayer ein stationäres Gerät als die Firma FiiO mit dem R7 Desktop-Player genau die Lösung anbot, die ich brauchte. Kein nerviges Aufladen mehr, weil der Akku schlapp macht, sondern ein stationäres Gerät, auf dem ich eigene gerippte CDs in CD-Qualität hören konnte oder gar höherwertigere Musik über die Dienste von TIDAL und Qobuz. Eine Zeitlang war ich zu Apple Music zurückgekehrt als die ihren „Lossless-Kram“ anboten, doch irgendwann erkannte ich, dass Alben in Masterqualität doch eher Mangelware bei Apple waren, während es diese bei TIDAL und Qobuz zu Hauf gibt.
Also back to the roots. Zu dem Zeitpunkt dachte ich, meine bisherigen Referenzkopfhörer aus dem Hause Sennheiser und AKG wären schon das, was richtig klasse ist, bis ich das Glück hatte, den Sennheiser HD 600 S zu einem ultragünstigen Preis zu bekommen. Der erste Eindruck war überwältigend. Er schlägt meine Sennheiser HD599 und HD560 um Längen, dass ich ihn nicht mehr missen möchte. Eine grandiose Klangbühne und ein Beweis dafür, dass es doch noch besser geht. Doch dann fiel mir dieses Jahr auch noch der FiiO FT-3 in die Hände, ebenfalls ein offener kabelgebundener Kopfhörer und der erste seiner Art, den FiiO herausgebracht hat – und was soll ich euch sagen: Ich habe jedes Mal Freudentränen in den Augen, wenn ich darüber Musik höre. Da geht das Schreiben so flott und inspirativ von der Hand, ich hätte es niemals für möglich gehalten.
Die Tastatur meines MacBooks Pro sieht entsprechend aus, hat sie doch seit Mitte 2022 schon einige Millionen Anschläge hinter sich gebracht. Ich würde mir ja gerne eine Tastatur wie die von Microsofts Surface Studio Laptop oder dem Surface Book in einem MacBook wünschen, weil die nicht so anfällig sind, aber für mich gibt es beim Schreiben kaum eine Alternative zum MacBook. Der Workflow mit dem Wischen durch Spaces passt einfach und auch das Einschalten des Fokus-Modus in Word geht butterweich über die Bühne, während die Microsoftgeräte hier schon immer wieder sehr ins stottern kommen. Und allein das „Instant Ready“ eines neuen M-Prozessor-Macbooks ist goldwert, um damit zu arbeiten. Aufklappen und direkt an der Stelle weitermachen, wo man aufgehört hat. Versucht mal einen Windows Laptop aus dem Ruhezustand zu wecken, das dauert oft länger als ihn komplett neu zu starten.
Kommen wir zum Stichwort „künstliche Intelligenz“ – auch die hat in zweierlei Form bei mir Einzug gehalten.
Im grafischen Bereich: Ich bin ein visueller Mensch. Wenn ich schreibe, läuft vor meinem geistigen Auge ein Film ab. Plane ich, dann mache ich das auch gerne visuell. Seien es Charaktere oder Gegenstände, Landkarten, Gadgets, was auch immer.
Früher habe ich in meinem stillen Kämmerlein einfach die Portraits von Schauspielern in meine Datenbank gesetzt. Aber da ich keine Bildrechte habe, konnte ich das nie irgendwo öffentlich posten. Dann fing ich an über Apps Bilder zu modifizieren. Mittlerweile stammen meine Protagonisten zu 100% aus Stable Diffusion, auch wenn ich da immer noch Schauspieler als Vorlage nehme.
Da hat sich eine Menge getan im letzten Jahr. Von Midjourney zu Lexica.art, wieder zu Midjourney, das aber viel zu teuer ist dann zu Stable Diffusion und einer lokalen Installation. Die Fortschritte auf dem Sektor sind enorm. Inzwischen kriegt man einen Realismus hin, der sich von Fotos kaum noch zu unterscheiden vermag. Und selbst Zähne und Finger kriegt die KI mittlerweile gut hin, wenn man nur Geduld mitbringt.
Als man mich früher nach einer Titelbildidee fragte, habe ich angefangen zu beschreiben, was mir vorschwebt. Später ging ich dazu über, in Photoshop collagenartig etwas zusammenzuschnipseln. Um Photoshop komme ich zwar immer noch nicht herum, weil mir keine KI ein „fertiges“ Titelbild ausspuckt, aber die Einzelelemente stammen allesamt von Stable Diffusion. Hier ein Beispiel für einen Coverentwurf für den vierten ETAN-Roman.

Aber auch andere Dinger überlasse ich mittlerweile der KI. Wenn ich Protagonistennamen benötige, habe ich bisher Seiten wie den Fakenamegenerator benutzt. Dort gibst du einfach ein paar Parameter ein, wie Herkunftsland und männlich oder weiblich und bekommst dann Zufallsnamen ausgespuckt. Ich habe dann immer so lange auf „Next“ geklickt, bis mir ein Vorname gefiel, dann bis mir ein Nachname gefiel und denn dann übernommen. Ja, ganz früher hab ich noch Filmabspänne durchgeschaut, um mir Namen zu konstruieren.
Heute lasse ich das eine KI machen. Sei es Bing Chat, ChatGPT direkt oder Ask AI von Momentum oder Google Bard. Einfach ein paar Parameter abstecken, 20 Namen ausspucken lassen und daraus was basteln.
Besser wird es noch bei Akronymen. In SWORD wird demnächst eine neue Organisation mitspielen, von der ich wusste ich würde sie SHIEL… nein, Quatsch, ich würde sie SPEAR nennen. Sollte ich mir jetzt stundenlang den Kopf darüber zerbrechen (wie damals bei SWORD) wofür die Buchstaben stehen könnten? Nix! (um es mit van den Booms Worten zu sagen) Hier haue ich meine Anfrage mit einigen Parametern, worum es geht, einfach in eine KI und lass mir 20 Varianten ausspucken.
Eine KI ist auch Ende 2023 weder ein Ersatz für einen Zeichner noch für einen Schriftsteller, aber sie kann unterstützend unter die Arme greifen. Also, warum auch nicht nutzen?
Kommen wir zum Ausblick.
2023 sind fünf SWORD-Storys und der fünfte Hannigan-Roman erschienen. Geschrieben habe ich dieses Jahr fünf SWORD-Romane (am sechsten sitze ich gerade) sowie drei Romane um die SF-Serie DIE FLAMME VON ETAN. Da kommt also noch Einiges auf euch zu. Sobald ich den sechsten SWORD-Band der vierten Staffel beendet habe, werde ich die Arbeit am vierten ETAN-Roman aufnehmen.
Und als kleines Weihnachtsbonbon bekommt ihr das gerade frisch fertig gestellte Cover zu SWORD 15 zu sehen:

Wieder aus der bewehrten Zeichenfeder von Anna Spies.
Nun entlasse ich euch in die besinnliche Zeit. Genießt diese mit eurer Familie und euren Lieben, lasst euch nicht ärgern, bleibt wohlauf und gesund und habt einen super Start in das neue Jahr!
Frohe Weihnachten!
Euer
Martin Kay
