Der Held bleibt zu Hause

Es sind 843 Seiten vergangen, seit ich John Ringos »Der Angriff«, den zweiten Roman der Invasions-Reihe begonnen habe.

Während es im ersten Roman noch um die Kämpfe auf fernen Welten ging, landen die zentaurenartigen Posleen nun mit einem Vorauskommando direkt auf der Erde. Dieses Vorauskommando ist allerdings schon einige Millionen Posleen stark und setzt den Erdbewohnern arg zu.

Bis es zum Kampf kommt, vergeht erst einmal ein Weilchen. Michael O’Neal genießt Sonderurlaub mit seiner Frau Sharon und seiner Tochter Cally auf den Keys in Florida. Ringo nimmt sich Zeit, über 150 Seiten lang beschreibt er die Ausbildungsschwierigkeiten des GKA-Batallions und den Urlaub der Familie O’Neal.

Dann landen die Posleen in gleich fünf Battleglobes. Nur die Tatsache, dass es sich bei den Invasoren um Aliens handelt, macht aus »Der Angriff« einen SF-Roman. Genausogut aber hätte es jeder andere Feind sein können. Ringo legt einen reinen Militärroman vor, bei dem die Sciencefiction sekundär ist. Ein Roman ohne wirkliche Helden und Identifikationsfiguren, denn Michael O’Neal wird nur am Rande und gegen Ende beschrieben. Über 500 Seiten hinweg erzählt Ringo die Story einer Angriffsmacht in und um Fredericksburg und das verzweifelte Bemühen der Menschen, sich gegen die gewaltige Übermacht zurückzuschlagen. Mit all den ignoranten Befehlshabern, den logistischen Problemen erinnert der Roman vom Stil her an Vorlagen aus dem zweiten Weltkrieg, wie beispielsweise »Die Brücke von Arnheim«. Helden gibt es kaum, dafür ist die Namensflut der Protagonisten einfach zu groß. Dem Leser bleibt keine Zeit, sich auf Einzelschicksale zu konzentrieren, sondern kann nur das Große und Ganze erfassen.

Fazit: Nur für hargesottene Landser-Fans. Die SF bleibt im Hintergrund. Zu viele Längen, kein sense of wonder. Dafür umso mehr amerikanischer Patriotismus.

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