Von gähnender Langeweile und atemloser Hatz


Es gibt zwei Lieblings-Science-Fiction-Serien, die für mich mehr Kultstatus genießen als beispielsweise Star Trek.

Die eine ist Stargate SG-1 mit ihrem Spin-off Stargate Atlantis. Die andere ist V.

Als die Stimmen über ein zweites Spin-off der Stargate-Serie laut wurden, war ich voller Hoffnung. Stargate Atlantis ging nach fünf Staffeln in Rente (TV Film ist im Dreh) und nun sollte eine neue Crew auf dem Bildschirm zu sehen sein.

Das Projekt heißt Stargate Universe, und wenn sich nicht bald und schleunigst die Marschrichtung ändert, wird es keine zweite Staffel geben. Ich kenne zwar die Einschaltquoten nicht, aber mir stellt sich allen ernstes die Frage: Wer will das sehen?

Die neue Storyline ist schnell erzählt. Auf einem fernen Außenposten enträtseln Wissenschaftler das Geheimnis des 10. Chevrons auf dem Stargate. Während sie von Goa’ould-Renegaten angegriffen werden können sie eine Verbindung herstellen und wagen den Sprung ins Ungewisse. Ein Wissenschaftlerteam, ein Senator mit seiner Tochter und einige SG-Marines unter dem Kommando von Col. Young entkommen zu einem unbekannten Ort. Sie entdecken, dass sie sich an Bord eines Raumschiffs der Antiker befinden – und damit beginnen ihre Probleme erst. Sie haben weder Energie, um von hier aus die Erde anzuwählen, stellen fest, dass sie in einer ganz anderen Galaxis herumkreisen und es ihnen an Luft, Wasser, Nahrung und Energie mangelt. Dazu kommt, dass das Schiff völlig autark arbeitet und sich nicht steuern lässt, sondern seinem vorprogrammierten Kurs folgt. Hin und wieder fällt es aus dem Hyperraum und gelangt in die Nähe eines mit einem Stargate ausgestatteten Planeten. Ein Countdown zeigt an, wie viel Zeit der Mannschaft zum Erkunden des Planeten bleibt, ehe das Schiff wieder in den Hyperraum springt.

Eine Mischung aus Star Trek Voyager und LOST. Aus dem Stoff, gepaart mit  den Ideen des Stargate Universums, hätte man jede Menge machen können. Was dabei nach 9 Folgen herausgekommen ist, ist bisher schlicht enttäuschend. In den bisherigen Folgen kümmern sich die Gestrandeten um jeweils ein neues Problem. Ist es zuerst die Luftversorgung geht es in der nächsten Folge mit dem Wasser weiter. Zwischendurch kann man Kontakt nach Hause aufnehmen über vier Alientelepathiesteine, die es einem ermöglichen, sein Bewusstsein mit einem Empfänger auf der Gegenseite auszutauschen, unabhängig von der Distanz.

Im Vordergrund der Handlung stehen bisher die Probleme der Menschen, die Streitigkeiten untereinander, der Wunsch, nach Hause zu kommen, die Verzweiflung, kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. So plätschert eine Folge nach der nächsten einfach dahin, ohne überhaupt nur ein Anzeichen von Spannung aufkommen zu lassen. Lediglich die 8. Folge ließ etwas Abwechslung aufkommen, als das Team auf einem Planeten niedergemetzelt wurde und dies aus den Aufzeichnungen eines Kina (fliegende Kameras und Aufzeichnungseräte der Antiker) erfährt und somit resümiert, dass dies in der Vergangenheit stattgefunden haben muss und doch gleichzeitig eine Zukunft ist, die noch nicht eintrat.

Wenn nicht bald was passiert, wird sich die Serie m.E. selbst begraben. Da muss eine 180 Grad-Wende mit Spannungselementen rein. Das Deprigeschwafel der Protagonisten zieht die Zuschauer eher herunter und versuracht nichts als Langeweile und … Langeweile.

Ganz anders der Neuaufguss von V. Wie bei der Battlestar Galactica Serie gibt es hier in erster Linie keine Fortsetzung, sondern einen sogenannten Reboot der Serie. Die Grundidee ist dabei gleich: Eines Tages erscheinen über 29 der größten Städte der Erde riesige elipsoide Raumschiffe die über eine holografische Botschaft verkünden: We are at peace. Always.

Das, was in der ursprünglichen Serie der 80er langsam aufgebaut wurde, wird hier gleich in der 40-Minuten-Pilot-Folge abgefackelt. Am Ende der Episode weiß der Zuschauer, dass die Aliens Reptilien in Menschengestalt sind, dass sie seit Jahrzehnten bereits unerkannt unter den Menschen leben, um diese auszuspionieren und dass die Besucher aus dem All alles andere als "peaceful" sind, sondern einen Plan verfolgen.

Der Widerstand besteht zunächst aus der FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell), dem Priester Jack Lowery (Joel Gretsch) und dem getarnten Besucher Ryan (Morris Chestnut). Was in der Pilotfolge vollgestopft wirkte, entspannte sich in der zweiten Episode sehr stark, dennoch ging auch dort die Story weiter und der Widerstand formiert sich. Bereits in der dritten Episode spielt die 5. Kolonne der Besucher eine Rolle und in der vierten Episode enthüllt Anna am Ende, dass dies erst der Anfang ist, während die Kamera auf eine gigantische Raumschiffflotte umschwenkt, die im Anflug auf die Erde ist.

Was bei Stargate Atlantis an Spannung fehlt, ist bei V fast schon im Übermaß vorhanden. Momentan scheint es, als würden die Autoren in wenigen Folgen den Weg zu einem Zustand aufzeigen, der zuletzt in der alten Serie herrschte: Eine von den Besuchern übernommene und kontrollierte Erde. Um danach die Story zu erzählen, die ihnen tatsächlich unter den Nägeln brennt.

Ich hoffe, ich liege mit dieser Prognose richtig. Jetzt heißt es leider erst einmal "Herbstpause", was nach nur vier gesendeten Episoden grausam ist, denn die fünfte Folge wird erst wieder im März über die amerikanischen Mattscheiben … pardon, TFT und LCD Fernseher flimmern.

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