Nach dem zweiten Fanatasy-Dreiteiler schaltet die australische Autorin Trudi Canavan einen Gang zurück und bringt einen Soloroman heraus.
»Magie / The Magician’s Apprentice« spielt in derselben Welt, in der später auch die Gilde der Magier angelegt ist, jedoch lange Zeit bevor diese Gilde entsteht.
Die Geschichte von Magie dreht sich um die junge Heilerin Tessa, die durch Zufall ihr Potenzial für Magie entdeckt. Sie wird als Schülerin in die Obhut des Meisters Lord Darkon gegeben, der allerdings schon den Meisterschüler Jayan unter seinen Fittichen hat.
Auslöser des Magieausbruchs bei Tessa war eine versuchte Annäherung des finsteren sachakanischen Magiers Takado, der das Landy Kyralia bereist hat. Tatsächlich sammelte Takado auf seiner Reise Informationen, um zusammen mit ausgestoßenen Magiern Sachakas, den Ichani, ins Land einzufallen und es für die Sachakaner zurückzuerobern.
Als die ersten Angreiff der Sachakaner auf einsame Dörfer am Rande der Grenze stattfinden, sammeln sich die Kyralier zu einer Angriffsgruppe, um ihr Land zu verteidigen. Tessa, Jayan und Lord Darkon kämpfen dabei an vorderster Front.
In einem zweiten Handlungsstrang wir die Geschichte einer Auswanderin erzählt, die versucht bei ihrem sachakanischen Vater Fuß zu fassen, muss jedoch dort feststellen, dass Frauen dort kaum einen höheren Stellenwert als Sklaven haben.
»Magie« ist zwar ein interessanter Roman, der zum Verweilen und Weiterlesen einlädt, den Leser erneut nach Kyralia und Sachaker entführt und die Anfänge der Magiergilde erzählt, aber die Umsetzung ist leider nicht so spannend gelungen, wie die Vorgängertrilogie. Canavan verliert sich in zu vielen Perspektiven. Sie beschreibt die Handlung aus Sicht von Tessa, Jayan, Lord Darkon, dem Sachakaner Takado und dessen Diener Hanara. Zusätzlich die zweite Storyline, die unnötig Platz im Buch einnimmt und keinen wirklichen Nährwert für die Handlung hat. Hier hätten durchaus 200 Seiten eingespart werden können, um eine runde Erzählung zu schaffen.
Nicht so gelungen, wie die Vorgänger bedeutet aber nicht, dass das Buch nicht lesenswert wäre. Als Ergänzung zum Kyralia-Universum ist es eine kleine Perle und für Neuleser ein netter Einstieg.
Ich habe die Epub-Version gelesen und muss hier für den Verlag Abzüge in der B-Note erteilen. Die Umsetzung ist völlig lieblos gelungen, oder eher misslungen. Fehlende oder falsche Zeilen- und Absatzumbrüche. Fehlende Textpassagen, die unverhofft in einem anderen Kapitel plötzlich auftauchen. Dafür, dass man nur 2 Euro weniger für das Ebook, denn für die gebundene Version zahlt, ist das eine glatte Sechs.
Interessant dürfte es im Oktober 2010 werden, wenn die Taschenbuchversion auf dem Markt ist. Was passiert dann mit der Ebook-Variante? Ist sie weiterhin für 17,99 Euro zu haben, während das TB nur 8.95 Euro kostet?
Hier müssen sich die deutschen Verlage dringend was einfallen lassen, wenn sie mit der Zeit gehen wollen.
Mein Vorschlag ist, von vornherein das Ebook mit der Gewinnmarge zu kalkulieren, wie das Hardcover. Damit wird ein Ebook erheblich günstiger sein als das HC und ebenfalls noch günstiger als das später erscheinende TB. Die Angst, weniger HCs zu verkaufen, mag zwar den Verlegern im Nacken sitzen, sie sollten aber ihr Augenmerk auf die Musikindustrie werfen und den Vergleich zwischen gepresster CD und MP3-Download zu Rate ziehen. Da klappt es auch zufriedenstellend.
