Eigentlich hätte »Das Tartarus Orakel« ein eigenständiger Roman sein können. Die Story war rund und abgeschlossen. Am Ende steht der Held als ultimativer Sieger dar, denn er und alle Angehörigen seines Landes sind durch die letzte Beschwörung von Tartarus unbesiegbar und unverwundbar geworden.
Das fällt allerdings auch dem Rest der Welt auf, denn bei Einsätzen im Irak werden australische Soldaten seit Tartarus nicht mehr verletzt und überleben die unmöglichsten Situationen.
Ein unbesiegbarer Held in Form von Captain Jack West jr. bildet keinen guten Ausgangspunkt für einen neuen Roman, daher macht eine mysteriöse Gruppe gleich zu Beginn den Tartarus Effekt durch eine Beschwörung rückgängig. Die Australier werden wieder zu einem normalsterblichen Völkchen.
Dafür zieht neue Gefahr auf. Erkennt der Wissenschaftler Wizard, dass Tartarus nur der Vorbote einer wesentlich größeren und noch destruktiveren Macht (hallo? geht’s noch destruktiver als die Erde zu vernichten?) war. Ein dunkler Stern bedroht die Menschheit, in seiner einzigartigen Konstellation zu den restlichen Himmelskörpern wird er die Erde für immer zerstörten.
Einmal mehr macht sich Jack West jr. mit seinem Team auf, die Welt zu retten. Es gilt sechs heilige Steine zu finden und sie zur rechten Zeit in sechs verschiedene hängende Pyramiden zu platzieren. Der Zeitrahmen ist eng gesteckt, denn die Steine müssen zu einem vorgegebenen Datum und Uhrzeit in ihre Behältnisse geführt und darüber hinaus noch gereinigt werden. Wests erbitterter Feind in diesem Epos ist sein eigener Vater Jack West sen.
Genau wie sein Vorgänger schaltet Matthew Reilly auch in »Die Macht der sechs Steine / Six Sacred Stones« ein paar Gänge herunter. Die Hetzjagd rund um den Globus wird von Rückblenden um das Mädchen Lily unterbrochen und geht in ruhigere Passagen über, die den einzigartigen Zusammenhalt der Protagonisten schlüssig schildern. Selbst der Israeli Stretch als auch der Araber Pooh Bear sind mittlerweile so gute Freunde geworden, dass sie für einander ihr Leben geben würden.
Schwächen des Romans sind aber gerade diese Rückblenden, die das gewohnte Tempo aus dem Actionthriller herausnehmen. Über Lily und ihre Hintergründe wurde bereits im Vorband genug gesagt, sodass weitere Rückblenden nicht nötig gewesen wären. Auch nicht nötig gewesen wäre es, den Jungen Alby einzuführen, denn sein Wissen und Verhalten als Erwachsener passt nicht wirklich in die Story hinein.
Am Ende des Romans hat sich Reilly dermaßen verzettelt, dass er einen bösen Cliff Hanger produzierte. Da zwischen der Erscheinungsweise von Büchern oft ein Jahr liegt, war das strategisch nicht ganz so klug, die Leser auf eine harte Geduldsprobe zu stellen.
Inzwischen ist der dritte Roman in Deutschland auch erschienen, allerdings bisher nur als Hardcover. Wer lieber Taschenbücher kauft, sollte mit dem Lesen von »Die Macht der Sechs Steine« warten, bis auch »Der Fünfte Krieger« in dieser Form erschienen ist.
Alles in allem bleibt der zweite Roman der Jack West Trilogie ein echter Reilly, der in Form seiner Story an »Der Tempel« erinnert. Ein Military-Archäologie-Mix.

