Ulrich von Patten spukte mir und meinem Kumpel Uwe schon seit einiger Zeit durch den Kopf, teilweise basierend auf einer realen Person. Gestern kam dann spontan die Idee, ihn endlich einzubringen. Ich schrieb die Sätze vor, doch irgendwie war ich mir nicht sicher, ob ich sie so stehenlassen konnte. Ein Griff zum Telefon und dann das Freizeichen.
»Uwe Rhinow?«, meldete sich Uwe nach etlichen Klingeltönen.
»Rate mal, wer hier ist!«
»Bist du völlig bekloppt geworden?«
»Äh … wieso das denn?«, fragte ich verdutzt. »Jetzt sag bloß nicht, du hast schon geschlafen!«
»Ja!« Seine Stimme ist patzig und genervt.
»Waaas? Kann doch nicht … wie spät haben wir denn?«
De facto war es 22:20 Uhr, was mich noch mehr erstaunte.
»Na schön, ‚tschuldige die Störung. Schlaf dann mal gut und wir sprechen morgen.«
»Nee, jetzt bin ich wach. Was willste?«
Ich atmete tief durch und überlegte, ob ich das wirklich noch wollte, doch
dann hörte ich am anderen Ende Geräusche und Stimmen.
»Hast du den Fernseher angemacht?«
»Ja«, sagte Uwe. »Schlafen kann ich jetzt nicht mehr.«
»Na schön. Es geht um unseren Uli. Ich bin gerade dabei, ihn in die Story einzuführen.«
»Lass hören!«
Ich las ihm die bisher geschriebenen Passagen vor. Wir feilten zusammen am Aussehen, die Farbe der Augen, seine Gesten, den adeligen Rang und seine Wortwahl, bis dann gegen 23 Uhr die Sätze so ständen, wie Sie sie im vorhergehenden Eintrag lesen können.
»Den Rest schaffste jetzt aber?«, fragte Uwe, mit wieder schleppender Stimme. Ich merkte, dass er jeden Moment am Telefon einzuschlafen drohte.
»Ja. Leg dich hin und bis morgen!«
»…ute …acht«, nuschelte er.
So entstehen Romanszenen
Jeder Autor hat seine Eigenheiten beim Schreiben. Manche verbarrikadieren sich den ganzen Tag in einem stillen Kämmerlein und schlürfen Rotwein. Andere genießen die frische Luft unter freiem Himmel. Wiederum andere saugen sich krampfhaft die Worte aus den Fingern, während es bei anderen einfach so fluppt.
