Na das war mal eine Nummer. Frank Schätzings Roman »Der Schwarm« ist nicht das längste Buch, das ich gelesen habe, dennoch hat es fast am längsten gedauert. Immerhin vier ganze Monate habe ich an dem 1.000-Seiten-Werk gelesen, und ich verstehe beim besten Willen nicht, wie Bekannte von mir es in einer Woche oder besser noch an einem Wochenende durchlesen konnten.
So spannend ist der Roman meiner Meinung nach gar nicht. Zwischendurch zieht er sich wie Leder, die Handlung wird immer wieder und wieder durch wissenschaftliche Erklärungen unterbrochen, die eher hinderlich, denn förderlich sind. Will ich mich über die Hintergründe so ausführlich informieren, greife ich gerne zu einem Sachbuch, das brauche ich aber alles nicht in einem angeblichen Thriller – denn der Thrill erschließt sich mir bei
»Der Schwarm« nun fast überhaupt nicht.Wäre die Handlung gestrafft worden, auf 500 Seiten runtergekürzt, hätte es dem ganzen Werk mehr Tempo gegeben und wäre durchaus lesbarer geworden.
Allerdings will ich nicht nur mosern, denn immerhin habe ich das Buch ganz durchgelesen. Im Gegensatz zu Hohlbeins
»Anubis« beispielsweise, das ich nach 80 Seiten einfach aus der Hand legen musste.Der Schwarm macht durchaus neugierig und gerne nimmt man die zähen wissenschaftlichen Passagen hin, wenn man danach wieder durch spannende Handlung versorgt wird. Und spannend ist der Roman zuweilen. Der Leser will hier schon wissen, wie es weitergeht.
Auf den Inhalt des Buches brauche ich kaum einzugehen. Es ist seit 2004 auf dem Markt und vermutlich weiß jeder grob worum es geht. Meine Schuld, dass ich den Wälzer so lange im Regal verstauben ließ.
Aber zwei Dinge am Rande lassen mir keine Ruhe:
1. Schätzing äußerste sich bereits in seinen allerersten Interviews (beispielsweise auf WDR 2, bevor der Roman überhaupt in den Läden war!), er hätte das Buch so geschrieben, dass man es auch verfilmen kann und angesichts des Marketingkriegs mit dem dieser Roman gepushed und gehyped wurde, scheint Schätzing sein Ziel auch erreicht zu haben. Zwar ist von einer Verfilmung weit und breit noch nichts in Sicht, allerdings sollen die Rechte bereits verkauft sein (unter anderem an Uma Thurmans Produktionsfirma).
Bei einer Verfilmung käme der entsprechende Drehbuchautor aber nicht umhin, den Roman auf die Hälfte zu verkürzen. Das ganze Lamentieren, die wissenschaftlichen Erläuterungen zwischendurch (die nicht im Dialog stattfinden!) und die langatmigen Szenen um Anawaks Reise würden aus 1000 Seiten nicht nur einen fünf-Stunden-Film machen, sondern auch das Publikum vor Langeweile aus dem Kinosaal scheuchen. Daher: Ich merke nichts davon, dass der Roman so geschrieben wurde, dass er verfilmbar ist. Klar, alles ist verfilmbar, aber in diesem Fall muss die Hälfte weggestrichen werden, um ein passables Ergebnis zu liefern. Meiner bescheidenen Meinung nach.
2.
»Der Schwarm« wurde 2004 veröffentlicht und behandelt das SF-Thema einer fremden Intelligenz, die aus dem Meer kommt. 2004 startete in den USA die TV-Serie »Surface«, ebenfalls SF mit der Thematik einer fremden Spezies aus dem Meer, die die Menschen bedroht. Zufall? Einige Parallelen gibt es schon. Nun ja, soll nichts heißen 😉 Fazit: »Der Schwarm« war für mich eine nette Lektüre mit Höhen und Tiefen, Tiefen die aber nicht den Reiz des Ozeans ergründeten, sondern tiefe Bodenwellen in mein Durchhaltevermögen gruben, während ich die nächste und übernächste wissenschaftliche Erklärung für dies und jenes über mich ergehen ließ. Das, was letzten Endes auf insgesamt circa 500 von 1000 Seiten als SF-Thriller übrig bleibt ist durchaus lesbar und spannend und macht Laune. Die Botschaft, die Schätzing mit seinem Werk verkündet, ist recht eindeutig: Mensch, pass auf deine Umwelt auf, du trägst Verantwortung, du bist nur Mieter auf diesem Planeten. Allerdings gibt es auch eine ziemlich deutliche evolutionäre-religiöse Botschaft in der Schätzing den drohenden Finger hebt und sagt: Mensch, sei nicht so verbohrt und glaube du wärst die Krönung der Schöpfung. Und versuche Dinge nicht nur aus deiner Perspektive wahrzunehmen.Nun, das Ganze ist recht hübsch verpackt und mit Kompromissen gespickt, die immer wieder zum Gottglauben der christlichen Menschen zurückführen, um nicht gleich einen Heiligen Krieg vom Zaun zu brechen. Dan Brown war in der Beziehung direkter und aufrührerischer, bei Schätzings Roman sieht man wohl in erster Linie den ökologischen Aspekt.

