Nichts ahnend komme ich nach Hause, sehe die endlos lange Liste von Eingangsmails und fühle keine richtige Lust, sie zu lesen. Doch dann, am späten Abend mache ich mir doch die Mühe fange oben an, statt von unten den Faden aufzurollen. Dirk van den Boom schreibt Ich schreibe morgen etwas dazu. Ich lese die vorherige Mail und sehe die Worte von Nicole Ihr kanntet ihn besser, als ich … und darüber ein einziges Wort Nachruf. Von Panik getrieben lese ich schnell weiter durch die Mails, um zu erfahren, was geschehen ist. Dann stoße ich darauf.
Werner Kurt Giesa ist gestorben.
…
Das ist ein tiefer Schlag. Erst vor kurzem hörte ich noch, er wolle umziehen, umso schockierter bin ich darüber, was ich heute lese. Ich ahnte früh, dass er sich nur noch durch das Leben schleppt. Eine schwere Krankheit zeichnete ihn schon seit Jahren und der Tod seiner Frau Heike nahm ihm den Lebensmut und den Lebenswillen, auch wenn viele hofften, er fängt sich wieder.
Das erste Mal hörte ich von Werner K. Giesa im Fernsehen. Damals wusste ich seinen Namen nicht. Die Sendung Aeon auf dem Offenen Kanal Dortmund behandelte regelmäßig SF-Themen und man hatte einen Schriftsteller namens Robert Lamont ins Studio eingeladen. Er war gebürtiger Hammer, also quasi aus der Nachbarschaft, und stellte seine Bastei-Serie Professor Zamorra vor.
1999 traf ich Werner und seine Frau Heike dann das erste Mal live auf dem Trinity Con in Dortmund. Damals war ich als Autor der Fortschreibung der Serie Dämonenkiller dort, an der auch Werner Giesa mitgewirkt hatte. Wir kamen allerdings nicht wirklich ins Gespräch, weil mich Frank Rehfeld und Robert deVries in einem Planungsgespräch einnahmen und Dario Vandis eine Dämonenkiller-Lesung zum Besten gab.
Ich glaube im Jahr 2000 führte ich dann das erste Gespräch mit Werner. Später tauschten wir E-Mails aus, schwoften über den Sinn des Lebens, begegneten uns auf Cons wieder, redeten über Autos und Minicomputer, bis Werner mich auf einem Con in Marburg fragte, ob ich ihm beim Dortmunder Dialekt für eine Zamorra-Satire helfen könnte. Ursprünglich hatte er eine Hörspielserie namens »Der Magier« geplant, bei der ich mit ihm zusammen die Drehbücher hätte schreiben sollen, doch aus der Serie wurde nichts. Ich sagte zur Dialektgeschichte zu und Werner kam spontan auf die Idee, wir können den Roman ja zusammen schreiben.
So entstand unser gemeinsamer Zamorra »Amoklauf der Werschnecke«, eine Satire, die in Dortmund spielt.
Für Zamorra schrieb ich Dank Werner noch zwei weitere Romane. Das letzte Mal sah ich ihn 2007 in Marburg, gezeichnet von seiner Krankheit und Medikamenten, die er zu sich nehmen musste, befürchtete ich schon das Schlimmste. Nun ist es geschehen.
Ich hoffe, Werner ist jetzt mit Heike vereint und kann, wo immer sich die beiden befinden, das Leben weiter führen, das ihm im Januar 2005 genommen wurde.
R.I.P., Werner und Heike
