Der Mann mit dem Hut ist zurück


Ich bin kurz davor, eine "Man soll keine Fortsetzungen nach über 25 Jahren drehen"-Bewegung zu gründen. Nachdem ich John Rambo schon so herrlich nichts- und nichtsaussagend fand, geht es gleich mit dem Mann mit Hut weiter.

Schlimm finde ich George Lucas‘ Aussage, dass ihm schon zum dritten Film nichts mehr einfallen würde, und dass ihm die Sankara-Steine des zweiten Indiana Jones Films bereits Magenschmerzen bereitet haben. Ich persönlich fand die Steine und den Heiligen Gral okay – aber wenn Lucas keine Idee hat, sollte er doch anderen das Ruder überlassen. Warum immer alles selbst machen? Es gibt Dutzende von Indiana Jones Romanen. Sicherlich wäre auch eine passende Story für einen vierten Film dabei gewesen. Was dann letztendlich dabei herausgekommen ist, will so gar nicht in die Welt des peitschenschwingenden Archäologen passen, wenn Außerirdische erstmals als Erklärung für Mystisches herhalten müssen.

Worum geht es eigentlich? Der junge Mutt Williams sucht Dr. Henry Jones auf und berichtet ihm von seiner verschollenen Mutter Marion, die auf den Spuren Professor Oxleys in Peru auf der Suche nach einem geheimnisvollen Kristallschädel wandelt. Da Oxley ein alter Freund Indys ist, bricht dieser mit Mutt auf.

Unglücklicherweise ist auch wie Weiland Hitler der russische Gegenspieler Stalin an mystischen Artefakten interessiert, um so mächtige Kriegswaffen gegen den Westen zu schicken. Da der Film 1957 spielt, konnten die Nazis als Bösewichter (wie in Teil 1 und 3) nicht mehr herhalten. So mussten es die Genossen aus dem Osten sein, präsent in der Form der Agentin Irina Spalkov (gespielt von Cate Blanchett mit einfältigem Pagenschnitt, die dann mehr und mehr an Anna Bolika aus der Rick Nebula-Parodie erinnerte).

Auf der Suche nach dem Kristallschädel gibt es auch einige saftige Actioneinlagen, die allerdings allesamt irgendwie zum Gähnen reizen. Sei es die Flucht aus der Militärbasis in Nevada, die doch arg an den Showdown im Höhlengebirge des ersten Teils erinnerte. Ebenso die Verfolgungsjagd mit Kübelwagen und Lastern durch das Amazonasgebiet muss sich dem direkten Vergleich von Jäger des verlorenen Schatzes stellen. Ein paar Grabfallen hier und dort, die dann sinnigerweisen Beben auslösen und ganze Höhlen zusammenstürzen lassen – alles bereits in den ersten drei Teilen gewesen.

Der Humor ist deutlich begrenzter als in den Vorgängern und reizt nur hin und wieder mal zu einem müden Lächeln. Auch der Soundtack von John Williams ist der reinste Hohn. Ein paar Mal gibts das Indiana Jones Thema in Kurzform, das war es aber schon. Der Rest ist belangloses Geplänkel ohne Wiedererkennungswert und erinnert hier etwa an den total versäbelten Score zum dritten Film. Es scheint mir, als wäre nicht nur Harrison Ford zu alt für die Rolle geworden, sondern auch alle anderen Beteiligten.

Doch wollen wir nicht ganz so hart zu dem Film sein. Man kann ihn sich angucken, sollte aber seine Erwartungen ganz nach unten schrauben, denn wirklich heranreichen tut er an keinen der drei Filme aus den 80ern.

Schade, Indy.


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Now playing: Soundtrack – Slave Children’s Crusade
via FoxyTunes   

Ein Kommentar zu “Der Mann mit dem Hut ist zurück

  1.  
    Da kann ich Dir nur zustimmen (siehe Kritik auf meiner Seite http://ichbins44.spaces.live.com/blog/cns!E06987901FAA8D7!913.entry ) Die Story ist unnötig kompliziert, die Charaktere zu überdreht ("Catweazle" John Hurt), der Schluss erinnert zu stark an "Akte X" … wirklich mitreissend war das alles nicht, der Film erschöpft sich in Zitaten, fügt der Trilogie aber nichts wirklich Neues hinzu (na, von dem Sohn mal abgesehen).
    Film wie Soundtrack sind überwiegend selbstreferierend, variieren bekannte Themen. Dass man es auch besser machen kann zeigt z.B. der gelungene Soundtrack zum Film "Stardust" (Der Sternwanderer).
     

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