Gelesen: Weltensturm von Scott Westerfeld

»Westerfeld schreibt epische Space Operas der Meisterklasse in der Tradition von Dune« – so die New York Times über Westerfeld Roman »Weltensturm«, der in den vereinigten Staaten in zwei Teilen unter den Titeln »The risen Empire« und »Killing of worlds« erschienen ist, weil das Ursprungsmanuskript mit dem Titel »Succsession« zu lang war und keine guten Verkaufsaussichten auf einen überlangen Roman bestanden.

So episch und Space Opera-lastig wie die New York Times oder Mike Resnik die Sache beschreiben, ist aber Weltensturm gar nicht.

Worum geht’s? Seit 1.600 Jahren existiert ein menschlisches Imperium aus 80 Welten, das ihren Ursprung bei der alten Erde hat. Diese Kolonien werden vom Kaiser regiert, der seit der gleichen Zeitspanne herrscht. Er hat einen Weg gefunden, den Alten Feind, den Tod, zu überlisten und sich unsterblich gemacht. Gleiches bietet er seinen treuen Vasallen an. Loyalisten werden mit Unsterblichkeit belohnt, wenn sie gestorben sind.

Der Feind des Imperiums sind die Rix, eine technologische fortschrittliche reine Frauenzivilisation, halb Menschen, halb kybernetische Organismen. Unruhen an der Grenze zum Rix-Zentrum veranlassen den Kaiser, den Prototyp einer neuartigen Fregatte, unter dem Kommando von Captain Laurent Zai nach Legix XV zu schicken. Als die Luchs  10 Jahre  später im Orbit des Planeten eintrifft, wird die Besatzung Zeugin einer Geiselnahme. Ein Rix-Kommando ist in den dortigen kaiserlichen Palast eingedrungen, um die Schwester des Kaisers zu entführen. Laurent Zai setzt alles daran, die Kindkaiserin Anastasia aus den Fängen der Cyborgs zu befreien – doch die Rettungsmission geht schief und ist Auslöser für eine Lawine, die das Kaiserreich in seinen Grundfesten erschüttert.

Wer jetzt wirklich eine epische Erzählung und den Beginn eines großen Krieges erwartet, sieht sich getäuscht. Westerfeld konzentriert sich auf 827 Seiten auf einen winzig kleinen Ausschnitt, der den Roman auf nur  ein paar Tage steckt. Dabei entwickelt sich ein Flair, wie bei der U-Boot-Verfolgungsjagd in »Jagd auf Roter Oktober«. Zunächst scheitert die Rettungsaktion zur Befreiung der Kaiserin. Dann erscheint ein Rix-Schlachtkreuzer im Raum von Legix XV, der aufgehalten werden muss, ehe er Kontakt zu einem globalen, von den Rix installierten Verbundbewusstseins, aufnehmen kann.

Zai weist die Fehlerklinge (ritueller Selbstmord) für das Versagen der Rettungsaktion zurück, als er eine Nachricht von seiner Geliebten Nara Oxham erhält. Damit lehnt er sich gegen kaiserliche Erlasse auf, wird jedoch vom Souverän begnadigt, bevor dies an die Öffentlichkeit gelangen kann. Doch Zai scheint damit dem Kaiser ein Dorn im Auge geworden zu sein, den es unbedingt loszuwerden gilt. Mit dem Befehl, den Schlachtkreuzer der Rix anzugreifen schickt er den Captain und seine Crew auf eine sichere Selbstmordmission. Doch Zai denkt nicht daran, so leicht zu sterben und entwickelt mit seiner Ersten Offizierin Katherie Hobbes einen Plan, der eine Chance auf Überleben in Aussicht stellt.

Westerfeld wirft den Leser ohne belangloses Vorgeplänkel gleich in die Handlung. Das führt soweit, dass man das erste Kapitel aus falscher Sicht im Kopf erfährt. Bilder einer Verfolgungs- und Spionagejagd mit Bodengleitern erscheinen vor dem Auge des Lesers, nur um am Ende des Kapitels zu erfahren, dass der erste Vorstoß zur Rettungsaktion im Mikrokosmos stattgefunden hat, die "Bodengleiter" letztendlich nur Nanodrohnen von Staubkorngröße waren und ihre Piloten sicher an Bord der Luchs im Orbit sitzen und diese Drohnen per Fernsteuerung lenken. Erst nach und nach erschließt sich dem Leser in Rückblenden das Universum der 80 Welten des Kaiserreichs.

Der Roman selbst ist spannend geschrieben. Mit jeder Bedrohung scheint die Situation für die Luchs auswegloser als zuvor zu sein. Der Nervenkitzel des Weiterlesens besteht darin, dass man unbedingt erfahren will, wie Zai aus der Lage heile herauskommt. Und welches schreckliche Geheimnis, das der Kaiser verbergen zu versucht, um das Kaiserreich besteht.

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