Die Karte der Knochen


Deutsche Verlage und Filmverleihe sind immer sehr erfinderisch (Achtung! Sarkasmus!), wenn es um die Übersetzung von Titeln geht. Inwzischen hat es sich bei Filmen fast eingebürgert, den englischen Titel einfach zu lassen. Andererseits murkst man aber auch völlig andere englische Titel zusammen.

Während "Sandstorm" noch folgerichtig als "Der Sandsturm" transferiert wurde, tat man es sich bei Blanvalet beim zweiten Sigma Force Roman aus James Rollins‘ Feder deutlich schwerer, denn aus "Map of Bones" wurden plötzlich "Feuermönche". Argh! Dabei geht es in dem Roman tatsächlich um eine Art Schatzkarte, die aus den Gebeinen der drei Heiligen Könige ersichtlich wird.

Na ja. Feuermönche also. Es kommt kein Mönch in dem Roman vor, außer einem Sigma Force Mitarbeiter, der den Vornamen Monk (Mönch) trägt. Aber der raucht nicht einmal.

Egal. Worum geht es: Am Ende von "Sandsturm" hat sich Gründer McKnight als Chef der Sigma Force zurückgezogen, um wieder für die Mutterorganisation DARPA (die Forschungseinrichtung des Pentagons) zu arbeiten. McKnights Nachfolger als Leiter der Sigma Force ist Painter Crowe, dessen Feldaktivitäten damit auf Null reduziert werden. Da Agent Novak noch irgendwo mit dem Bruder von "Indiana Jones" Dunn herumturtelt, muss ohnehin eine komplett neue Truppe her.

Commander Grayson Pierce ist der neue Top-Agent der Sigma Force. Ihm zur Seite stellt Crowe die Agentin Kathryn Bryant und Monk. Gemeinsam begeben sie sich auf die Reise nach Köln, wo im Dom während eines Abendmahls Hunderte von Gläubigen ums Leben gekommen sind. Der einzige Überlebende, ein junger Amerikaner, hat berichtet, dass alle Menschen, die die Hostie empfangen haben, plötzlich starben. Offenbar war die Hostie vergiftet.

Pierce und seine Leute werden vom Geheimdienst des Vatikans in persona Monsignore Vigor Verona und seiner charmanten Tochter Rachel, die für die italienischen Carabinieri arbeitet, unterstützt. Gemeinsam finden sie heraus, dass das Massaker von Köln nur ein Feldversuch eines geheimnisvollen Ordens ist, der einem uralten Mysterium auf der Spur ist.

Auch der Erzfeind der Sigma Force, die Gilde, ist wieder mit von der Partie und scheint mit dem Drachenorden zusammenzuarbeiten. In Form einer Euroasiatin namens Seichan, die Pierce und seinen Leuten anfangs Steine in den Weg legt und dann später hilft. Ist sie Freund oder Feind?

Rollins weiß wieder gut und spannend zu unterhalten, wenn er im zweiten Roman um die Sigma Force jedoch deutlich einen Gang zurückgeschaltet hat. Weniger Drive, mehr Geschwurbel (wie Dirk van den Boom sagen würde). Trotz Austauschen der Mannschaft ähneln sich Pierce und Crowe zu sehr und auch bei Kat Bryant wird man ständig an Novak erinnert, sodass eigentlich nur Monk eine erfrischende Abwechslung im Team bildet. Der Showdown gleich mit seiner fulminanten Light- und Blitzshow auch sehr dem aus "Sandsturm". Waren es damals noch Antimaterie-Explosionen, so explodiert hier Gold in einem bestimmten Zustand.

Alles in allem liest sich der Roman dennoch flüssig, weiß zu unterhalten und macht Lust auf weitere Sigma Force Romane (von denen bereits Band 4 und 5 auf Deutsch erschienen sind). Allerdings muss sich Rollins langsam etwas mit seiner "Happy Ending"-Haltung einfallen lassen. In "Sandsturm" hat man noch schön mitgefiebert, ob einem der Protagonisten etwas passiert, doch am Ende kamen alle heile aus der Sache raus, selbst die weniger wichtigen.

Gleiches wiederholt sich leider auch in Sandsturm. Hier hätte Rollins ruhig ein oder zwei von der guten Seite über die Klinge springen lassen können, um den Leser zu schocken. Doch tot geglaubte stehen bisher immer wieder auf. Möglicherweise ist Herr Rollins als hauptberuflicher Veterinär zu sehr Tierfreund, als ein gebliebtes Säugetier draufgehen zu lassen. Auch Monks Verlust einer Hand scheint sehr gut überwunden zu werden. Dass er sich im Epilog anschließend in Kat Bryant verliebt, wirkt leider zu sehr aufgesetzt, denn in der Story war von solchen Gefühlsregungen absolut nichts zu merken.

Für den dritten Roman wünsche ich mir, ein deutlich höheres Tempo und mehr Härte auf der Seite der Guten.

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