Ebooks im Kommen – Kindle 2 und Sony Reader


Es gibt Leute, die sind konservativ und Neuerungen gegenüber selten aufgeschlossen, geschweige denn von ihnen zu begeistern.

Dennoch müssen sich auch Konservative über kurz oder lang dem Fortschritt und neuen Technologien beugen.

Die Compact Disk hat die Schallplatte abgelöst. Compact Kassetten gibt es dank mp3 Playern und Stereoanlagen mit USB-Eingängen für Speicherkarten oder USB-Sticks kaum noch. Die DVD löste das VHS Videoformat ab. Die Blue Ray Disk versucht zumindest die DVD zu verdrängen (ob das Not tut, steht auf einem anderen Blatt).

Was ist mit Büchern? Audiobooks sind in aller Munde und ich kenne tatsächlich in meinem Umfeld Leute, die aufgrund ihrer knappen Zeit, sich eher ein Buch vorlesen lassen, als selbst eines zur Hand zu nehmen. Beispielsweise auf der Autofahrt zur Arbeit, beim Spaziergang mit dem Hund oder beim Erledigen der Hausarbeit. Man kann beim Zuhören eben noch etwas anderes machen. Somit "verschwendet" man seine Zeit nicht mit Lesen.

Mit Audiobooks konnte ich mich selbst bisher nicht anfreunden. Mal eben eine Seite zurückschlagen, wenn man etwas nicht verstanden hat, weil man abgelenkt war, ist nicht so einfach. Beim Autofahren noch schwieriger, als wenn man den kläffigen Vierbeiner ausführt.

Aber so ein Buch braucht Platz. Ein Hardcover in der Handtasche? Undenkbar. Selbst in meinem Rucksack, den ich unterwegs mit mir herumschleppe, ist da kaum noch Platz für was anderes, wenn ich einen Wälzer mitnehme. Von der Unhandlichkeit, den Ermüdungserscheinungen beim Halten eines schweren Buches  und den dummen knicken und Eselsohren oder gewellten Buchdeckeln bei ungünstig in Taschen liegenden Paperbacks oder Taschenbüchern ganz zu schweigen.

Ebooks scheinen da das Zauberwort zu sein. Aber was ist das eigentlich?

Manche Leute glaube, eine PDF Datei am Bildschirm zu lesen sei vergleichbar mit einem Ebook zu lesen. Nee, für Bildschirmlesen ist so ein Ebook nicht gedacht. Eher, um es auf einem PDA zu konsumieren, doch dafür sind a) die Bildschirme in der Regel zu klein und b) ist die Auflösung zu niedrig, sodass längeres Lesen anstrengt und ermüdet.

Inzwischen wurde aber die e-ink Technologie erfunden, oder hierzulande auch mit "elektronischem Papier" übersetzt. Der Bildschirm eines Ebook Lesegerätes simuliert (bisher) schwarze Schrift auf weißem Blatt Papier und das so präzise, dass man wirklich glaubt, ein Blatt Papier vor sich zu haben. Das Lesen wird dadurch wesentlich entspannter und angenehmer, als ein Bildschirmlesen.

Dabei sind die neuen Lesegeräte so leicht wie ein Notizblock und kann dennoch einige Dutzend Bücher speichern, mit Speichererweiterung sogar noch viel, viel mehr. Durch die sparsame e-ink Technologie reicht eine Batterie/Akkuladung sogar für das Lesen mehrerer tausend Seiten.

Vorreiter der Ebooks im amerikanischen Raum ist der Online Händler Amazon, der auch ein eigenes Lesegerät für elektronische Bücher, den Amazon Kindle herausgebracht hat. Der Kindle ist grandios, denn er hat wie bei einem Handy eine Art Sim-Karte eingebaut, sodass man sich jederzeit, fast überall, wo man sich gerade aufhält, ein Ebook im Amazon Shop kaufen, drahtlos herunterladen und sofort lesen kann – und das alles, ohne sich erst irgendwo einen wireless Hotspot oder einen PC mit USB Verbindung suchen zu müssen. Die Idee ist wirklich genial.

Leider gibt es den Kindle und sein neues Nachfolgemodell Kindle 2, das demnächst auf den Markt kommt, nur in den Staaten.

In Deutschland versucht Sony gemeinsam mit Libri die Vorherrschaft des Ebook-Marktes zu sichern. Sony bringt am 11. März diesen Jahres seinen Reader PRS505 auf den deutschen Markt und wird in Verbindung mit Libri einige tausend Ebooks anbieten. Der Sony Reader ist das technisch fortschrittlichste Gerät, das dann in Deutschland zu haben sein wird und arbeitet ebenfalls mit der Technik des elektronischen Papieres, ist federleicht, hat einen endlos lang funktionierenden Akku. Jedoch müssen sich mit diesem Gerät Ebook Inhalte auf herkömmliche Art mit dem PC oder über WLAN heruntergeladen werden.

Wollen Sie Ihre Urlaubslektüre von vielleicht fünf oder zehn Büchern mitnehmen und haben keinen Platz im Koffer und wollen das Gewicht des Papiers sparen, sind Sie mit dem Sony Reader bestens bedient. Auch wenn Sie gern im Zug lesen und ihre Aktentasche etwas entlasten wollen, kommt so ein modernes Lesegerät attraktiv daher.

Die Sache hat nur einen Haken im deutschsprachigen Raum: Die Buchpreisbindung.

Abgesehen von der Anschaffung des Lesegerätes von knapp 300 Euro, müssen Sie selbst auch noch in den Lesestoff investieren. Zum einen ist die Auswahl an Ebooks deutlich geringer, als die der gedruckten Bücher (Sony und Libri setzen auf Klasse, statt Masse). Zum anderen kostet derzeit ein Ebook genau das Gleiche wie ein gedrucktes Buch.

Ist das fair? Nein, natürlich nicht. Ein Ebook versursacht so gut wie keine Kosten (es sei denn es handelt sich um ein Standalone-Projekt, bei dem natürlich Autor, Verlag, Setzer, Vertrieb etc. bezahlt werden wollen). Aber ein Ebook, das bereits als gedrucktes Buch existiert, hat fast Null Cent an Herstellungskosten.

Kein Druck, keine Bindung, kein Transportweg, keine Lagerkosten, keine Versandkosten. Sie bezahlen online, laden es auf ihr Lesegerät und gut ist.

Wenn man sich schon so ein teures Lesegerät kauft und echte Vorteile nutzen will, sollte die Buchpreisbindung hier anders definiert werden – bei Audiobooks geht es ja auch, die meist teurer sind, als die gebundenen Bücher – oder hin und wieder sogar viel günstiger verramscht werden.

Deutschland auf dem Ebook-Vormarsch? Erst, wenn das elektronische Buch günstiger wird, als das gedruckte.

2 Gedanken zu “Ebooks im Kommen – Kindle 2 und Sony Reader

  1. Hallo. Also ich hoffe, dass sich eBooks nie durchsetzten werden. In erster Linie fürchte ich, dass durch illegale Downloads von Büchern dieser Markt komplett wegbrechen würde und zahlreiche Verlage pleite gehen würden, würde sich dieses Konzept durchsetzten. Man mag sich ja nur die Einbrüche bei CD-/DVD-Verkäufen der letzten Jahre anschauen.

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  2. Ich habe vor neuen Medien keine Scheu – in diesem Fall geht es sogar "nur" um eine neue Darstellungsform eines alten Mediums. Und wer mittlerweile Bücherregal neben Bücherregal gestellt hat, voller Taschenbücher, die er – einmal gelesen – eh nie wieder anschauen wird, der schätzt auch die platzsparende elektronische Form.Allerdings müssen E-Reader mehr können, das das o.g. Gerät von Sony – also zum Beispiel eine komplette (Taschen-) Buchseite so darstellen, sie sie ist. Und auch Illustrationen und Zeichnungen, wie sie nun mal ab und an in Büchern auftauchen, müssen 1A dargestellt werden können. Man muss Anmerkungen einfügen und im Text suchen können (was z.B. der Kindle 2 kann, so weit ich weiß). Für (fast) den Preis eines Netbooks kann man sotwas auch verlangen.

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