Wo bin ich momentan?


Ein kleiner Werkstattbericht.

Momentan befinde ich mich in St. John’s, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Neufundland auf der Halbinsel Avalon. Und einmal mehr bin ich dem Internet dafür dankbar, dass ich mir den Gang in eine Bücherei sparen kann. Unerschöpfliche Quellen auf Mausklick abschöpfen, das ist genau das, was einen Schriftstellerseele höher schlägen lässt.

Ich brauche Informationen über St. John’s, Luftbildaufnahmen des Hafens, eine Kartografie des Areals, Informationen über Sea King Helikopter und Handfeuerwaffen – mit einem Fingerschnippen hat man sich das alles aus dem Netz gezogen und voilà, es kann losgehen.

Eileen passierte einen blau gestrichenen Schüttgutfrachter und wich einem
Gabelstapler aus, der dabei war, einige Kisten mit Vorräten an Bord zu heben
und ignorierte die wütenden Rufe des Fahrers. Sie blieb auf dem Harbour Drive
und gelangte zu einer riesigen Fläche, die auf den ersten Blick wie ein
Hubschrauberlandeplatz aussah. Tatsächlich war die Kaimauer an dieser Stelle
abgeflacht und verlief als Schräge direkt in das Hafenbecken. An diesem Pier
legten Luftkissenfähren oder RoRo-Schiffe an. Inga hatte diesen Kai als
Treffpunkt genannt. Eileen blickte erneut auf die Uhr. Noch drei Minuten.

In der Ferne, über den Lärm des Hafens und des Verkehrs der Stadt in
ihrem Rücken hinweg hörte Eileen ein unterschwelliges Brummen. Sie blickte nach
Nordosten zur Mündung des natürlichen Hafenbeckens. Fast rechnete sie damit,
ein Luftkissenboot um die Landzunge schießen zu sehen, doch stattdessen zog ein
Punkt am Himmel ihre Aufmerksamkeit auf sich. Das Brummen rührte von einem
Helikopter her. Einem ziemlich großen.

Der Sikorsky S-61 Sea King war grün gestrichen und trug keine
sichtbaren Hoheitsabzeichen, als er über die Hügelkette der Ostzunge des Hafens
hereinschwebte. Er flog über die Southside Road und überquerte das knapp
dreihundert Meter breite Hafenbecken.

Eileen legte den
Kopf in den Nacken, als der Rumpf des Hubschraubers wie eine gewaltige Hummel
mit hämmernden Rotoren über sie hinweg glitt. An der Bauchseite waren keinerlei
Rufzeichen aufgemalt. Der Sea King glänzte einfach grün im Licht der
Novembersonne. Er drehte eine Runde über dem Anlegeplatz und senkte sich dann
in Ufernähe. Noch bevor die Räder auf der Betonpiste aufsetzten, wurde die
große Seitentür aufgeschoben. Zwei Gestalten in eng anliegenden schwarzen
Lacksuits sprangen heraus. Die eine war groß und trug ihr langes, blondes Haar
gelockt. Eileen tippte auf Inga. Die zweite Frau hatte hellbraunes Haar mit
blonden Strähnchen und war fast einen Kopf kleiner als Inga. Ihre Haut besaß
einen dunklen Teint. Sie mochte arabischer Abstammung sein. Über ihren
Lacksuits trugen die beiden Frauen weite, offene Ledermäntel. Eileen entgingen
nicht die Waffen, die in den Holstern an den Hüften der beiden baumelten. SIG
Sauer P226 mit aufgesetzten Kompensatoren, die sie bulliger wirken ließen, als
sie in Wirklichkeit waren.



Luftbildaufnahme des St. John’s Harbor.


 

Karte von Neufundland



Sikorsky H-3 "Sea King" Hubschrauber

Hinterlasse einen Kommentar