Oder auch nichtl. Denn der vierte Roman aus Lara Adrians Reihe "Midnight Breed" mit dem Originaltitel "Midnight Rising" ist eher das umgekehrte Beispiel seines Vorgängers. Er ist nämlich zu Beginn am interessantesten und fällt dann ins Bodenlose ab.
Im vierten Roman "Gebieterin der Dunkelheit" geht es um den Vampir Rio, der im ersten Band das Opfer des Verrats seiner Gefährtin Eva wurde. Eine Explosion in einem Lagerhaus überlebt Rio nur knapp, doch die Verletzungen sind so stark, dass selbst seine vampirischen Fähigkeiten nicht alle Wunden heilen können. Hässliche Narben bleiben in einem halb zerstörten Gesicht zurück. Ebenso sind Brust und Beine von der Explosion gekennzeichnet.
Rio hat nie seine Rache bekommen, denn Eva hat sich selbst hingerichtet. Als die Ordensvampire in Rumänien die verlassene Höhle mit dem längst weggeschafften Alten vorfinden, entscheidet Rio, sich eine Auszeit zu nehmen. Er sagt seinen Brüdern, dass er die Höhle durch Sprengen versiegeln will und anschließend für eine Zeitlang in seine Heimat Spanien zurückkehren möchte.
Nicht ahnend, dass er seine Aufgabe vermasselt, überlässt Nikolai ihm einen Haufen C4. Doch Rio setzt es nach der Abreise seiner Ordensbrüder nicht ein. Blackouts überfallen ihn. Schließlich entscheidet er sich, sich das Leben zu nehmen. Den Zugang zur Höhle zu sprengen, wenn er selbst noch drin ist. Doch die amerikanische Journalistin Dylan Alexander, die an ihrer krebskranken Mutter statt, mit den Freundinnen ihrer Mom eine Europareise bestreitet, stößt durch Zufall auf die Höhle und entdeckt Rio.
Zu allem Übel schießt sie nicht nur von dem in Lumpen gehüllten Vampir, sondern auch von dem Sarkophag, in dem der Alte aufbewahrt worden war und den rätselhaften Glyphen an den Wänden Fotos und schickt diese an ihre Redaktion, um einen neuen Aufmacher anzukündigen.
Rio kann seinen Plan, sich umzubringen, vergessen. Zuerst muss er den Schlamassel in Ordnung bringen, den er angerichtet hat und Dylan ausfindig machen und alle Beweise vernichten, denn andernfalls könnte die Menschheit von der Existenz der Vampire erfahren und Jagd auf sie machen.
In einem relativ kleinen Abschnitt des Romans bekommt auch die Rahmenhandlung neue Impulse, wenn dies auch sehr, sehr kurz gehalten wird. Dragos‘ namenloser Sohn experimentiert in einer geheimen Einrichtung mit dem Alten und hält ihn bei kurzer Leine. Hin und wieder wird er gefüttert und ihm wird eine Stammesgefährtin vorgeführt, damit er diese schwängert. Während Dragos‘ Sohn mit der Züchtung neuer Gen-Eins-Vampire fortführt, sorgt er dafür, dass die alten Gen-Eins von der Bildfläche verschwinden. Vielerorts werden Gen-Eins ermordet aufgefunden. Der Orden der Krieger setzt sich auf die Spur.
Wie eingangs erwähnt sind die Szenen in Rumänien, Tschechien und Berlin noch sehr interessant zu lesen. Als es dann aber zurück in die Staaten geht und die Beziehung Dylans zu ihrer krebskranken Mutter in den Vordergrund rückt, breitet sich stellenweise gähnende Langeweile aus. Die Handlung an sich kommt zu kurz. Aus Dylans Entführung durch Dragos‘ Sohn hätte man viel mehr machen können – so wie es Frau Adrian darstellt, wirkt es leider zu aufgesetzt und hätte nicht einmal in die Handlung hinein gemusst.
Jetzt aber erstmal Vampirpause. Herr Anderson ruft 😉

