Eine Studienreise: Mein Monat in Malazan

Seit etwa neun Jahren sammle ich die Fantasy-Saga »Das Spiel der Götter / A Malazan Book of the Fallen« von Steven Erikson in der deutschen Übersetzung. Von Jahr zu Jahr sind ein oder zwei Bücher dazu gekommen, sodass sich mittlerweile dreizehn Ziegelsteine in meinem Bücherregal stapeln.

Da wird es langsam mal Zeit, dass ich auch mit dem Lesen anfange.  Den ersten Roman hatte ich mir für Herbst 2010 vorgenommen, doch da ich noch andere Dinge gelesen habe, wurde es der 26.12. als ich mit »Die Gärten des Mondes« anfangen konnte. Die 780 Seiten (Jumbopaperback, im Taschenbuch geschätzte 1.000 Seiten)  haben dann auch einen ganzen Monat veranschlagt.

An dieser Stelle möchte ich auf das Malazan-Weblog von Oliver Naujoks verweisen, in dem er seine Erlebnisreise durch das malazanische Imperium ausführlich beschreibt. Feedback, Kommentare und Diskussionen sind dort ausdrücklich erwünscht. Was Sie natürlich nicht davon abhalten soll, auch hier einen Kommentar zu hinterlassen.

Steven Erikson hat mit seiner Malazan-Saga ein Epos geschaffen, das bereits im ersten Roman so komplex ist, dass man keine vernünftige Inhaltsangabe schildern könnte. Immerhin gibt es neben diversen Handlungssträngen bereits in »Die Gärten des Mondes« über 70 (!) handelnde Personen von denen mindestens 30 so wichtig sind, dass man sich ihre Namen schon einprägen sollte. Unglücklicherweise haben wir dann auch gefühlte 30 Perspektiven im gesamten Roman aus denen die Handlung geschildert wird.

Also, worum geht es: Wir schreiben das Jahr 1163 von Brands Schlaf. Der Ort: Ein Kontinent namens Genabackis. Das Ziel: Die Eroberung des Kontinents durch die Armeen der Imperatrix Laseen von Malazan.

Im Vordergrund steht die Planung des Einfalls der imperialen Truppen in die letzte freie Stadt Darujhistan. Im Normalfall schleusen die Imperialen dazu ihre Assassinenspione ein, um sämtliche Mitglieder des Adels und alle Magier auszuschalten, damit ihre Truppen anschließend einmarschieren können. Doch im Falle Darujhistans scheint dieser Plan nicht zu funktionieren, denn die Stadt steht unter dem Schutz der riesigen schwebenden Festung Mondbrut, deren Herr Anomander Rake eine nichtmenschliche Gottheit ist.

Erikson schildert den Vorstoß eines kleinen Trupps unter dem Kommando von Sergeant Elster und seinen Mannen, die sich in Darujhistan einschleusen. Parallel dazu laufen diverse Handlungsstränge um verschiedene Bewohner der Stadt, deren persönliche Sorgen, einem politischen Ränkespiel innerhalb der städtischen Reihen sowie der großen Politik in den Kreisen des Imperiums, denn nicht jeder steht der Imperatrix Laseen loyal gegenüber, da sie durch einen Meuchelmord an den alten Imperator an die Macht kam.

Der Kampf um Darujhistan wird allerdings noch auf anderer Ebene gefochten. Nicht nur die Einmischung Anomander Rakes lockt andere Götter auf den Plan, die in diesem Spiel mitmischen wollen.

Trotz dem Komplexität der Geschichte und der vielen Handlungsstränge bleibt der Plot übersichtlich, was man Erikson zugute halten muss. Auch wenn immer wieder neue Namen im Laufe der Geschichte auftauchen, habe ich beim Lesen weder den Überblick verloren, noch musste ich mich krampfhaft an Namen erinnern, die vor hundert Seiten bereits vorgekommen waren. Das Szenario von Politik und Ränke wird durch gekonnte, bildlich schöne Actionszenen abgelöst. So kommt im Laufe des Romans keine Langeweile auf, der Leser wird bei der Stange gehalten und ist begierig zu wissen, wie es weiter geht.

Jürgen Heinzerling sagte einmal, dass er allein wegen der zungenbrechenden Namensgebung der Charaktere kein Freund von Fantasy sei. Zugegeben, es gibt auch schön konstruierte Namen, die einem leicht über die Lippen kommen, doch Steven Erikson sollte man keinen Preis für die Namensfindung seiner Charaktere geben. Ich bin normalerweise kein Freund davon, Namen zu übersetzen, doch hier muss man dem Übersetzer zugute halten, dass aus „Sorry“ eine Leida wurde, aus „Sergeant Whiskeyjack“ ein Sergeant Elster, aus „Quick Ben“ der Schnelle Ben usw. Einige fantasy-typische Namen wurden im Deutschen wie im Englischen belassen, doch hier finden sich meiner Meinung nach einige, die eher männlich klingen und für weibliche Protagonisten verwendet wurden, wie Lorn, Brand, Tavore, Vorcan.

Nach dem Genuss des ersten Romans bin ich jedenfalls erleichtert, dass ich nach mehr schreie und die auf Verdacht gekauften Bücher ebenfalls noch lesen werde. Der zweite Roman ist schon ins Auge gefasst, derzeit haben aber einige Thriller und andere Werke, die ich als Epubs auf meinem Sony-Reader konsumiere Vorrang. Das liegt einfach daran, dass das Lesen auf dem Reader sogar noch mehr Spaß bereitet, als in einem „echten“ Buch. Auch wenn mich für diese Aussage jetzt gerne einige Leute steinigen würden. Macht nichts, werft nur 😉

Steven Erikson - Die Gärten des Mondes, Spiel der Götter 1

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