Jeden Tag eine Kapitelliste. Heute: HANNIGANS RÜCKKEHR

Last but not least widmen wir uns heute am fünften Tag auch dem fünften Roman.

Da dieser noch in Arbeit ist, habe ich weder Titelbild noch Klappentext für euch. Zur Entschädigung erhaltet ihr nicht nur die Kapitelliste, sondern als kleinen Teaser unten auch eine völlig unlektorierte Leseprobe aus dem Prolog.

Hannigans Rückkehr

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Mach’s noch einmal, Lars

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Sag niemals nie

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Alleine geht es doch nicht

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Keine Wahl

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Kein weg zurück

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Augen zu und durch

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Caipirinha und Mojito

Leseprobe

Verlassenes Fabrikgelände, Biocorps d.o.o.

Vier Kilometer südwestlich von Maribor, Slowenien

25. März, 11:25 Uhr 

So viel Glück konnte kein Mensch haben! Auch die dritte auf ihn abgefeuerte Kugel verfehlte Lars Dallmer um Haaresbreite. Er bedankte sich im Stillen bei wem auch immer dafür, dass er noch eine Sekunde länger leben durfte, doch er wusste, dass das Spielchen nicht ewig so weitergehen konnte. Irgendwann verließ ihn das Glück. Irgendwann trafen die Gegner.

Er setzte über einen Stahlträger hinweg, ließ sich dahinter fallen und rollte über die Schulter ab. Dicht neben ihm bohrte sich ein Projektil in den dicken Staub, der den Betonboden der alten Industriehalle bedeckte. Dallmer fluchte. Er ließ das Magazin aus seiner Pistole gleiten und warf einen prüfenden Blick auf die Sichtschlitze. Nur noch eine Patrone im Schaft. Und eine in der Kammer. Das war gar nicht gut. Er musste entweder an Munition kommen oder an eine andere Waffe.

Oder beides.

Er schob das Magazin zurück in den Griff und sog scharf die Luft ein. Wie zum Teufel hatte er sich in die Scheiße reingeritten? Verdeckte Operationen im Hinterland. Spionageaktivitäten. All das sollte der Vergangenheit angehören, nachdem er die Welt gerettet hatte. Aber nein, er musste sich ausgerechnet dazu überreden lassen, einen weiteren Job anzunehmen. Er fragte sich, wie viele sie vor ihm gebeten, die dankend abgelehnt hatten? Schmackhaft hatten sie ihm den Auftrag nicht mit Geld gemacht, sondern mit der Dringlichkeit und der Abwendung einer globalen Bedrohung. Bei letzterem lagen seine Auftraggeber gar nicht mal so verkehrt.

Er stemmte sich hoch und lief weiter, zog dabei unweigerlich erneut das Feuer auf sich. Kugeln fegten ihm um die Ohren. Querschläger heulten funkensprühend von Stahlträgern wider. Dallmer fluchte erneut und warf sich in eine Nische. Er biss die Zähne zusammen und schob die Pistole in seinen Hosenbund. Dann lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Wand, schloss die Lider und atmete tief durch.

„Wir wissen, dass Sie sich da verstecken, Captain! Kommen Sie raus, wir wollen nur reden!“

Reden. Wer mit jemandem reden will, entleert nicht sein Magazin in seine Richtung.

Also schön, denk nach! Nein, denk nicht nach, handle!

Zum Grübeln war später immer noch Zeit, wenn er hier rauskam. Falls er rauskam.

Dallmer spürte, wie sich sein Puls beruhigte und das Blut aufhörte in seinen Ohren zu rauschen. Schweißtropfen liefen ihm die Schläfen herunter, aber das Atmen löste kein Brennen mehr in den Lungen aus. Er hörte Schritte und bemühte sich, sie einzuordnen. Sie gehörten mindestens drei Personen, vielleicht vier. Er musste damit rechnen, dass draußen weitere lauerten, denn er hatte bei seinen Recherchen direkt in ein Hornissennest gestochen und die Königin schickte ihm nicht nur die Leibgarde auf den Pelz, sondern ihre gesamte, gottverdammte Armee.

Und was macht ihr so am frühen Morgen? Zeitung lesen, Croissants essen? Langweilig!

Er lauschte den Schritten, die sich seiner Position näherten. Als er das Tempo gefunden hatte, zählte er in Gedanken rückwärts. Bei eins knirschte etwas unter den Füßen des Gegners. Dallmer trat blitzschnell aus der Nische, packte den Mann am Lauf seiner Waffe und seinem Kragen und zog ihn in die Aussparung. Der Finger krümmte sich um den Abzug, doch Dallmer steckte rasch einen Finger zwischen dem Bügel, sodass der Gegner diesen nicht durchdrücken konnte. Mit der gespreizten anderen Hand schlug er dem Mann gegen den Kehlkopf. Hart. Tödlich.

Der Griff um die Waffe erschlaffte. Der Kerl ließ sie los und hob die Hände, um sich an den Hals zu fassen. Er röchelte zweimal und seine Augen weiteten sich im Erstickungskampf. Dallmer setzte mit dem Ellbogen nach und trieb ihm den Gegner durch das Gesicht. Der Kopf flog herum und schlug gegen die Hallenwand, an der der Körper heruntersackte. Der Mann war bewusstlos, während er starb.

Dallmer beugte sich zu ihm hinunter, nahm die Maschinenpistole auf, die der andere bei sich trug, und durchsuchte die Taschen des Mannes. Er fand ein weiteres Magazin für die Uzi sowie eine Pistole vom gleichen Fabrikat, wie Dallmer sie bei sich hatte. Er nahm das Magazin der Pistole, ließ die Waffe selbst dem Toten und fand noch ein Bündel mit Eurobanknoten, die er ebenfalls einsteckte. Da war noch eine Plastikkarte von der Größe einer Scheckkarte. Er warf einen kurzen Blick drauf, wollte sie einstecken, überlegte es sich anders und beließ sie dann in der Tasche des Toten. Dann prüfte er das Magazin der Uzi. Es handelte sich um die Version mit einer Kapazität von 32 Patronen. Die Hälfte der Projektile fehlte. Der Mann hatte den Wahlhebel auf Dauerfeuer gestellt.

Idiot!

Dallmer schob ihn auf Einzelschuss und merkte sich, dass er sechzehn Patronen im Magazin hatte und eine in der Kammer vor dem Lauf. 

Jetzt hab ich eine Maschinenpistole, ho-ho-ho!

Er lächelte. Seine Überlebenschancen waren gerade um 17 zu 2 gestiegen. Mit dem erbeuteten Pistolenmagazin hatte er sogar noch ein As im Ärmel.

Plus das gefüllte Ersatzmagazin der Uzi! Dallmer grinste und kam sich für einen Moment unbesiegbar vor. Doch dann rief er sich in Erinnerung, dass er noch immer in der Werkshalle feststecke und da draußen mehr als genug Gegner lauerten. Er sah hinunter auf den Toten, trat dann aus dem Schatten der Nische vor und huschte zur nächsten. Hier fand er einen Spalt in der Wand, nicht größer als ein kleiner Finger, aber er würde ausreichen. Rasch griff er in die Tasche und schob ein unscheinbares schwarzes Ding dort hinein.

Danach sah er sich um und erkannte, dass die beiden anderen Gegner weitergezogen waren. Sie befanden sich jetzt am Ende der Halle und hatten vom Verschwinden ihres Kumpels noch nichts bemerkt.

Auch wenn das im Ansatz keine Kluge Idee war, entschied sich Dallmer dafür, den Weg zurückzugehen, den er gekommen war. Er hatte die vage Hoffnung, dass sich all die Gegner, die man auf ihn hetzte, vor ihm befanden und nicht hinter ihm. Sie rechneten nicht damit, dass er den Weg zurückging und einem Feind, der ihn längst überholt hatte, in die Arme laufen würde.

Oder eben nicht in die Arme laufen würde! Dallmer grinste und arbeitete sich zurück durch die Halle zum Ausgang, durch den er sie ursprünglich betreten hatte. Er lugte um die Ecke und fand seine Vermutung bestätigt. Der Rest seiner Häscher hatte das Gebäude umrundet, um ihm den Weg abzuschneiden, wenn er auf der anderen Seite der Halle heraustrat. Hier war niemand mehr.

Er trat ins Freie und orientierte sich kurz. Natürlich konnte er nicht den Weg zurücklaufen. Das wäre sein sicherer Tod. Er musste eine andere Route finden und hielt sich rechts. Am Ende der Halle spähte er um die Ecke. Weiter vorn machte er eine Bewegung aus, doch das war am Ende der Halle und die war mindestens zweihundert Meter lang.

Okay, jetzt denk nach!

Er rief sich ein Bild des Geländes vor sein geistiges Auge. Es gab drei weitere Hallen, einen Parkplatz und ein Verwaltungsgebäude. Das Areal war umzäunt und die einzigen Zugänge waren das Haupttor und ein Lieferanteneingang auf der Rückseite. Diesen hatte er benutzt, um herzugelangen. Ihm blieb nur der Weg durch das Haupttor. Oder den Zaun, doch ohne Werkzeug würde er diesen nicht überwinden können.

Dallmer hatte eine Idee und spurtete los. Er hoffte, dass nicht ausgerechnet in diesem Moment einer der Männer auf die Idee kam, zurückzublicken. Oder dass er ein Geräusch verursachte, dass über eine Distanz von zweihundert Metern noch zu hören war. Er erreichte die Nachbarhalle unbesehen und schlich sich im Schatten der Front daran entlang. Die beiden anderen Hallen befanden sich auf der anderen Seite jener, die er gerade verlassen hatte. Am Ende der Werkshalle, an der er sich befand, lugte er erneut um die Ecke.

Zaun. Verwaltung.

Er rechnete nicht damit, in dem Gebäude irgendetwas hilfreiches zu finden. Die Anlage war vor Jahren stillgelegt worden. Es gab keine Fahrzeuge auf dem Gelände, die er für eine Flucht nutzen konnte. Somit blieb nur der Zaun. Dieser war gut drei Meter hoch und war oben mit Stacheldraht bewehrt. Mit genügend Anlauf konnte Dallmer es schaffen, die oberen Querstreben des Hindernisses zu erreichen, doch er würde direkt in die spitzen Dornen greifen und sich die Hände blutig stechen. Wie gut er sich dann noch würde verteidigen können, war dahingestellt. Er musste eine andere Möglichkeit finden.

Sein Blick suchte den Lieferanteneingang. Die Gegner hatten den Zaun an der Stelle mit einem Fahrzeug durchbrochen. Es waren so viele, dass sie unmöglich mit einem einzigen Wagen hier sein konnten. Möglicherweise hielt dort noch jemand die Stellung. Dallmer schlich sich geduckt zurück bis zum Zaun auf der Rückseite und tastete sich dann leise bis zu der Einfahrt vor. Ein Zaunelement war durch die Bekanntschaft mit dem Kühlergrill eines SUV komplett aus den Verbindungsangeln gehoben worden. An seiner Stelle gähnte nun ein Loch im Zaun.

Dallmer riskierte einen Blick und sah zwei weitere Fahrzeuge, die in etwa zwanzig Meter Entfernung hinter dem verlassenen Pförtnerhäuschen warteten. Zwei Mann waren zur Bewachung der Wagen zurückgeblieben. Sie lehnten lässig auf der Motorhaube eines Wagens, rauchten und palaverten.

Dallmer blickte auf die Uzi und wünschte sich in dem Moment einen Schalldämpfer her. Da er den nicht besaß, musste er anders vorgehen, um die Gegner vorn nicht zu alarmieren. Zwar waren jetzt mindestens dreihundert Meter hinter ihm, doch den Vorsprung, den er aushandelte, würde rasch schrumpfen, wenn sie sich erst einmal an seine Fersen gehängt und Verstärkung gerufen hatten. Er war sicher, dass ohnehin schon ein Helikopter hierher unterwegs war, um seine Verfolger zu unterstützen.

Dallmer hielt nach etwas Ausschau, mit dem er die beiden Männer ablenken konnte. In Ermangelung etwas Besserem griff er nach einem Faustgroßen Stein. Er hängte sich die Uzi um die Schulter, damit er schnell rennen konnte. Den Stein schleuderte er in einem hohen Bogen über die Köpfe und Fahrzeuge der beiden Typen hinweg und wartete auf den Aufprall. Als das Geräusch erklang und er sah, wie die beiden Männer sich erschrocken und mit schussbereiten Waffen in die Richtung des Steinfalls umdrehten, sprintete er los. Er rannte so schnell er konnte und die letzten Meter bis zu seinen Gegnern federte er vom Boden ab und sprang auf sie zu. Sie hatten seine Schritte vernommen und wirbelten herum, doch er war schneller gewesen. Da beide dicht beieinander standen erwischte er sie zusammen mit der Schulter und riss sie zu Boden. Er war auf den Aufprall vorbereitet, die Männer nicht. Sie würden eine halbe Sekunde länger brauchen, sich aufzurichten. Dallmer war längst wieder auf den Beinen und hämmerte mit zwei Fausthieben auf das Kinn des ersten Kerls. Er schwang herum und fegte dem zweiten den ausgestreckten Fuß ins Gesicht. Der Kopf des Mannes wurde zur Seite geworfen und prallte gegen den Wagen. Dallmer widmete sich wieder dem ersten, packte dessen Nacken und Kinn und vollführte eine rasche Bewegung, die dem anderen das Genick brach. Der zweite stöhnte, war jedoch zu benommen, um zu reagieren. Dallmer beendete dennoch das, was er begonnen hatte und hieb dem Mann mit einem kurzen, aber kräftigen Schlag die Faustknöchel gegen die Schläfe. Dessen Augen verdrehten sich und er kippte zur Seite weg.

Dallmer gönnte sich einen Atemzug und klemmte sich hinter das Steuer eines der beiden Wagen. Er überlegte kurz, ob er die Reifen des anderen sabotieren sollte, entschied sich jedoch dagegen. Ein Messer hatte er nicht bei sich und Schüsse würden nur die anderen Männer alarmieren. Es würde sie so oder so nicht lange aufhalten.

Der Schlüssel steckte im Schloss. Dallmer drehte ihn einmal und erweckte das digitale Cockpit zum Leben. Dann trat er auf die Bremse und drückte den Start-Stopp-Knopf. Der Motor jaulte zu seiner Zufriedenheit auf. Er gab Gas und fuhr mit durchdrehenden Reifen davon. Jetzt musste er nur einen Weg finden, der ihn nicht geradewegs zurück zur Schlangengrube trieb, aus der er gerade entkommen war.

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