Warum ich Schreibfolien nicht gut finde

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht nur begeisterter Techniknerd bin, sondern auch, dass ich einige Oldschool-Methoden gerne mit moderner Technik kombiniere.

Ich würde beispielsweise niemals auf die Idee kommen, ein Manuskript auf einer Bildschirmtastatur zu tippen, sondern habe immer eine „altmodische“ Tastatur an einem Tablet angeschlossen.

Notizen mische ich gerne mit getipptem Text, aber auch handschriftlich Geschriebenem. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich beim herunterschreiben bekannter Fakten, eher die Tastatur wähle, wenn ich aber gedanklich etwas plane und das schriftlich festhalten will, dann greife ich eher zum Stift.

Von daher ist das Schreiben mit einem Stift schon seit meinem allerersten iPad oder Galaxy Tab fester Bestandteil meiner Arbeit. Meetingnotitzen schreibe ich ebenfalls mit einem Stift mit, dann stört das Tastaturgeklapper nicht und Zeichnungen lassen sich mit Maus so gut wie gar nicht auf die Schnelle anfertigen.

Das Notieren mit Stift auf einem Touchscreen hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt und weiterentwickelt. Anfangs musste man mit kapazitiven Stifspitzen, die eher dick wie ein Radiergummi waren auf dem Display schreiben oder zeichnen. Heute geht das durch verschiedene Technologien via Bluetooth oder EMR wesentlich präziser.

Gerade Samsung mit seinem Stylus oder auch Apple mit dem Pencil sind hier Vorreiter auf dem Gebiet. Doch so gut sich das alles anfühlt, es fühlt sich nicht so an, als schreibe oder zeichne man auf Papier. Auf Glas zu schreiben ist da eine ganz andere haptische Erfahrung.

Daher gibt es diverse Hersteller wie Paperlike oder Paperfeel, die spezielle Folien beispielsweise für das iPad anbieten, um ein Schreibgefühl wie auf Papier zu bieten.

Ich hatte im Vorfeld bereits das reMarkable (Gen. 1) ausprobiert und war vom reinen Schreibgefühl sehr angetan. Allerdings ärgerte mich die Tatsache, dass sich nach einem Monat des Schreibens die Stiftspitze schon dermaßen abgenutzt hat, dass sie gewechselt werden musste. Diese Erfahrung habe ich beim Schreiben auf Glas bisher nicht gemacht. Mein Apple Pencil der 2. Generation hält seit 2018 tapfer durch, ohne dass seine Spitze in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Immer wieder stoße ich auf die Folien von Paperlike, aber ich verspürte nicht die geringste Lust, eine Folie auf mein iPad Pro anzubringen. Da hab ich zwei linke Hände und befürchte, das Ganze wird schief und mit Luftblasen ausgehen. Ich dachte mir, es muss doch was geben, das man wieder abnehmen kann – und tatsächlich stieß ich jüngst auf Folien mit Magnetstreifen an den Rändern, die man bequem wieder entfernen kann. Diese Folien liegen also auf dem iPad Display, statt drauf zu kleben.

Ich entschied mich für eine Variante der Marke ESR, da mir diese als Hüllen für Smartphones und Tablets bereits bekannt ist.

Die Folie ist Dank der Magnetstreifen einfach aufzubringen und das Schreibgefühl ist tatsächlich ähnlich dem, das ich vom reMarkable kenne. Allerdings kann man das iPad dann für alle anderen Sachen total vergessen. Ja, da werden jetzt viele in die Bresche springen und mich für die Worte verfluchen, aber die reden sich das einfach nur schön.

Das iPad ist für den normalen Gebrauch so gut wie unbenutzbar, denn alle Vorteile des Displays werden durch die Folie mit einem Fingerschnipsen ausgehebelt. Farben, Bildwiederholrate, True-Tone-Funktion, alles weg. Das Wischen über das Display ist haptisch auch eine Katastrophe, denn es fühlt sich noch weniger glatt an als das Wischen über ein eInk-Display.

Man sollte meinen, dass die Folie die Lichtspiegelungen mindert, immerhin verleiht sie dem Display nun einen milchigen Touch. Doch das Gegenteil ist der Fall. Während eine Reflexion auf dem nackten iPad Display durch Entspiegelungsverfahren und True Ton nur partiell aufritt, verteilt sie sich durch die matte Oberfläche der Folie sehr schön fast flächenmäßig über das gesamte Display.

In nachfolgendem Beispiel kann man es gut erkennen:

Hier sieht man im oberen Bereich meine Monitorlampe als hellen Balken,und das Display als solches wird insgesamt erhellt, sodass im oberen Drittel kaum noch etwas zu erkennen ist.

Ohne Folie sieht man den Lichtbalken der Monitorlampe weniger grell und aggressiv – und er wird durch die True Tone Funktion deutlich abgeschwächt. Die Spiegelung ist nur partiell und dehnt sich nicht über das gesamte Display aus.

Natürlich hab ich nur die Folie von ESR getestet und vermag nicht zu sagen, ob andere Folien anders reagieren. Für meine Anwendung ist das jedenfalls nichts. Ich habe die Zeichnung zwar mit Folie weitergefertig, saß dabei aber im Dunkeln, denn ich habe die Monitorbeleuchtung ausgeschaltet.

Danach ist die Folie vom iPad geflogen und ich arbeite mit dem Stift wieder auf Glas.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s