Warum ist die Erde rund?

Wir befinden uns zweifelsohne in einer Ära, die man „Aufbruch zur künstlichen Intelligenz“ oder „Battle of the AIs“ nennen könnte. KI ist spätestens seit der populären generativen Funktionen in Large Language Modellen wie ChatGPT und Bilderzeugern wie MidJourney in aller Munde wird uns jetzt notgedrungen die nächsten Jahre oder Jahrzehnte begleiten.

Ich persönlich bin zwar der Meinung, wir sollten hier immer noch von generativen Algorithmen reden, statt das Wort „Intelligenz“ in den Mund zu nehmen. Intelligenz setzt für mich ein Bewusstsein voraus. Das mag in der Definition strittig sein, aber für mich ist etwas in der Art, das Intelligenz hat, nicht nur von automatisierten Reflexen (aka Algorithmen) gesteuert, sondern sich selbst, seiner Umwelt und der mit ihr interagierenden anderen Intelligenzen bewusst wird. Dazu gehört auch ein Erinnerungsvermögen.

In den frühen 2000ern hatte sich Google als Motto auf die Fahne geschrieben: Mobile first.

Damit war die Priorität gesetzt, die Marschrichtung vorgegeben, in die man sich bewegen wollte. Alles sollte auf den Einsatz von mobilen Geräten abgestimmt und entwickelt werden.

Dieser Schritt ist für Google seit 2016 abgeschlossen. Und eine neue Mission erhob sich am Horizont.

Seit 2016 verfolgt Google das Motto: AI first.

Zahlreiche Funktionen in aktuellen Smartphones werden von Software-Algorithmen begleitet und ermöglicht, die auf maschinellem Lernen beruhen. Wir nehmen sie als alltäglich hin und vermuten gar nicht, dass irgendetwas davon das Zauberwort „KI“ enthält. Verbesserungen bei Fotos, bei Aufgaben, Routinedinge, die ein Smartphone im Hintergrund erledigt, Vorschläge, Sprachassistenten, da sind viele Dinge im Hintergrund, die auf maschinellem Lernen basieren und dafür sorgen, dass Smartphones heute so gut sind, wie sie sind.

Aber lassen wir uns nochmal auf der Zunge zergehen. Seit acht Jahren hat sich Google „AI first“ auf die Fahne geschrieben und blamiert sich nach 7 Jahren der Forschung und Entwicklung bei der Vorstellung seines Large Language Models „Google Bard“ mit falschen Fakten. Keine der Aussagen der aktuellen generativen KI-Chatbots sind perfekt. Alles, was die von sich geben, muss gegengeprüft werden.

Seit der Blamage mit Google Bard ist exakt ein Jahr vergangen. Google hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Bard ist in vielen Sprachen kostenlos verfügbar. Und dann ergänzt Google das KI-Modell um ein neues, viel leistungsstärkeres Projekt namens Gemini.

Seit vorgestern gibt es Google Bard nicht mehr, sondern nur noch Google Gemini. Unter der Haube werkelt „Gemini Pro“, das auch bald in weitere Google Projekte ausgerollt werden soll, was dann aber für den Nutzer kostenpflichtig sein soll. Klar, die Kuh muss gemolken werden. Selbst Samsung hat bei seiner ach so KI-lastigen Vorstellung der neuen S24-Reihe die Katze erst im Kleingedruckten aus dem Sack gelassen. KI-Funktionen sind bis 2025 kostenlos. Was danach passiert, verschweigt man noch.

Okay, wir haben jetzt also den Super-KI-Chatbot namens Gemini. Geil, mag man sich denken. Gleich nutzen.

In einem Techblogbeitrag fand sich in der Kommentarfunktion dann auch ein Beispiel, das Google die nächste Blamage einbringt. Nach all den Verbesserungen und Aufrüstungen, die Bard (nun Gemini) seit Februar 2023 erfahren hat, wird eine simple wissenschaftliche Frage, dann nicht beantwortet.

Jemand fragte Gemini: „Warum ist die Erde rund?“

Ich hab es gleich selbst ausprobiert und die Antwort ist mehr als ernüchternd.

Nochmal: Google möchte später für diese Antwort (im überzogenen Sinn) Geld von euch haben. Es ist ein Witz? Ein echter Witz. Da fühlt man sich als Anwender so richtig auf den Arm genommen.

Ich habe die Konkurrenz von ChatGPT gefragt und bekomme zumindest etwas, mit dem man was anfangen kann:

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Entweder verbessern sich diese Generatoren im Laufe der nächsten Jahre oder Jahrzehnte so sehr, dass wir wirklich von Intelligenz sprechen können.
  • Oder wir verdummen alle noch mehr als wir es schon sind.

Natürlich werden jetzt viele den Kopf schütteln, wenn ich nur anhand einer einzigen gestellten Frage eine Beurteilung abgebe – aber mal ehrlich: Wenn schon die erste Frage versagt, wie viel Vertrauen ist dann für den Rest noch da, hm?

Google sollte sein Motto jedoch lieber nochmal überdenken.

RIP Gemini.

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