Ausge(lesen)brannt – Eschbachs dritter Wurf


Es gab zwei Bücher, die ich zu den besten je geschriebenen zähle. Dabei geht es nicht um perfekten Stil oder dem Spiel mit der Sprache, nein, der ist eher einfach und simpel, anspruchslos und für jedermann. Aber es geht darum, den Leser zu fesseln, ihn an die Hand zu nehmen, zu entführen, ihn zum Lachen zu bringen, genauso zum Weinen und zum Nachdenken.

Die beiden Bücher, von denen ich rede heißen »Das Jesus Video« und »Eine Billion Dollar«. Beide von Andreas Eschbach verfasst.

Dazwischen folgten eine Reihe von Büchern, die zwar interessant waren, mich aber nie so gefesselt haben, wie diese Meilensteine. Ich hatte die Hoffnung, mit »Der Nobelpreis« würde Eschbach nachlegen, doch aufgrund der negativen Kritiken kaufte ich mir das Buch nicht einmal.

Letztes Jahr im April griff ich dann erneut zu und orderte »Ausgebrannt«, einen Wirtschafts- und Ökothriller. Das Buch sollte ich zu meinem Geburtstag noch einmal geschenkt bekommen, was Marc Wehberg dann zum Anlass nahm, es selbst zu lesen.

Nun hab ich es auch durch. Mit 200 Seiten pro Woche kam ich ganz gut voran. Es war wieder da: Das Fesselnde. Die Spannung. Die Erzählweise, die einen bei Laune und bei Stange hält. Eschbach kann das. Es wurde nie langweilig, selbst bis zum Ende nicht.

Worum geht’s? Das scheint auf den ersten Moment ersichtlich zu sein: Markus Westermann ist Austaucharbeiter bei einer amerikanischen Firma, der für 6 Monate an einem Programm arbeitet und danach wieder zurück nach Deutschland soll. Er hat allerdings andere Ziele und will die Chance nutzen, in den Staaten zu bleiben und das ganz große Geld zu machen. Als er schließlich ein Jobangebot der Firma, bei der er beschäftigt ist, bekommt, scheint alles glatt zu gehen. Doch dann geht sein alter Chef, ein neuer kommt und verbaut ihm seinen Weg.
Markus‘ Chancen steigen jedoch wieder, als er den eigenbrötlerischen Österreicher Karl Block kennen lernt, der ihm von einer Methode erzählt, wie man Erdöl an Stellen findet, an denen andere es nicht mal vermuten.

Markus‘ Traum wird wahr. Eine eigene Firma, erschaffen mit other people’s ideas und other people’s money. Das eine hinreißende Frau und ein Leben am Limit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch am Ende kommt alles ganz anders, als ursprünglich geplant, denn das Ende ist erst der Anfang.

»Ausgebrannt« gliedert sich in zwei Teile, wobei sich der erste um Markus und Block dreht und an seinem Ende getrost für sich selbst stehen könnte – gar als Ende Romans, wenn man noch ein kleines bisschen dazu geschrieben hätte. Der zweite Teil schlägt einen Bogen, und da geht es dann erst richtig um das, was der Titel des Roman verspricht: Ausgebrannt zu sein. Eine Welt mit versiegenden Ölquellen, mit Unruhen und Kriegen, mit Entlassungen und Seuchen. Endzeit.

Über einen Zeitraum von zuerst 3 Jahren erzählt Eschbach, wie es mit der Welt bergab geht und welche Auswirkungen ein Versiegen saudischer Ölquellen (selbst dann, wenn wir selbst kaum etwas an Erdöl aus diesen Quellen bekommen) auf die Weltwirtschaft und welche Nachkriegszustände uns treffen könnten.

Insgesamt ein sehr unterhaltsamer, faszinierender, spannender und lehrreicher Roman, auch wenn man nicht alles blind darin glauben sollte, denn letztendlich handelt es sich um Fiktion.

Mit »Ausgebrannt« knüpft Eschbach jedenfalls an seine großen Vorgängererfolge »Das Jesus Video« und »Eine Billion Dollar«, da verzeiht man ihm auch die falsche Wiederholung des Wortes Terawatt, das im Roman ständig Terrawatt geschrieben wird. Vermutlich hat sich der Lektor bei der Aussprache da auf etwas versteift 😉


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