Jessica Bird aka J.R. Ward hat es immer noch drauf und weiß auch im fünften Roman um die Vampirbruderschaft der Black Dagger durch Witz, Romantik, Spannung und Sex zu überzeugen.
In Deutschland wurde der Roman "Lover Unbound" von Heyne in zwei Teilen aufgelegt, nämlich unter den Titeln "Seelenjäger" und "Todesfluch". Da beide Bücher untrennbar voneinander sind, ergibt es wenig Sinn, sie getrennt voneinander zu besprechen. Sie gehören einfach zusammen.
Nachdem Ward der Reihe nach die Vampire Wrath, Rhage und Zsadist vorgestellt hat und sich im vierten Roman dem Cop Butch O’Neil widmete, der mittlerweile auch ein Vampir ist, weil es ihm quasi im genetischen Blut lag, ist nun Vishous an der Reihe. Abgesehen davon, dass Vishous eine schräge Nummer mit seiner Hand drauf hat (er kann damit töten und das Böse aus Butch ziehen), weiß der Leser aus den Vorromanen, dass der Kerl auch ein paar dunkle Geheimnisse hat.
J.R. Ward entführt die Leser in die Abgründe von Sadomaso-Spielen. Nein, ganz so hart wird es doch nicht, dass man von Abgründen sprechen könnte. Aber die Gefühlswelt von Vishous spiegelt sie deutlich wider. Seine sexuellen Praktiken, seine heimliche Bi-Neigung zu Butch, das Genervtsein, dass dieser jetzt mit Marissa zusammen ist.
Was könnte noch schlimmer kommen? Oh, es kommt schlimmer. Zum einen ist Vishous der Auserwählte, der Zuchtbulle unter den Vampiren, der zusammen mit den Dienerinnen der Jungfrau der Schrift neue Kriegervampire zeugen soll. Eine Aufgabe, die ihm ganz und gar nicht gefällt. Zum Anderen wird Vishous im Kampf brutal verwundet und von der Ärztin Jane Whitcomb wieder zusammengeflickt. Prompt vernarren und verlieben sich die beiden ineinander und später verfällt Jane Vishous SM-Praktiken, weiß aber auch den Spieß umzudrehen und die dominante Rolle einzunehmen.
Bisher gab es immer ein Happy End(ing) in Wards Romanen – auch diesmal reißt sie das Ruder gerade so noch herum, wenn auch die Auflösung am Ende sehr interessant ist.
In einer Nebenhandlung wird die Entwicklung des Vampirjungen John weiter erzählt, der dem finstersten aller Vampire, Zsadist, fast brüderlich näher kommt. Ebenso erfährt John in diesem Roman seine Transition – und alles was er danach will, ist Rache für Wellsie und Tohrment.
Bis auch John seine Liebe findet, wird es wohl noch dauern. Der nächste Roman handelt erst einmal von Phury. Und danach geht es wohl um Rhevenge, den Bruder Bellas.
Bisher haben sich in Wards Vampirwelt interessante Paarungskonstellationen ergeben. Die Frage ist, wie weit, kann sie das noch fortsetzen?
Wir haben jetzt:
Wrath und Beth (Halbvampirin)
Rhage und Mary (Mensch)
Zsadist und Bella (Vampirin)
Butch und Marissa (Ex-Mensch mit Vampirin)
Vishous mit Jane (Geistpräsenz)
Na mal schauen. Die beiden Romane bekommen von mir wieder einen Daumen hoch für vergnügliche Lesestunden in einer fortschreitenden, nicht langweilig werdenden Handlung.


