Der neue Dan Brown


Ich habe im Freundeskreis schon mal die Frage gestellt: 768 Seiten in fünf Jahren. Was hat der Mann in der Zwischenzeit gemacht?

Die Antwort war einhellig: Geld ausgeben.

Sicher, Dan Brown hat es nicht eilig. Nach Illuminati und Sakrileg, die beides Weltbestseller sind und den Tantiemen aus den Verfilmungsrechten, wird schon ein hübsches Sümmchen zusammengekommen sein, das zweifellos mit dem Wort "aussorgt" betitelt werden kann. Und das, obwohl der Gute bisher nur vier Bücher geschrieben und veröffentlich hatte (Digital Fortress (Diabolus), Deception Point (Meteor), Angels & Demons (Illuminati) und The DaVinci Code (Sakrileg)).

Eines vorab: das fünfte Buch aus der Feder Dan Browns, diesmal in wortlicher Übersetzung des Titels (Das verlorene Symbol – The lost symbol (Arbeitstitel The Solomon Key)) ist wieder ein echter Dan Brown und auch ein echter Robert Langdon Roman.

Einmal mehr gerät der Symbolologe Langdon in eine Kette von Ereignissen, die er weder bestellt hat noch aufhalten kann. Diesmal wird er unter falschem Vorwand seines alten Freundes und Mentors Peter Solomon von Boston nach Washington zu einem Vortrag im Kapitol gelockt. Kaum dort angekommen überschlagen sich die Ereignisse, als sich der Anruf als falsch erweist und Solomons abgetrennte Hand in der Rotunde des Kapitols gefunden wird. Ein geheimnisvoller Mann namens Ma’lakh hat Solomon entführt und verlang von Langdon die Geheimnisse der Freimaurerpyramdie zu enträtseln, um die Alten Mysterien zu offenbaren.

Ab da geht die Hetzjagd quer durch Washington los. Wie einst Rom und Paris bietet Washington historisch mit seinen Bauwerken genügend Stoff für eine spektakuläre Reise der Mythen und Legenden, gerade mit dem Orden der Freimaurer im Hintergrund, denn auch die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika gehörten dem Orden an.

Bei der Suche nach den Alten Mysterien, die die letzte Wahrheit offenbaren sollen und unermessliche Macht versprechen, für die die Menschheit noch nicht reif sein soll, muss Langdon diesmal sogar an seine Grenzen gehen und letzten Endes sterben.

Das verlorene Symbol ist wieder ein rasanter Pageturner, den Dan Brown aber durch die lange Bearbeitungszeit selbst ausgebremst hat. Die Rückblicke der Charaktere wie Langdon, Solomon, dessen Schwester Katherine oder dem Bösewicht Ma’lakh unterbrechen die Achterbahnfahrt immer an den unpassendsten Stellen. Flashbacks hat Brown bisher immer in die Romane eingebaut, doch dieses Mal stieg die Masse eher unangenehm auf.

Davon abgesehen ist der Roman nach knapp 700 Seiten eigentlich zu Ende. Der Höhepunkt ist da, alle Spannungsmomente lösen sich auf. Dennoch geht das Werk noch 70 Seiten weiter, auf denen Brown den Leser davon zu überzeugen versucht, dass die letzte Wahrheit … nun, das sollten Sie selbsts herausfinden, dennoch stößt auch dieser Anticlimax nach 700 Seiten sehr sauer auf. Man fragt sich, was jetzt noch spannendes geschehen kann, hofft auf eine Wende im allerletzten Moment oder einen unerwarteten Mitspieler. Nichts dergleichen.

Die Fakten werden aber wieder für sich sprechen: Browns Roman wird die Bestsellerlisten monatelang anführen. Eine Verfilmung wird unumgänglich sein.
Doch eine Bitte, lieber Dan Brown: Dies sollte der letzte Robert Langdon Roman gewesen sein. Bitte das nächste Buch etwas bodenständiger wie Diabolus oder Meteor und ruhig zweihundert Seiten weniger.

In der deutschen Fassung hat sich der Verlag Lübbe mächtig ins Zeug gelegt, um eine Übersetzung schnellstens zu realisieren. Statt einem Übersetzer wurde der Roman von einem ganzen Team übersetzt. Dank des doch zügigen Tempos ist kaum ein Stilbruch in den Übersetzungen zu sehen, wenn auch hin und wieder mal sich die Übersetzer nicht einig waren, ob es "das Blackberry" oder "der Blackberry" heißen sollte.

Diesen Übersetzungsgewaltakt lässt sich der Verlag auch großzügig entlohnen und bietet das Hardcover mit 768 Seiten für sage und schreibe 26 Euro an.
50 Mark für einen Roman dieses Umfangs sind schon ein Hammerpreis. Der Wettbewerb Kiepenheuer & Witsch legt bei gleichem Preis für den neuen Schätzing 1.200 Seiten gedrucktes Werk hin. Ja, natürlich ist Schätzing günstiger, da keine Lizenzen zu erwerben und keine Übersetzer zu bezahlen waren.

1.200 Seiten Schätzing in die S-Bahn mitzuschleppen ist mir allerdings zu schwer. Ich hoffe auf eine baldige E-Book Version von Limit.

 


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