Herr Preston, Herr Child – was bitte schön war das denn?


Zweimal Preston, einmal Child, einmal Preston/Child und bisher alles für gut befunden. Nun, viel verkehrt machen kann man da nicht, dachte ich, und griff zum nächsten Roman des Erfolgsduos.

"Thunderhead" hört sich schon vom Titel her vielversprechend an, auch wenn der Klappentext in Sachen "Archäologische Spurensuche in Midwest-USA jetzt nicht unbedingt mein Fall ist. "Mount Dragon" in New Mexico hat da eigentlich gereicht, müssen es denn wieder irgendwelche Canyons und Mesas.

Es müssen. Diesmal in Utah und Arizona. Die Archäologin Dr. Nora Kelly erhält einen 16 Jahre alten Brief ihres ebenso lange verschwundenen und vermutlich toten Vaters, der glaubte, die legendäre Anasazi-Stadt Quiviera gefunden zu haben. Nora schafft es mit Hilfe des Briefes und einer Satellitenanalyse des Elektronikspezialisten Peter Holroyd, der für das Shutleprogramm der NASA arbeitet, den Direktor des Archäologischen Instituts, in dem sie angestellt ist, zu überzeugen, dass die sagenumwobene Stadt tatsächlich existieren kann.

Direktor Goddard genehmigt eine Expedition. Der Weg, den Noras Vater in dem Brief beschreibt, ist allerdings so beschwerlich, das man die Strecke nicht mit Hubschraubern zurücklegen kann, sondern zu Pferd aufbrechen muss. So macht sich eine bunte Gruppe Archäologen, einem Koch, einem Journalisten und einem Cowboy auf den Weg, um auf Indiana Jones Spuren zu wandeln.

Mal ehrlich, wenn da jetzt ständig was passieren würde, könnte man noch von einem Thriller sprechen, aber die wenigen "Überfälle", die sich auf den 556 Seiten ereignen, geraten angesichts der ausschweifenden Beschreibungen der archäologischen Tätigkeiten dann doch bald in Vergessenheit. Der Roman glänzt vor gähnender Langeweile. Das Autorenduo wird es offenbar nicht müde in zeilenschindender Manier den bescherlichen Weg nach Quiviera zu beschreiben. Und selbst, als die Gruppe das Ziel erreicht und dann zwischendurch doch mal etwas geschieht, berührt das eigentlich niemanden, denn die Charaktere bleiben sehr farblos. Zu viele Namen, die auch noch ähnlich klingen (Aaron und Aragon, Black und Smithback, Sloane und Swire) machen das Zuordnen, wer wer ist, anfangs schwer und lassen kein echtes Identifikationsgefühl mit einem der Protagonisten aufkommen.

Erst auf den letzten 100 Seiten kommt so etwas wie Spannung auf, die aber noch weit, weit hinter dem hinkt, was ich bisher von Preston und Child gelesen habe. Ich hoffe, "Thunderhead" war nur ein Ausrutscher.

Zur Verteidigung des Romans muss ich allerdings sagen, dass ich ihn brav bis zum Ende gelesen habe.


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