Falls ihr mich sucht – ich bin in Afghanistan

Letzte Woche erschien der neue Medal of Honor Titel für PC und Videospielkonsolen.

Nachdem für mich schon Call of Duty in keiner Version an Battlefield Bad Company herankam, war ich ursprünglich auch nicht an Medal of Honor interessiert, auch wenn erstmals in der Geschichte der Videospielserie der Schauplatz des Geschehens in die Gegenwart, nämlich nach Afghanistan, verlegt wurde.

Doch als ich erfuhr, dass der Spielehersteller DICE, der schon für Battlefield Bad Company verantwortlich zeichnete, den Multiplayermodus entwickelt hat, kam ich doch nicht umhin, mir das Spiel zu bestellen.

Medal of Honor ist ein Reboot der Spielserie, weswegen der Titel auch identisch mit dem ursprünglichen Spiel ist. Was die Filmszene vormacht, macht die Computerspielszene jetzt nach, denn auch mit dem kommenden Need for Speed: Hot Pursuit gibt es eine Art Titelwiedererkennung, da es einen ähnlichen Titel »Need for Speed III: Hot Pursuit« bereits gegeben hat.

Statt Szenarien aus einem vergangenen Weltkrieg nachzuspielen führt das aktuelle Medal of Honor den Spieler in die Gegenwart nach Afghanistan. Er schlüpft in die Rolle eines Soldaten einer Kommandoeinheit, die verdeckte Operationen durchführt. Die Zwischensequenzen und die Story sind sehr gut gelungen und werden spannend dargestellt. Auch wenn die Personen äußerst realistisch und ihre Bewegungen natürlich dargestellt werden hat die eigentliche Grafik doch etwas gelitten. Besser als Call of Duty Modern Warfare, schlechter als Modern Warfare 2 und schlechter als Battlefield Bad Company 2.

Dazu kommen äußerst ruckhafte Bewegungen beim Anlegen einer Waffe in den Zielmodus über Kimme und Korn oder Zieloptik. Dagegen ist der Sound bombastisch und klingt natürlicher als bei BBC2.

Während die Singleplayer-Kampagne von Eletronic Arts entwickelt wurde, hat sich Spielentwickler DICE an die Multiplayer-Variante gewagt. Herausgekommen ist ein Unterschied zwischen Tag und Nacht. Die Grafik besticht durch fotorealistische Einzelheiten, ganz gleich, ob man durch die Ruinen Kabuls, einem Marktplatz in Kandahar oder einem verlassenen Außenposten im Gebirge wandert. Die Texturen von Bodenbelag und Gebäuden sind superfein und wirken sehr realitätsnah.

Etwas zuviel des Guten sind aber herumwehende Objekte, wie Blätter, Schneeflocken oder Papierfetzen. Die kommen zu regelmäßig und in zu hoher Anzahl hinzu, um nicht künstlich zu wirken.

Das Zielen ist hier auch wesentlich flüssiger als im Singleplayer, so wie man es von DICE schon aus BBC2 gewöhnt ist. Es gibt interessante Spielmodi, die ein wenig an BBC2 erinnern:

Kommandoauftrag. Hier sind Angreifer und Verteidiger bestimmer Positionen gefragt. Nach einer Niederlage rücken die Verteidiger auf die nächste Position zurück, sodass das Spielfeld wächst.

Stellung einnehmen. Ähnlich wie bei BBC2 das Flaggen halten. Man rückt zu einer Position vor, wartet, bis sie eingenommen ist und versucht sie so lange wie möglich zu verteidigen.

Team-Sturmlauf. Ein Team-Deathmatch bei dem ein bestimmter Killscore erreicht werden muss.

Aufgrund der eher überschaubaren Kartengröße (keine der Karten reicht auch nur ansatzweise an die kleinste aus BBC2 heran!) erinnert  der Multiplayermodus allerdingse eher an Call of Duty denn an BBC2. Niemand braucht beispielsweise kilometerweit durch die Atacama-Wüste zu laufen, um den gegnerischen Stützpunkt zu erreichen, oder ist auf ein Quad angewiesen, um von der eigenen Basis quer durch den Ort Arica bis zum Hafenbecken zu rasen. Ein Ende der Karte ist schnell in Sicht. Einzig größere Karten gibt es beim Kommandoauftrag, aber auch diese sind eher überschaubar und dehnen sich nicht zu allen Seiten hin so weit aus, wie die Karten von BBC2.

Die kleineren Karten bieten natürlich auch einen Vorteil. Das Spiel wird dadurch rasant schnell. Für strategische Optionen bleibt keine Zeit. Rein, Waffe nehmen und alles erledigen, was sich einem in den Weg stellt. Die Trefferabfrage des Spiels ist mörderisch. Oft reichen zwei Schuss aus, einen Gegner zu erledigen und gerade wenn man sich in Deckung geworfen hat, ist man doch noch getroffen worden.

Die Landschaft bleibt leider komplett erhalten. Hier und dort zerspringen kleine Mauerstücke, Glas birst oder Fernseher zerplatzen, Tonvasen zerscheppern, aber Mauerwerk und Häuser bleiben bei Medal of Honor intakt. Das verschafft stellenweise den Vorteil, sich zu verschanzen und abzuwarten (auf Kosten von Punkten, denn ohne Kill kein Vorwärtskommen), aber zumindest lassen sich so Verschnaufpausen einlegen, im Gegensatz zu BBC2, wo man nirgends sicher ist. Ständige Mörserschläge und Artilleriefeuer zerlegen die Umgebung auch in Kartenleveln ohne schwere Waffen wie Panzer oder Hubschrauber.

Bei der Klassenwahl hat sich DICE auf drei Spezialisierungen beschränkt. Sturmsoldat, SpecOps und Sniper. Einen Sanitäter gibt es nicht. Leider hat man bei der Kleidungsauswahl nicht darauf geachtet, die Leute ordentlich anzuziehen. Der SpecOps in Uniform und mit Kevlarhelm sieht aus, wie man sich einen Sturmsoldaten vorstellt. Der Sturmsoldat hindes trägt eher zivile Kleidung mit umgedrehter Baseballcap, Sonnenbrille, langen Haaren und Bart, also der typische Undercover-SpecOp, der sich hinter feindlichen Linien bewegt und den Gegner infiltriert. Da hätte man besser aufpassen müssen.

Die Al-Kaida Gegner tragen typische Kleidung wie man sie sich in arabischen Nomandestämmen vorstellt. Lange gewänder, Rauschebärte und Turbane.  Die SpecOps sind auf der Seite teilweise vermummt.

Medal of Honor ist in Deutschland in vier Versionen erhältlich. Die normale, die limited und die Tier-1-Edition.

Die limited edition bietet zusätzliche Waffen, die nicht erst während des Spiels freigeschaltet werden müssen, die Tier-1 Edition darüber hinaus noch eine Einladung zur Beta-Testversion von dem nächstes Jahr erscheinenden Battlefield 3.

Alle drei Versionen sind ab 18, allerdings dennoch zensiert. Blutspritzer bei Treffern wurden entfernt und Ragdoll-Effekte sind weggelassen worden.

Wer das volle Programm möchte, bedient sich der PEGI-Version (z.B. der aus Österreich), die komplett ungeschnitten ist.

Alles in allem bietet Medal of Honor kurzweilige Unterhaltung, jedoch gefällt mir BBC2 ganz deutlich besser, da es aufgrund der riesigen Karten mehr Spielmöglichkeiten bietet. Da ich selbst von Call of Duty nichts halte (mir haben weder Modern Warfare noch Modern Warfare 2 gefallen) verzichte ich auch auf BlackOps und warte sehnsüchtig auf BBC2 – Vietnam, das demnächst als Add-on erscheinen wird.

In der Zwischenzeit … falls Sie mich suchen, ich bin dann mal in Afghanistan.

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