Was macht eigentlich Adam?

Wächst und gedeiht.

Adam ist ein Produkt, das nach dem Bananenprinzip vertrieben wird. Es reift sozusagen beim Endkunden. Auf der einen Seite, kann man sich sowas selbst ausrechnen, wenn ein Start-up-Unternehmen ein solches Produkt ankündigt und den geplanten Veröffentlichungstermin mehrmals verschiebt. Auf der anderen Seite blieben aber zahlreiche Versprechungen NotionInks, die hoffen ließen, ein fertiges Produkt zu kaufen.

No Go! Wer Nur-Anwender ist und ein Tablet haben will, das man nur Einschalten muss und mit dem man direkt loslegen kann, der ist mit dem iPad von Apple besser bedient. Die Steuerung und Anwendung ist selbsterklärend, es lässt sich einfach und ohne viel Vorwissen bedienen.

Das sollte man von einem Android-Produkt eigentlich auch erwarten können, aber bei den meisten Smartphones ist die Bedienung deshalb so einfach, weil die Hersteller eigene, intuitive Benutzeroberflächen integrieren und weil auch die Bedienung des Android Markets recht einfach ist und man sich schnell zusätzliche Programme aus dem Market installieren kann. Dazu reicht in der Regel ein einfacher Druck auf den Installieren-Button.

Anders verhält es sich bei einem Gerät, das nur rudimentär mit Software bestückt ist, das keinen Zugang zum Android Market hat und das auch den hauseigenen Programmmarkt noch gar nicht in Betrieb hat.

So ein Produkt ist Adam. Es erinnert an die Auslieferungen früherer Windows Versionen wie 3.1. Ja, man konnte Windows einschalten und etwas mit dem PC anstellen, aber in den wahren Genuss kam man erst, wenn man zusätzliche Programme und Tools installiert hat. Wer benutzt Write oder Notepad zum Schreiben längerer Texte? Wer lässt sich Bilder mit Paint anzeigen und bearbeitet sie dort? Wer benutzt den Internetexplorer zum Surfen und OutlookExpress zum … okay, ich hör ja schon auf, ich weiß, dass viele das tun.

Nun, so lässt sich auch mit Adam von Haus aus im Internet surfen, dazu bringt es die Eigenentwicklung „Browser“ mit. Ein E-Mailprogramm namens „mail’d“ ist auch an Bord und mit Canvas lässt sich malen, während man mit „Sniffer“ auf Speichermedien stöbern kann. Über Android (Version 2.2 Froyo, mit einigen hausinternen Verbesserungen, die 2.3 Gingerbread entnommen wurden) liegt die grafische Benutzeroberfläche EDEN. Anders als bisher von allen Android-GUIs bekannt, arbeitet Eden mit einer Panel-View. Die hauseigenen Programme können in kleinen Paneelen auf den Bildschirm geladen werden und bieten einfache Ansichten neuer Mails und auch die Möglichkeit zumindest teilweise mit ihnen zu interagieren. So lassen sich in der Panelview von mail’d E-Mails beantworten, der Taschenrechner lässt sich bedienen, man kann mit Sniffer Dateien durchstöbern oder im Kalender Einträge hinterlassen – aber so wirklich arbeiten kann man mit dem Paneelen nicht. Das geht nur im Vollbild, dazu muss man aber über ein Kontextmenü erst einmal die entsprechende Applikation starten.

Umständlich. Hinzu kommt, dass sowohl die GUI EDEN als auch einige der Programme mit sorgfältiger Regelmäßigkeit abstürzen. Ein echtes Arbeiten mit mail’d und Sniffer ist so gut wie unmöglich. Freude kommt dabei zumindest nicht auf.

Und an der Stelle werden diejenigen, die ein „Einschalten und machen“-Gerät haben wollten verzweifeln und es in die Ecke werfen oder vielleicht als Digitalen Bilderrahmen verwenden, um es zumindest noch einem Zweck zuzuführen.

Doch Adam ist ein Tablet-PC und kann auch wie solch einer funktionieren. Er hat eine ähnliche Hardware wie das aktuell in USA erschienene Motorola XOOM und wie die für dieses Jahr angekündigten Tablets anderer Hersteller unter der Haube. Ein Dualcore Tegra 250 Prozessor sorgt für schnelleres, flüssigeres Arbeiten und 3D-Darstellungen, die jedes Netbook mit Intel Atom Prozessor vor Neid erblassen lassen werden. 1 GB Hauptspeicher und eine äußerst großzügige Schnittstellenkonfiguration machen Adam zu „dem“ Tablet schlechthin, denn weder das XOOM oder das angekündigte HTC Flyer oder das Galaxy Tab 10 weisen derart viele Möglichkeiten auf, Peripherie an das Gerät anzuschließen.

ADAM ist weit mehr als ein digitaler Bilderrahmen, nur um das Herauszufinden, darf man sich nicht auf die mitgelieferte Oberfläche EDEN verlassen. Es gibt natürlich die Möglichkeit, das Gerät zu rooten (für Windows-User: den Gott-Modus zu aktivieren, globale Administrationsrechte zu schaffen, um in den Tiefen der Dateistrukturen herumfuschen zu können). Das Rooting schafft Zugang zum Android Market und bietet einige weitere funktionelle Hilfen. Doch nicht jeder traut sich ans Rooten heran. Aber es geht auch ohne.

Für Android existieren diverse Launchprogramme, die eine andere Benutzeroberfläche über das Betriebssystem legen. Diese Launcher lassen sich parallel zu EDEN installieren. Ich habe den ADW Launcher und den Launcher Pro getestet, letzteren für mich als für sehr gut befunden und mir davon auch die Vollversion gekauft.

Launcher Pro zaubert eine Androidoberfläche auf den Adam, wie man sie von anderen Androidsmartphones her kennt. Multiple Homescreens, frei konfigurierbar mit App-Verknüpfungen und Widgets, Schnellwahltasten und hübschen 3D-Effekten.

Der mangelnde Zugang zum Android Market lässt sich durch diverse Android-Seiten kompensieren, auf denen Apps als .apk-Dateien verfügbar sind.

„Browser“ wich so dem Dolphin Browser HD, den ich bereits auf meinem Smartphone nutze. mail’d wurde sofort durch K9-Mail ersetzt. Sniffer musste dem ES Dateiexplorer weichen. Mit den entsprechenden Apps macht das Arbeiten mit Adam jetzt richtig Spaß.

Allerdings muss ich noch einen gravierenden Abstrich machen. Ein Tablet PC steht und fällt mit seinem Display und ausgerechnet das ist beim Adam relativ schlecht ausgefallen. Von der Farbintensität und der Leuchtstärke ist das LCD deutlich schlechter als das meines Netbooks (Samsung NC10, aber gut, das muss als Referenz herhalten, denn Samsung produziert derzeit die besten LCD-Panels). Der Sichtwinkel des Adams ist katastrophal. Im angewinkelten Zustand, beispielsweise auf einem Displayständer oder in der Armbeuge lässt sich das Bild sehr gut erkennen, doch im Winkel von schräg vorn versagt das Adam-Display völlig. So ist es beispielsweise nicht möglich, Adam auf dem Schoß liegen zu haben und sich mit dem Rücken angelehnt dem Display zu widmen. Es bleibt aus dem Betrachtungswinkel fast schwarz. Mit angewinkelten Knien geht es erst, doch nicht jeder hat Adam nur auf der Couch im Einsatz. Im Zug lässt es sich schlecht mit angewinkelten Knien sitzen, es sei denn man legt sich mit dem Schaffner an.

Im Hochformat wird die Sicht noch schlechter. Dort wirkt das Display nicht einheitlich scharf.

Des Weiteren konnte NotionInk seine Versprechen von einem spiegelfreien und Fingerabdruckabweisenden Display nicht erfüllen. Adams Bild spiegelt extrem und Schmierfinger verteilen sich ruckzuck über dem ganzen Schirm. Da hilft nur, ständig ein Microfaserwischtuch dabei zu haben um bei Bedarf einmal den Bildschirm abzuwischen.

Zu den ursprünglichen TechSpecs gehörten auch 16 GB internen Speicher sowie ein Trackpad auf der Rückseite des Tablets. Während letzteres verschmerzbar ist und für mich ohnehin wenig Sinn ergeben hätte, ist das Abspecken auf 8 GB internem Speicher schon fast eine Frechheit. Zwar lässt sich der Speicher durch eine MicroSD aufrüsten, doch diese wird nicht von jedem Programm eindeutig erkannt, sodass man oft Dateien erst im Hauptspeicher ablegen und anschließend mit dem Dateiexplorer auf die externe SD verschieben muss, denn Adam erkennt den zur Verfügung stehenden Hauptspeicher ebenfalls als SD an.

Nun, mit dem Gewissen nicht das Produkt schlechthin gekauft zu haben und dass es durchaus noch etwas herauszuholen gilt, freue ich mich mit meiner derzeitigen Konfiguration doch ungemein auf die Arbeit mit Adam.

Anbei ein paar Fotos von dem Kleinen, leider wegen des stark spiegelnden Bidlschirms nicht optimal geworden, da ich ohne Blitz fotografieren musste.

Eden Panelview mit Durchblättermöglichkeit
EDEN Panel Oberfläche mit Browser, Taschenrechner und Sniffer
Launcher Pro mit 7 Homescreens, Widgets und Shortcuts
Widgets und App-Icons. 10,1" bieten reichlich Platz zum Ablegen.
Beim Wischen zum nächsten Homescreen bietet Launcher Pro eindrucksvolle 3D Effekte.

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