Amazon Kindle: Verlustrechnung

Selten findet man Meldungen, welchen Reibach ein Unternehmen an einem verkauften Produkt macht.

Eher wird dem Konsumenten auf die Nase gebunden, welchen Verlust an einem Gerät gemacht wird. Diese Auskunft stammt natürlich nicht von den Unternehmen selbst, sondern von findigen Interessenten. Wozu, weshalb und wieso, lassen wir mal dahingestellt.

Aktuell berichtet Netbookness.de davon, dass iSuppli einen Verlust von 5 US-Dollar pro verkauftem Amazon Kindle ermittelt hat. Netbooknews zweifelt diese  Rechnung an, da die zugrunde gelegte Stückzahlkalkulation sich auf die Produktion deutlich weniger Geräte als tatsächlich hergestellter beläuft und Amazon durch ungleich höhere Abnahmen bessere Margen erzielen kann.

Gut, demnach würde Amazon also ein Plusgeschäft beim Kindle verzeichnen. Oder nicht?

Eher nicht, denn bei der ganzen Kalkulation wird ein Faktor außer Acht gelassen, der jede Rechnung augenblicklich auf den Kopf stellen kann: Packing an Shipping.

Selbst wenn man die Verpackung des Kindle noch unter „final assambly“ laufen lässt und die Materialkosten für Pappkarton und Styroporinlay sich im Cent-Bereich bewegen, so müssen die für Endkunden verpackten Kindles zunächst einmal ihren Weg von China zum Endkunden finden. Viele Kindleboxes werden auf Paletten gestapelt und eingeschrumpft, dann vom Herstellerwerk zum Hafen transportiert, in Container gestaut, im Hafen umgeschlagen, haben den Transportweg bis zum Empfangshafen auf der Backe, den Umschlag im Empfangshafen, den Anschlusstransport zum Logistiklager, die Kosten für die Verzollung, die Kommissionierung im Logistiklager, die Versandvorbereitung an den Endkunden und zu guter Letzt den Transport zum Endkunden. Lassen wir die Rechnungserstellung und die Buchungskosten sowie die allgemeinen Umlagekosten mal völlig außer Acht und auch die Tatsache, dass ein Containerversand von China nach Europa auf der reinen Wegstrecke nur „Peanuts“ kostet und die Vorlaufkosten zum chinesischen Hafen sowie die Nachlaufkosten zum Logistikdepot weitaus höher legen, so dürfte sich der rein rechnerische Verlust beim Verkauf eines Kindle in deutlich höheren Dimensionen als nur 5 US-Dollar bewegen.

Doch ganz gleich, welchen Verlust Amazon pro verkauftem Gerät macht, für dich als Endkunden ist das doch völlig unerheblich, denn du willst dein Lesegerät möglichst günstig haben. Amazon wird arbeitet mit einer Mischkalkulation und baut darauf, den Verlust durch den Verkauf von Büchern in einen Gewinn zu verwandeln. Ob die Rechnung aufgeht erfahren wir dann irgendwann bei der Bilanzveröffentlichung für das laufende Geschäftsjahr.

2 Kommentare zu „Amazon Kindle: Verlustrechnung

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