Google+ ist nicht tot

Facebook-Jünger haben vor drei Jahren schon behauptet, Google+ wäre tot. Doch wir wollen mal einen Blick hinter die Kulissen werfen und schauen, wie tot es wirklich ist.

Hintergrund ist hier mein Fortgang von Facebook. Zu viel „Müll“ in der Timeline, statt Lesenswertes.

Ich degradiere hier Facebook gerne auf das Niveau eines sozialen Netzwerk-Kindergartens. Man kann Spaß haben, wenn man sich darauf einlässt, aber irgendwann ist auch mal gut, wenn man wieder zum „ernsthaften“ Spaß statt Albernheiten zurückkommen will.

Zweifelsohne darf sich Facebook als weltweit größtes soziales Netzwerk bezeichnen, wenn die Statistiken auch nicht immer 100% genau sind. So dürfte FB im Jahr 2016 zwischen 1,6 und 1,8 Milliarden Nutzer gehabt haben, Tendenz steigend. Bis auf mich natürlich, ich bin ja nicht mehr da.

Facebook schlägt damit den Ball weit ab. Wer überhaupt in unmittelbarer Nachbarschaft hinterher hechelt sind ebenfalls zwei nicht unbekannte Größen: Youtube mit ca 1 Milliarde Nutzern 2016 und What’s App mit gut 950 Millionen Nutzern.

Die drei Plattformen sind unterschiedlicher wie sie nicht sein könnten. Während Facebook trotz des „Nur Freunde können meine Posts sehen“-Charakters dennoch eher öffentliche und breitere Diskussionsformen darstellt, ist What’s App eher in Chatform einem kleineren, überschaubaren Kreis vorbehalten. Facebook werkelt auf allen Medien, während What’s App dem mobilen Endgerät mit SIM-Karte vorbehalten bleibt.

YouTube ist wieder ein anderes Kaliber. Content wird von EINER Person oder Gruppe produziert und das soziale Netzwerken besteht in vielen Fällen nur aus Kommentaren, ohne eine anregende Diskussion zu starten. Du bist toll, ich find dich gut, das war scheiße, du Hurensohn (nur um es mal gesagt zu haben) findet sich immer wieder unter Videos. Es gibt gute Kommentare bei sachlichen Videos, aber ich vermisse hier noch die interaktive Diskussion, die ich eher unter Kommentaren bei Blogeinträgen finde.

Am ehesten mit Facebook zu vergleichen ist daher Google+, das 2011 von Google gestartete soziale Netzwerk (neben Youtube natürlich).

Anfangs war Google+ ähnlich aufgebaut wie die Facebook-Timeline, heute hat es nichts mehr damit zu tun und wurde mehrfach erneuert und umstrukturiert. Hier hat sich auch die Spreu vom Weizen getrennt. Alle Katzenfoto- und -video-Liebhaber blieben bei Facebook, ebenso wie die Sprücheklopfer und jene, die in der Vergangenheit abhängen, während in meinen Augen eher die seriösen Contenlieferer sich Google+ als Medium widmeten.

Bei meinem Facebook-Ausstieg wurde und werde ich noch ausgelacht. Von Facebook-Nutzern. Google+ ist tot. Heißt es immer wieder.

Nein, ist es nicht, denn Google+ hat – und jetzt mal aufgemerkt – 2016 die vierstärkste Nutzercommunity nach Facebook, Youtube und What’s App gehabt.

Mit ca. 440 Millionen aktiven Nutzern weltweit liegt es zwar weit hinter Facebook, aber dennoch vor anderen Social Media Plattformen wie Instagram (430 Mio), Twitter (325 Mio), Tumblr (230 Mio), Pinterest (110 Mio) oder LinkedIN (100 Mio).

Natürlich mag aus deutscher Sicht G+ tot sein, denn die Deutschen gelangen hier nicht in die Top 5 der Nutzerstatistiken. Allen voran liegen die US-Amerikaner, danach die Inder, Brasilien, Großbritannien und Kanada. Bei Facebook schaffen es die Deutschen zumindest auf den fünften Platz. Vermutlich wegen der Katzen.

Wie gesagt, ich werde ausgelacht. Da mein Google+ Account bisher nur nebenher lief und meine Blogeinträge automatisiert gepostet wurden, hatte ich mich nicht mehr mit dem Netzwerk befasst.

Bis ich jetzt wieder von Neuem darauf stieß und mich offen gestanden auch erst zurechtfinden musste. In der mobilen Variante gleich Google+ noch etwas Facebook. Beiträge erscheinen in einer Timeline untereinander. In der Webvariante gibt es drei Spaltenblöcke und Beiträge erscheinen wie angepinnte Karteikarten. Dazu gibt es Communities, denen man beitreten kann und die sich bestimmten Themen widmen und man kann seine Posts in Sammlungen thematisch arrangieren.

Gerade die Communities sind interessant. Ich hatte schon vergessen, dass ich mich mal in einer Evernote und einer ChromeOS Community angemeldet habe und entdecke nun, welche wertvolle Resonanz man dort erfährt.

Google+ ist nicht tot. Es ist erwachsener, zielstrebiger, weniger Spielerei als Facebook und tot mag es nur für die sein, die es nicht verstehen und sich lieber Katzenvideos, „Teile das, wenn du noch weißt was ein Negerkussbrötchen ist“ und „Das ist schmutzig, das ist verwerflich, ich bin dabei“-Sprüche reinziehen, statt informative, wertvolle Beiträge zu lesen und sich aktiv an kreativen Diskussionen zu beteiligen.

My two cents, friends.

Edit

Noch zu erwähnen wäre:

  • Auf Facebook wurde ich trotz AdBlock am Seitenrand mit Werbung zugemüllt. Jede Googleanfrage oder Amazonsuche führte unweigerlich zu gesponsorten Beiträgen in meiner Timeline, die mit meiner Suche zusammenhängen. Kauf dies, kauf das. Auf Google+ gibt es meines Wissens keine Werbung und keine gesponsorten Beiträge.
  • Auf Facebook bekomme ich nicht das angezeigt, was ich will. Selbst wenn ich zu den neuesten Nachrichten wechsle, verschwinden die zugunsten von „Hauptmeldungen“ rasch wieder. Hinzu kommt: Öffnet man gerade Facebook und man sieht einen interessanten Eintrag, der aber schon outdated ist, aktualisiert sich plötzlich die Timeline, zeigt die neuesten „Hauptmeldungen“ an und man  darf sich auf die Suche begeben, den Beitrag wiederzufinden. Google+ geht hier ähnlich wie Twitter vor: Man lässt den aktuellen Screen stehen und blendet oben dezent ein, dass es 10+ neue Einträge in der Timeline gibt. Wenn man dann fertig mit lesen ist, kann man auf diesen Hinweis klicken und bekommt die aktuelleren Meldungen angezeigt.

google-plus-logo.png

Ein Kommentar zu “Google+ ist nicht tot

  1. Bei aller Kritik an Facebook, das ich persönlich überhaupt nicht mag, bin ich doch zum Schluss gekommen, dass Google Plus ganz einfach tot ist. Etwa so wie der berühmte Papagei bei Monty Python.

    Es stimmt schon, dass die Inhalte bei Google Plus relevanter sind, weil der ganze Katzen-Content und die Werbung fehlt. Aber mal ehrlich: Die Werbung fehlt vor allem deswegen, weil keiner auf Google Plus werben will, weil man auf dem toten Google Plus eben keinen erreicht.

    Ich habe im letzten Jahr praktisch alle meine neuen Blogartikel auf G+ geteilt und erhielt auf diese Weise wohl um um die 50 Besucher, bei immerhin fast 500 Followern. Bei Facebook sind das dann doch deutlich mehr.

    Als Contentproduzent stellt sich für mich die Frage, ob sich der Aufwand noch lohnt, diesen Kanal zu bespielen. Ich neige immer mehr zu einem nein.

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