Es wird frostig – Das Tor des Winters steht offen


Es geht zügig voran bei Mark Anthonys Saga um die Letzte Rune.
Den neunten Roman »Das Tor des Winters« (erster Teil von zweien) habe ich jetzt ausgelesen, und man spürt deutlich, dass die Handlung jetzt auf das große Ziel hinausläuft. Von der Gemütlichkeit, die man bei der Arbeit eines Travis Wilder im Mine Shaft Saloon zu fühlen bekam oder von der abenteuerlichen Reise Grace Becketts zum Kontinent Toringarth, ist nichts mehr zu spüren. Der Roman selbst wirkt kalt. Eiskalt.

Man verstehe mich nicht falsch. Es liegt nicht daran, dass er schlecht geschrieben ist, sondern im Gegenteil an der Atmosphäre, die in ihm vorherrscht. Mark Anthony versteht es hervorragend die Kälte in beiden Welten (Eldh und Erde) zu erfassen und dem Leser näher zu bringen. So liest man das Buch mit leichtem Grusel und einigem Frösteln.

Worum geht’s?

Eine alte Prophezeiung spricht von der letzten Schlacht, bei der die Krieger des Gottes Vathris eine entscheidende Rolle spielen. Ebenso der Runenbrecher, der nach dieser Prophezeiung die Rune Eldh brechen und die Welt zerstören wird. Travis Wilder könnte eine Welt zerstören – seine Freunde können keine Sekunde daran glauben.

Und tatsächlich gibt es eine weitere Vorhersehung nach der der Runenbrecher Eldh den Segen bringen wird, nur dass diese Prophezeiung von den Hexen totgeschwiegen wird. Doch einige von ihnen glauben an beide Voraussagen und gründen unerkannt Schattenzirkel, um den Runenbrecher zu unterstützen.

Travis Wilder zieht sich mit den zwei Runensteinen des Feuers und des Zwielichts auf die Erde zurück, in der Hoffnung er könne dort dem Fahlen König und seinen Schergen entkommen. Gleichzeitig will er den Konzern Duratek stoppen, von dem er inzwischen herausgefunden hat, dass er gemeinsame Sache mit den alten Scirathi-Zauberern und dem Gott Mohg macht.

Während Travis auf der Erde an Duratek heranzukommen versucht, eine halbe Welt entfernt Deirdre Falling Hawk in London den Geheimnissen der Sucher auf den Grund geht, spitzen sich auch auf Eldh die Ereignisse zu. Grace Beckett, der letzte lebende Nachkomme des Königreichs Malachor, reitet mit einer zusammengewürfelten Truppe aus Rittern der Domänen, Kämpfern aus Tarras, einer Handvoll Runensprechern und Hexen eines Schattenzirkels Richtung Norden, um Burg Todesfaust einzunehmen und so lange zu halten, bis König Boreas mit den Kriegern Vathris zur Verstärkung eintrifft. An ihrer Seite sind das magische Schwert Fellring und die Göttin Tira.

Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen. Feydrim und Phantomschatten des Fahlen Königs sind ihnen auf den Fersen. Und Sir Durge trägt ein dunkles Geheimnis in Form eines Eisensplitters nahe seinem Herzen. Über kurz oder lang wird aus dem edlen Kämpfer für Recht und Ordnung ein herzloser Diener des Fahlen werden, und nicht einmal Grace Beckett kann etwas dagegen unternehmen.

Vorbei sind die Abende an Lagerfeuern mit Unmengen von Maddok und schaurigen Geschichten, die von dem Barden Falken Schwarzhand erzählt werden. Mark Anthony packt seine Leser nicht mehr bei der Hand und entführt sie in seine Fantasiewelt, sondern stößt sie einfach unvorbereitet ins kalte Wasser. Man ist versucht sich in eine warme Decke einzuhüllen und Kerzen anzuzünden. Die Kälte des Romans schnürt einem beim Lesen förmlich die Kehle zu.

Der Höhepunkt der Fantasy Saga rückt unaufhaltsam näher. Und wieder einmal trennt Anthony die Story in drei Handlungsstränge auf. Travis Wilders verzweifelter Kampf gegen Duratek auf der Erde scheint aussichtslos. Grace Beckett akzeptiert endlich ihre Herkunft, fühlt sich aber dennoch unwohl mit »Eure Majestät« angeredet zu werden und Deirdre Falling Hawk findet in London in den unergründlichen Tiefen der Sucher-Datenbanken Spuren.

Die Tragik der Einzelnen bleibt dennoch im Vordergrund: Vani ist von Beltan schwanger. Ivalaine entpuppt sich als Mutter von Boreas‘ Sohn Teravian, Durge ist vom Bösen gezeichnet, Sareth und Lirith können ihre Liebe zueinander nicht körperlich zum Ausdruck bringen: Lirith kann keine Kinder bekommen, Sareth ist nach der Verletzung durch einen Dämon impotent; und Aryn ahnt nicht einmal was sie für Durge empfindet und beugt sich ihrem Schicksal bald den Sohn des Königs heiraten zu müssen.

Mitreißend und gefühlvoll wie immer. Eintauchen, abtauchen, Anthony lesen und den Rest um sich herum vergessen.

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