HALO: MilSF mit leichten Schwächen


Was erwartet man bei einem Buch zu einem Egoschooter? Natürlich nicht, dass der Autor in Ich-Form schreibt und ein Gemetzel wie auf dem Bildschirm veranstaltet, sondern eine schöne Story, die sich vom Spiel etwas abhebt und unabhängig davon existieren kann, gleichzeitig jedoch die Details aus der Spielestory übernimmt.

Sehr schön für eine Novelization eignet sich die Spielereihe HALO, denn obwohl die Spiele "nur" Ego-Shooter sind, hebt sie doch einiges von dem Einheitsbrei ab: Eine erstklassige Storyline, die sich durch alle drei Spiele zieht.

Wir erinnern uns: Im ersten HALO-Teil springt die Pillar of Autumn aus dem Hyperraum und trifft in dem System ein, in dem der erste HALO-Ring gesichtet wird. Kurz darauf treffen Allianzschiffe ein, die den terranischen Kreuzer angreifen. Es wird erwähnt, dass man direkt aus dem Reach-System kam, in dem eine mörderische Schlacht zwischen irdischen und Allianzverbänden stattgefunden hat und die Pillar of Autumn nur mit Mühe und Not entkommen konnte.

Hier setzt Autor Eric Nylund an und schildert in Die Schlacht um Reach die Vorgeschichte zum ersten HALO-Spiel.

Der Leser erfährt, was wirklich bei Reach geschehen ist und vor allen Dingen, woher die Supersoldaten namens Spartaner stammen.

Helden der Story sind, wie im Spiel auch, der Master Chief (der als Spartaner 117 klassifiziert ist und den ursprünglich bürgerlichen Namen John trägt) und Captain Keyes. Beide Werdegänge werden näher beleuchtet. John als Kind von der skrupellosen Wissenschaftlerin Dr. Halsey zusammen mit über 70 anderen Kindern entführt, geklont, genetisch und biotechnisch verbessert, direkt mit 6 Jahren in ein militärisches Trainingscamp gesteckt und ein Leben lang nur für einen Zweck ausgebildet und erzogen: Für den Kampf.

Eigentlich wollte man Aufstände in den Kolonien mit Hilfe der Spartaner niederkämpfen und Übergriffe durch Piraten verhindern – doch dann kommt es plötzlich zum ersten Kontakt mit den Alienspecies der Allianz, die die Harvest-Kolonie angreift und vernichtet. Nur mit Mühe gelingt es später Admiral Cole mit einer überlegenen Flotte einie Allianzstreitmacht zu besiegen. Da die Allianzschiffe der irdischen über sind, benötigt man mathematisch eine 3:1 Übermacht, um eine Flotte der Aliens zu besiegen.

Nach dem Harvest-Desaster werden weitere Kolonien angegriffen und ausgelöscht. Admiral Cole empfiehlt eine Strategie, die später als das Cole-Protokoll in die Geschichte eingeht. Diese besagt: Keine direkten Hyperraumsprünge mehr zu irdischen Kolonien und Selbstzerstörung im Falle des Kaperns irdischer Schiffe, um die Datenbanken und Koordinaten der Kolonien um jeden Preis zu schützen.

In diesen neuen Krieg gegen die Alienrassen werden John, Sam, Fred, Kelly, Linda und die anderen Spartaner hineingezogen und behaupten sich erfolgreich auf über 205 Bodenkämpfen. Doch dann entdeckt die Allianz Reach, der Welt auf dem die Hauptwerften der Menschheit liegen. Sollte Reach fallen, wäre die Allianz dem Ziel zur Vernichtung der Menschheit einen gewaltigen Schritt näher gekommen.

Eric Nylund wird als Fantasy-Preisträger im Anhang des Buches genannt. Stellenweise liest sich sein Stil holperig und hölzern, dann streckenweise wieder spannend. Insbesondere fallen Satzkonstruktionen auf, in denen drei oder mehr Sätze direkt hintereinander mit "Er hatte dies … Er machte das … Er tat dies …. beginnen. Das muss nicht sein. Ob der "Slipstream" von Nylund benannt wurde oder ein Produkt der deutschen Übersetzung ist, weiß ich nicht. Im Spiel heißt er zumindest "Hyperraum".

Nylund bleibt dicht an der Spielvorgabe und beschreibt die stufenweise Entwicklung der MJOLNIR-Kampfpanzerung und all den anderen technischen Schmankerln der HALO-Spielreihe sehr eindrucksvoll. Nur einmal unterläuft ihm der Fehler, den Grunts Plasmagewehre in die Hand zu legen (die kleinen Kerle, die in der deutschen Synchronisation mit Chipmunksprache reden, tragen nur Plasmapistole und Nadelpistolen). Kleinere Mängel bei der militärischen Rangordnung finden sich im Text wieder. Ein Chief Petty Officer wird dort über einen Lieutenant gestellt. Ebenso ist der Rang von John-117 "Master Chief Petty Officer", während der von Avery Johnson "Sergeant Major" ist. Damit steht Johnson in der Rangfolge über dem Chief, was in den Spielen auch deutlich zur Geltung kommt. In Nylunds Roman salutiert Johnson jedoch vor John und redet ihn mit "Sir" an. An der Stelle wird es etwas unstimmig, tut der insgesamt spannenden Story jedoch keinen Abbruch.

Die deutsche Ausgabe umfasst 385 Seiten und ist sehr eng gesetzt. Als Heyne-Jumbo-Paperback wäre sie sicherlich auf 500 Seiten gesetzt worden.

 

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