Lass ihn doch gleich ganz raus, Herr Ringo!


Es begab sich zu einer Zeit, da Außerirdische die Menschheit vor einer großen Gefahr warnten und sie um Hilfe baten. Im Gegenzug lieferten sie ihnen Unterstützung in Form von hoher Technologie.

So geschehen im Auftaktband "Der Aufmarsch" von John Ringos Military-SF-Serie "Invasion."

Der Held hieß in dem Roman Mike O’Neal. Während Mike O’Neal im zweiten Roman "Der Angriff" weiß Gott wo herumschwirrte, waren die Helden des gleichen gänzlich andere.

Aber auch im dritten Buch, dem 776 Seiten-Wälzer "Der Gegenschlag" tritt O’Neal nur als Randfigur in wenigen Kapiteln auf. Die wahren Helden sind Col. Mitchell und die Crew eines mobilen Geschützes; Major Ryan und die Überlebenden aus einer unterirdischen Großstadt, namentlich Wendy und Anne.

Die Verpackung von "Der Gegenschlag" verspricht diesmal Dinge, die überhaupt nicht im Buch vorkommen. Dafür müssten eigentlich ein paar Köpfe rollen. Fangen wir beim Titel an. Das Original heißt "When the devil dances". Treffend. Von einem "Gegenschlag" ist im ganzen Buch überhaupt keine Rede. Ebenso irritierend ist der Klappentext, laut dem die Menschen sich endlich auf einen alles entscheidenden Gegenschlag vorzubereiten. Mumpitz. Es gibt keinen Gegenschlag. Ebenso irreführend ist das Cover selbst. Raumschiffe kommen in dem Roman überhaupt nicht vor, denn er spielt komplett auf der Erde.

Worum geht es also wirklich? Fünf Jahre nach der Posleen Invasion sind von den sechs Milliarden Menschen auf der Erde nur noch wenige Millionen übrig geblieben. Und Gott schütze die Amerikaner, weil das Buch ja auch von einem amerikanischen Autor geschrieben wurde, konzentriert sich das Gros der Überlebenden in Nordamerika.

Die ganzen 776 Seiten lang geht es um den Angriff der zentauroiden Posleen auf eine befestigte Stadt in North Carolina und um die Einnahme eines Versorgungspasses respektive die verzweifelte Verteidigung der beiden durch die Menschen. Da Posleen im Grunde dumm sind und alle nur dem Leithammel hinterher laufen, der aber auch dumm ist, sind sie zu taktischen Überlegungen und Luftangriffen nicht in der Lage. Posleen können mit ihren Raumfahrzeugen nur an einem Punkt landen und dann ausschwärmen.

Doch diesmal scheint es anders zu laufen. Ein unaussprechlicher Posleen scheint so etwas wie Intelligenz entwickelt zu haben und trägt seinen Untertanen auf, sich geschickter zu verhalten. Posleen organisieren sich. Sie laufen Patrouille. Sie greifen mit ihren Flugscheiben an. Sie ziehen sich zurück. Sie warten ab. Sie sind plötzlich in der Lage Flüsse zu überqueren, an deren gesprengten Brücken sie vorher gescheitert sind.

Ringo erzählt die Geschichte fast schon episodenhaft aus der Sichtweise diverser Protagonisten. Da wäre zum einen Major William Mitchell, der später zum Colonel befördert wird. Er ist Kommandant der neuesten technischen Errungenschaft der Menschen: Eines SheVa-Geschützes, einem 7.000 Tonnen Geschützkolosses, der vornehmlich konstruiert wurde, um feindliche Landungsschiffe vom Himmel zu pusten. Bei der Verteidigung erleben Mitchell und seine dreiköpfige Besatzung so einiges mit und müssen mehr als einmal improvisieren und gegen die Vorschriften verstoßen.

Zum anderen geht es um Major Ryan, einem Pioneer, der bereits im zweiten Teil mitspielte. Während er noch anfangs Artillerie-Unterstützung für Mosovich liefert, ist er nach der Detonation eines anderes SheVa Geschützes zusammen mit einem weiblichen Specialist auf der Flucht vor den Posleen und trifft irgendwann mit Mitchell zusammen.

Dann haben wir da noch Sgt. Maj. Jake Mosovich und seinen Sidekick Master Sgt. Mueller, die bereits in den beiden Vorbänden mitspielten und den Rest einer ehemaligen Special Forces Einheit darstellen. Die beiden sind auf einigen Erkundungstouren unterwegs und treffen zufällig auf der Farm von Papa O’Neal (Mike O’Neals Vater) auf dessen Tochter Cally sowie Wendy Cummings, ihrer Freundin Shari und Captain Anne Elgars aus dem nahegelegenen SubUrb.

Bei den SubUrbs handelt es sich um gewaltige unterirdische Städte, die Millionen von Menschen beherbergen. Konstruiert wurden sie von den Außerirdischen als Verteidigungsmaßnahme gegen die Posleen. So gelang es einem Teil der amerikanischen Bevölkerung die Invasionswellen der Posleen zu überleben.

Als die Urb von den Posleen überrannt wird, müssen Wendy, Anne und Shari mit einer Handvoll Kinder fliehen. Dabei machen sie eine interessante Entdeckung, denn es gibt innerhalb der Urb einen gesicherten Bereich zu dem nur Anne Elgars Zutritt hat. Hier versteckt sich ein Alien-Labor, das Menschen heilen kann, indem es die Körperzellen komplett erneuert und ausgelöschte Bewusstseine durch die anderer Menschen ersetzt. Anne Elgars war teil dieses Experiment und wurde, nachdem sie fast gestorben war, mit den Bewusstseinsinformationen der toten Scharfschützin Ellesworthy (die im ersten Roman starb) und noch einigen anderen Bewusstseinsinhalten gefüttert.

Und was macht Mike O’Neal in der Zwischenzeit? Er bereitet sich mit seinen GKA-Truppen auf einen großen Einsatz vor. Der aber im gesamten Buch nicht mehr stattfindet.

Der Roman erweckt den Eindruck, dass er nur deswegen geschrieben wurde, um John Ringos Kriegserlebnisse zu verarbeiten. Die Tatsache, dass es ein SF-Roman ist, ist eher von untergeordneter Bedeutung. Hirnlose Aliens lassen sich besser zu Millionen abschlachten, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Dennoch ist "Der Gegenschlag" gut zu lesen, kurzweilig und spannend – wer diese Art der Landser-Literatur mag. Mehr SF als Military hätten dem Werk an sich aber auch gut getan.

Wie in den Vorbänden gibt es auch ein Nachwort des Übersetzers Heinz Zwack, der sich dafür entschuldigt, dass er sich mit amerikanischen Militärbezeichnungen nicht so gut auskenne und hier um Nachsicht oder Verbesserungsvorschläge bittet. Dabei macht er seine Sache gerade in Bezug auf das Militär eigentlich recht gut, sollte sich aber vielmehr überlegen, ob er nicht die Übersetzungen gängiger Sachen etwas vernachlässigt.

Mehrmals im Text erscheint die amerikanische Floskel "We have a situation", die von Zwack eins zu eins als "Wir haben eine Situation" übersetzt wurde. Haben Sie jemals jemanden so auf Deutsch reden hören? Ich nicht.

Und ein PDA ist ein Persönlicher Digitaler Assistent. DER Assistent, nicht DAS. DER PDA, nicht das.
Das sind nur zwei Beispiele von etlichen, bei denen die Übersetzung etwas aus dem Ruder gelaufen ist.

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