Eschbach nehmen und lesen?

Ja, geht immer noch. Das beweist auch der 2003 erschienene Roman „Exponentialdrift“, der in experimenteller Form zunächst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen ist.

Durch einen günstigen Ebook-Download (EUR 3,99 gegenüber 6,99 der TB-Version) bin ich nun in den Genuss dieses Kurzromans gekommen.

Die Handlung dreht sich um einen jungen Mann, der die letzten vier Jahre im Wachkoma verbracht hat und plötzlich zurückkehrt. Er ist nicht nur verwirrt, sondern kann sich auch an nichts erinnern. Nicht an seinen Namen, sein Leben, seine Frau. Doch je mehr er von anderen über sein früheres Leben erfährt, desto sicher wird er, dass er nicht derjenige ist, für den ihn die anderen halten. Er zieht Parallelen zu ähnlichen Fällen und ist bald fest davon überzeugt, ein Außerirdischer zu sein, dessen Bewusstsein sich im Leib eines sterbenden Menschen eingenistet hat.

„Exponentialdrift“ startete in der Sonntagsausgabe der FASZ als Experiment. Statt eine fertige Story zu haben, schrieb Andreas Eschbach die einzelnen Kapitel, während die Geschichte noch veröffentlicht wurde. Der Bastei Verlag hat im Anschluss den Roman als Taschenbuch veröffentlicht, inklusive eines ausführlichen Werkstattberichts.

Trotz des eigenwilligen Stils und der damit verbundenen Fehler (manche Lektoren sollten gesteinigt und gevierteilt und anschließend geviertelt und zu Reparaturzahlungen genötigt werden) verzeiht man Eschbach dann beim Lesen das eine oder andere Augenrollen, denn eines weiß dieser Mann: Zu unterhalten. Und zu packen.

Wie seine anderen Romane auch liest sich Exponentialdrift flott weg. Nach jedem Kapitel will man einfach mehr lesen. Und mehr.

Schade eigentlich, dass das Experiment zu früh endete und es in der TB-Version nicht zu einem Extended Cut gekommen ist. Die Story hört überraschend schnell und abrupt auf und geht direkt in den Werkstattbericht über. Ich war schon überrascht, als ich im E-Reader die nächste Seite umblätterte, in dem Gedanken, ich habe ja noch 40 Seiten Story vor mir, und dann das Wort ENDE lesen musste. Hoppala.

Vielleicht packt Eschbach das Thema ja noch einmal an und bringt irgendwann eine Fortsetzung?

Für Eschbachfans gab es ein Wiedersehen mit Peter Eisenhardt. Nur eingefleischte Leser, wissen wer das ist. Eisenhardt ist eine Romanfigur aus Eschbachs „Jesus Video“ und stellt einen deutschen SF-Autor dar, der bei der Analyse der Zeitreisestory im Jesus-Video-Roman mit half. In Exponentialdrift tritt er ebenfalls wieder als SF-Autor auf.

 

Andreas Eschbach - Exponentialdrift

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