Weltbild vs. Amazon – muss sich der amerikanische Riese fürchten?

Meine Kurzantwort: Schmarrn.

Der Hintergrund: Die Financial Times Deutschland berichtete gestern online über den weiteren Vorstoß von Weltbild in den Ebook Markt. Am heutigen Donnerstag bringe Weltbild einen neuen E-Reader heraus, in der Version 3.0. Der Clou an dem Gerät soll der günstige  Preis sein: Nur 59,95 kostet er und ist damit sogar 40 Euro günstiger als der neue Kindle, der am 12. Oktober über die virtuellen Ladentheken Amazons geht.

Wenn es nach dem Artikel der Finanical Times geht, werden viele Leser jetzt an ein Schnäppchen denken, doch Vorsicht, hier will man euch ein X für ein U verkaufen (ihr könnt die Buchstaben selbstverständlich beliebig austauschen). Denn bei Weltbild steht als Lesegerät ein TrekStor Gerät zum Verkauf, das zwar in der Lage ist, Leseinhalte darzustellen, aber von einem E-Reader so weit entfernt ist, wie ein Planet von einem Stern.

Der TrekStor im 7″ Format ist ein Zwittergerät, weder Fisch, noch Fleisch. Als Tablet taugt es wegen beschränkter Anwendungsmögichkeiten nicht, als E-Reader nicht, da er ein hintergrundbeleuchtetes Display hat. Spätestens seit Einführung von SiPix Displays und allerspätestens seit den ersten E-Ink Panels weiß ein jeder, worauf es bei einem Gerät geht, das zum Lesen elektronischer Literatur geeignet ist. Ein hintergrundbeleuchtetes LCD Display gehört jedenfalls nicht dazu, weswegen Apple mit seinem iBookStore auch kein ernstzunehmender Konkurrent für Amazon ist. Da helfen die besten Blätteranimationen zum Seitenumschlagen der LeseApp nicht: Bildschirm bleibt Bildschirm – und das wiederum bedeutet: ermüdendes, stressiges, im schlimmsten Fall sogar Augenlicht schädigendes Lesen.

Viele von uns arbeiten beruflich den ganzen Tag am Bildschirm und erleiden Reizüberflutungen durch das konzentrierte Starren in Gegenlicht. Rasche Ermattung und Kopfschmerzen sind die Folge. Das Letzte, das man dann will, ist noch seine Abendlektüre wiederum auf einem Bildschirm zu lesen.

Und genau das schwebt Weltbild vor. Da kann man seinen Käufern das Gerät sogar schenken, es wäre immer noch kein Schnapp, denn ein Lesevergnügen darf hier ganz offen angezweifelt werden. Eine Lesequal ist eher die Folge.

Wer elektronische Literatur konsumieren will, ist mit einem E-Ink Display, dazu noch mit dem Pearl Display, wie es die aktuellen Sony Reader oder auch die Kindles bieten, allerbestens bedient und kann hier das Lesen wirklich genießen, da es fast so gut ist, wie in einem Buch, das auf Umweltpapier gedruckt wurde (wie die meiste U-Literatur).

E-Reader sorgen für gestochen scharfe und kontraststarke Schrift (bei E-Ink Panels der Pearl Generation, das Bild von SiPix Displays ist da eher grau und kontrastarm, also Finger vom Thalia Oyo, das hat keinen Nährwert!)

Hinzu kommt, dass ein E-Ink-Lesegerät kaum Strom braucht. Energie fließt nur beim Löschen und Wiederaufbau einer Seite, sprich beim Blättern. Und natürlich beim Hoch- und Runterfahren des Gerätes. Ein LCD-Gerät wie der TrekStor benötigt Energie für den Betrieb des Displays mit jeder Lesesekunde. Mal ganz abgesehen, dass euch der Kopf schon nach ein- oder zwei Stunden wie wild rauchen wird, einen längeren Lesemarathon von einigen Stunden, wird man hier ohne Ladekabel und entsprechender Netzbuchse nicht durchstehen, da irgendwann der Akku schwächelt.

Liebes Weltbild, behaltet euren Reader. Allein schon das Anbieten eines LCD Displays mit Hintergrundbeleuchtung zum alleinigen Lesezweck ist in meinen Augen grobe Körperverletzung.

Liebe Financial Times, bitte genauer recherchieren. Danke.

Ein Kommentar zu “Weltbild vs. Amazon – muss sich der amerikanische Riese fürchten?

  1. Hallo erstmal.

    Meiner Meinung nach ist Weltbild am Ende. Ich habe dort selbst gearbeitet und überwiegend negative Erfahrungen gemacht. Ich will das Unternehmen nicht schlechter machen als es ist, aber die von mir festgestellten Mängel sind dermaßen gravierend, dass ich mich einfach dazu verpflichtet fühle, sie aufzuzeigen.

    Weltbild ernährt sich von Leiharbeitern, die für ein minimales Gehalt die Arbeiten von fest angestellten Mitarbeitern erledigen. Teilweise sind das sehr anspruchs- und verantwortungsvolle Tätigkeiten. Die Leute werden meist unzureichend angelernt und produzieren dadurch hausgemachte Fehler, die in zeit- und kräfteraubenden Prozessen wieder korrigiert werden müssen. Hinzu kommt die fehlende Motivation der Arbeiter durch die Unsicherheit des Arbeitsplatzes (heute hier, morgen weg) sowie die ungenügende Bezahlung. Ein Großteil der Leiharbeiter finanziert sich über Nebenjobs, was wiederum eine hohe Krankheitsrate bzw. Übermüdung zur Folge hat. Weltbild versucht momentan, diesen Misstand zu kompensieren, indem im diesjährigen Weihnachtsgeschäft überdurchschnittliche Bruttolöhne an die Leiharbeiter bezahlt werden, und doch wollen weniger Menschen als je zuvor dort arbeiten, was wohl am schlechten Ruf liegt, den sich das Unternehmen über die Jahre in Leiharbeiterkreisen erworben hat. So schnell wie man eingestellt wird, wird man auch wieder entlassen, meistens kurzfristig und ohne Begründung.

    Auch scheint das Auftragsvolumen der Firma Weltbild gegenüber dem Vorjahr weit geringer. Der Wegfall der Nachtschicht in dieser Saison zeigt dies deutlich. Dies liegt mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass die amerikanische Firma Amazon sich am Standort Graben bei Augsburg angesiedelt hat. Was die Beliebtheit bei Kunden angeht, hat Amazon definitiv den höheren Status. Als jemand, der bei beiden Unternehmen schon Ware als Privatkunde bestellt hat, kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, was Lieferzeiten und Qualität angeht, da kann Weltbild mit Amazon einfach nicht mithalten.

    Weltbild wird sich etwas einfallen lassen müssen, wenn das Unternehmen weiterhin am Markt bestehen will. Billigen Ramsch zu verhökern wie den eReader 3.0 ist sicher keine Lösung, sondern wird die Talfahrt nur noch beschleunigen. Die Firma wird sich in Zukunft auf Nischen spezialisieren müssen, denn auf dem Breitenmarkt hat sie keine Chance gegen den Riesen aus Amerika.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Andreas Kragler

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