Und es ist … ein Kindle! Amazon bringt die Touch Edition nach Deutschland

Mein lieber Herr Gesangsverein, my dear Mister singing club,

da staunte ich nicht schlecht, als ich heute Morgen eine Mail von Sascha Hausberg las, der direkt aus dem Keramikstudio  schrieb, wie geil doch der Kindle Touch wäre. Da ich bereits auf dem Weg zur Arbeit war, kam ich nicht dazu, selbst nachzuschauen, also rief ich ihn von unterwegs kurz an. Der Touch? Wie kommt er denn darauf?

Na, ich als Geek  müsste das doch wissen.

Nee, ich wusste nichts, bis heute Morgen zumindest. Über Nacht hat Amazon seine Startseite auf den neuesten Stand gebracht und stellt die beiden neuen Mitglieder der Kindle Familie, den Kindle Touch sowie den Touch 3G vor, die bereits seit dem Marktstart des neuen Kindle in USA zu haben sind.

Gegenüber dem normalen Kindle kosten beide Touch-Versionen etwas mehr. 129 Euro soll der WiFi-Bruder wert sein, die 3G-Galoppe für 189 Euro.

Allerdings nicht passend zum Ostergeschäft, das hat Amazon mal gründlich verbaselt, denn die neuen Geräte gibts erst ab dem 27.04.2012. Das scheint dem Bestellwahn der Ebook-hungrigen allerdings keinen Abbruch zu tun, denn sowohl der Touch als auch der Touch 3G belegen seit heute die Plätze 2 und 3 der meistverkauften Amazon-Artikel und haben mal eben die drei Samsung Smartphones S5230, Galaxy Ace und Galaxy S II abgehängt, die seit Monaten auf diesen Plätzen rangieren. Gekrönter Spitzenreiter bleibt weiterhin der herkömmliche Kindle.

Nun werdet ihr euch fragen, ob die 30 Euro mehr Investition sich lohnen, wenn man noch keinen Kindle hat. Und sicherlich werden sich jene, die bereits einen Kindle Keyboard oder einen Kindle besitzen, fragen, ob sie vielleicht auf den Touch umsteigen sollen.

Schauen wird uns die Geräte mal an. Was sind die nennenswerten Vorteile des Touch gegenüber dem normalen Kindle.

Nein, nicht der Touchscreen, wie viele jetzt denken werden, denn der ist wirklich nicht der Rede wert. Überlegt doch einmal: Ihr habt ein reflexionsarmes Display. Da die Erfindung von reflexionsarmem Glas noch nicht ausgereift ist, kommt das Kindledisplay ohne Glasplatte daher. Ohne Glasplatte arbeitet das Display nicht kapazitiv, sondern über ein Infrarotfeldgitternetz. Die Technologie dahinter ist wirklich was Feines und auf jeden Fall dem resistiven Display vorzuziehen, allerdings streicht ihr, wie gesagt, mit dem Finger nicht über Glas, sondern über eine spürbar leicht angeraute Fläche. Das Hautfett der Fingerkuppen zeigt sich nicht sofort auf diesem Display, aber je öfter ihr über dieselbe Stelle streicht (beim Blättern, und das werdet ihr, glaubt mir) desto mehr nutzt sich das Display an dieser Stelle ab. Ihr habt alsbald eine sichtbar glattere Stelle dort wo ihr häuftig mit dem Finger drüber streicht. Ähnlich wie glänzende, abgenutzte Tasten auf euren Computerkeyboards. Bei einer Glasscheibe passiert sowas nicht, aber Glas reflektiert das Licht enorm, sodass es die Funktion eines E-Readers, der bei Sonnenlicht lesbar sein soll, ad absurdum führen würde.

Also, Touch bei einem E-Reader ist derzeit eher ein K.O.Kriterium, denn ein Must-Have.

Welche Vorteile bietet der Touch nun gegenüber dem Kindle?

Statt dem Touch zu unterstellen, kleiner und leichter zu sein, enttäuscht er hier eher durch das Gegenteil. Amazon gibt das Gewicht des Touch mit 213 Gramm in der WiFi Variante an. Der Bruder wiegt allerdings nur 170 Gramm und scheint auch ein paar Millimeter kleiner im Gehäusebau zu sein, obwohl hier noch zusätzlich die Navigationstasten verbaut sind.

Klarer Vorteil ist die Akkulaufzeit sowie die Speicherkapazität des neuen Touch. Die Energiezelle soll bis zu 2 Monaten nach kompletter Aufladung halten, während der Kindle „nur“ einen Monat durchhält. Aber ich bitte euch, macht das wirklich _den_ Unterschied, wenn euer Gerät einmal im Monat an die Ladebuchse muss?

Speichermäßig wartet der Touch mit sagenhaften 4 GB auf, wovon 3 GB für den Leser nutzbar sind. Bei einer angenommenen Durchschnittsgröße von etwas unter einem MB pro Kindlebook kann man also locker 3.000 Bücher auf das Gerät schaufeln, während auf den herkömmlichen Kindle „nur“ etwa 1.200 Bücher passen (bei 2 GB Speicher, von denen 1,25 nutzbar sind). Waaaaahnsinn, was? Ach kommt, wer in Gottes Namen liest 1.200 Bücher auf dem Gerät, Geschweige denn 3.000? Eher erleidet der E-Reader den Tod durch elektronische Altersschwäche und wird durch ein neues, viel besseres Gerät ersetzt. Und selbst wenn jemand Lesen zu seinem Hauptberuf macht und tatsächlich in der Lage ist, soviel Stoff zu konsumieren, man kann gelesene Bücher ja auch vom Gerät löschen. Einmal bei Amazon gekauft, bleiben sie in deren Cloud weiterhin verfügbar, oder man hinterlegt die Kopien einfach auf einem PC, Mac, Androiden seiner Wahl.

Angesichts der zweifelhaften Vorteile lohnt ein Umstieg nicht, und Neueinsteiger können sich die 30 Euro sparen und zum bewährten Kindle greifen, denn der wiegt immerhin weniger und liegt sehr gut in der Hand.

Was nun? Jetzt fehlt eigentlich Jeff Bezos Ankündigung, wann der Kindle Fire nach Deutschland kommt. Die Frage hierbei ist nur, ob wir das ausgemusterte 7″ Modell bekommen oder bereits mit dem Tegra 3-10-Zöller versorgt werden. Bis Herbst wird es sicherlich noch dauern.

2 Kommentare zu „Und es ist … ein Kindle! Amazon bringt die Touch Edition nach Deutschland

  1. Der Kindle Touch macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Das neue Touchscreen erleichtert erheblich die Bedienung. Schade ist nur das es auch in den neuen Modell imm noch kein Steckplatz für eine SD-Karte gibt und somit der Speicher auf 4GB beschränkt ist.

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  2. Der Kindle Touch an sich ist ja noch nicht so aufregend. Richtig spannend wird es erst, wenn der angesprochene Kindle Fire endlich nach Deutschland kommt. Ich kenne das Gerät von einem amerikanischen Kollegen, und es ist wirklich toll.
    Vor allem der Preis macht es super attraktiv gegenüber dem Apple iPad.
    LG, Günter Hier

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