Microsoft Windows 8.1 und die Tablets

Sie schießen aus den Böden wie Pilze aus der Erde: Windows-Tablets mit 8″ Displaygröße und vollwertigem Windows 8.1 an Bord.

Dell mit dem Venue 8 Pro, Toshiba mit dem Encore, Lenovo mit dem MIIX und demnächst auch ASUS. Preislich liegen die Geräte zwischen 250 und 350 Euro. Für Windows-Devices schon fast ein schnapp, denn mit einem vollwertigem Windows 8.1 zahlt man ja auch gleich die Redmonder Lizenz mit. Erstaunlich, dass die Hersteller dann auch noch eine Vollversion von Microsoft Office 365 Home & Student Edition drauflegen können.

Zum Vergleich: ein vergleichbares Android Tablet wie z.B. das LG G Pad 8.3 (die meisten Androiden kommen leider nur in 7″ daher) liegt bei 299 Euro, bei einem lizenzfreien Betriebssystem, ohne den Klassiker unter den Office-Anwendungen.

Bei Windows 8 schlackern ja vielen Leuten die Ohren, und ich versuche gerade jene zu beruhigen, die gerade dabei sind, sich einen neuen  Rechner zu kaufen, die aber partout nichts mit der Modern UI (Kacheloptik) zu tun haben wollen.

Wie sieht es aber mit Windows Tablets aus?

Wie in einem anderen Artikel erwähnt, halte ich 8″ für einen optimalen Formfaktor. Fasst mehr Inhalt als ein 7″ Gerät und lässt sich immer noch gut mit sich führen. Spaßeshalber habe ich mir das Dell Venue 8 Pro bestellt. Ein echter Knaller war hier natürlich der Preis, der mit 249 Euro bei Notebooksbilliger noch 20 Euro unter der UVP von Dell liegt. Mit Versandkosten und je nach Zahlvariante hat man den Preisvorteil aber schnell wieder verspielt. Allerdings verlangt Dell selbst auf  seiner 269 Euro noch einmal unverschämt inflationäre 25 Euro an Versandkosten, wo der Spaß definitiv aufhört.

Kehren wir zur optimalen Displaygröße zurück: Das Dell Venue 8 Pro wäre ein schönes Android Tablet. Griffige Rückseite, schöner IPS-Bildschirm, schnelle Reaktionen, Micro-SD-Kartenslot. Android? Aber wir waren doch bei Windows. Stimmt ja.

Windows 8.1 auf einem 8″ Display bei einer Auflösung von 1280 x 800 Pixeln ist mehr als eine Qual. Im Desktop-Modus zu arbeiten ist quasi unmöglich, selbst bei vergrößert eingestellter Schrift und Icons. Auf der Modern-UI bewegt man sich einigermaßen gut, solange es die Inhalte der Kacheln mitmachen. Zwar lassen sich Texte im hauseigenen Mailprogramm mit Pinch-to-zoom vergrößern, bei Anzeigetexten im Windows Store geht das allerdings nicht und schon fängt man wieder an, mit der Lupe zu hantieren oder stellt die Lesebrille in Frage.

iOS und Android bieten hier echte, angepasste Betriebssysteme, die auf allen Bildschirmgrößen nahezu gleich gut aussehen und gleich leicht zu bedienen sind. Diesen Komfort sucht man bei Windows 8 vergeblich.

Während ich auf einem Laptop die Modern UI komplett umgehe und ausschließlich auf dem Desktop wie unter Windows 7 arbeite, hat man bei einem kleineren als 10″ Display kaum eine Chance außer dem Hintergrundbild etwas nennenswertes zu erkennen – da der Windows Desktop alles andere als touch-optimiert ist, kommt man auch mit den Wurstfingern nicht sehr weit und sehnt sich zumindest eine Maus herbei.

Viele Anwendungen gehen allerdings ein Wechselspiel mit Modern UI und Desktop ein. Standardprogramme wie Foto, Movie etc. starten als Kacheln, auch wenn man auf der Desktopebene eine Bilddatei  direkt aus dem Windows Dateimanager geöffnet hat. Andere Programme funktionieren nicht als Kacheln. Wie Google Chrome. Zwar lässt sich der Browser so einrichten, dass er auf der Modern UI Ebene operiert, aber anders als der Internetexplorer ist er in der Windows-Variante ebensowenig auf eine Touchbedienung ausgerichtet, wie manch andere Windows-Programme.

Die Office Suite nutzt einem auf einem 8″ Display also auch herzlich wenig. Da bliebe nur das Gerät an einen externen Monitor anzuschließen, am besten gleich mit Bluetooth Tastatur und Maus oder alternativ über einen Plugable-Verteiler. Nur wenn ich das alles noch als Zubehör zusätzlich anschaffe, kann ich mir auch gleich ein vollwertiges Notebook oder ein Convertible wie z.B. den ASUS Transformer T100 zulegen.

Das Toshiba Encore besitzt zwar einen HDMI-Anschluss, doch auch hier gilt: Was will ich eigentlich? Ein Tablet oder etwas, das ich an einen großen Bildschirm anschließen kann?

Der sinnenbefreite Mix aus halb gewollt und gar nicht gekonnt schlägt hier mit voller  Wucht aus Redmond ein: Der Desktop von Windows 8 taugt als etwas schlechterer Desktop-Ersatz von Windows 7. Die Modern-UI taugt allenfalls was für touch-konzipierte Spiele (dafür brauche ich aber kein Windows, die bekomme ich bei Google und Apple wie Sand am Meer, Sterne am Himmel, Seelen im Universum, whatsoever), aber nicht, um produktiv damit zu arbeiten – und auf einem Display das kleiner als 10″ ist schon gar nicht.

Ein Windows 8 Phone wäre hier etwas hilfreicher gewesen, zumindest mit diesem lässt sich einigermaßen im Kachellook kommunizieren, auch wenn das angesichts der beiden oben genannten Rivalen weder das Gelbe vom Ei noch der Komfort, den man sich wünscht, darstellt.

Fazit: Lasst die Finger von den 250 – 350 Euro Angeboten der Windows 8 Tablets im 8″ Format. Der Ärger ist hier größer als der Nutzen.

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