Neues Smartphone in 2014? Eher nicht!

Die CES in Las Vegas ist vorbei. Zwar folgt noch der Mobile Word Congress in Barcelone und im Herbst die IFA, aber offenbar lässt sich für mich jetzt schon absehen, dass 2014 nicht wirklich ein neues Smartphone-Jahr werden wird.

Warum? Klar hauen die Firmen ihre Geräte raus und bringen immer wieder was Neues auf den Markt. Dass es dabei auch mit sehr guten fast High-End-Geräten zu schlanken Preisen geht haben LG mit dem Nexus 4 und 5 und Motorola mit dem Moto G bewiesen.

Die Top-Ligisten mit ihren Flaggschiffen scheinen jedoch dieses Jahr nur auf ein Merkmal zu setzen: Size does matter! Größeres Display, schnellerer Prozessor, mehr Arbeitsspeicher und höher auflösende MPixel bei der verbauten Kamera.

Nur mit Größe zu klotzen ist aber kein ernsthaftes Kaufargument, um ein „veraltetes“ Smartphone aus dem letzten Jahr auszurangieren und gegen ein brandneues Gerät einzutauschen, bei dem in der Regel ja noch einmal kräftig investiert werden muss.

Was hier als echter Kaufanreiz fehlt, sind die Innovationen und die scheinen sich für 2014 erst einmal nicht abzuzeichnen. Sollte Samsung wider Erwarten doch noch einen funktionsfähigen Retina-Scanner ins Galaxy S5 einbauen, dann habe ich nichts gesagt, allerdings wage ich eher zu bezweifeln, dass die das mal eben aus dem Boden stampfen. Ansonsten bleibt nur: The bigger the better – und neue Smartphones 2014 bestechen weder durch originelle Designs noch durch innovative Features.

Letztes Jahr war dies anders. Und das blieb nicht an Samsung hängen, denn Samsung hat meiner Meinung nach mit dem S4 eher versagt. Trotz der verbauten neuen Sensoren brachten diese doch selten einen echten Nutzwert. Ein Blick aufs Smartphone um die Umgebungstemperatur „mal eben“ zu messen? Pustekuchen. Temperatursensor hin oder her, so einfach ist das nicht. Designtechnisch hob sich das S4 kaum vom S3 ab. Wer dieses hat, brauchte das S4 nicht wirklich.

Innovativ waren da eher die Kandidaten aus Cupertino und die koreanischen Kollegen von LG sowie die Fernostnachbarn in Taiwan.

Mit dem iPhone 5S brachte Apple die Touch-ID als Sicherheits- und Identifizierungsmerkmal heraus. Auch wenn Verschwörungstheortiker und Der-Presse-alles-Glauber jetzt die Augen verdrehen und sofort NSA-Skandale wittern, der Fingerabdruckscan ist ein echter Mehrwert für das iPhone. Mit einem Tastendruck ist das Gerät entsperrt, ohne noch einmal umständlich einen Code oder ein Muster einzugeben, ohne überhaupt noch einmal zusätzlich ein „Slide-to-Unlock“ anzuwenden. Es ist aus dem gesicherten Zustand entsperrt und basta.

Ich weiß nicht, ab wann Apple so gut verstehen gelernt hat, aber die Spracherkennung in Verbindung mit der Diktierfunktion aus allen Apps heraus ist mehr als hervorragend. Display zu klein zum Tippen. Keine Hand frei zum Tippen. Mal eben schnell eine Mail diktieren oder eine SMS oder eine WhatsApp oder einen Tweet – kein Problem, denn iOS versteht und interpretiert auch Satzzeichen richtig. Die Trefferquote beim Diktat ist bemerkenswert und kommt ohne Dragon Natural Speaking aus.

Im Gegensatz dazu müssen Androiden klein beigeben. Zwar ist auch hier eine ordentliche Trefferquote beim Google-eigenen-Sprachdienst gegeben (S Voice von Samsung ist hier noch stark lernbedürftig), allerdings versteht kein Google-Gerät Satzzeichen. Spricht man „Fragenzeichen“ oder „Punkt“ werden diese Wörter beim Diktat ausgeschrieben. So wird das nichts. Sechs, setzen!

LG hat mit dem LG G2 ordentlich gepunktet. Ein 5,2″ Display in einem Gehäuse verbaut, dass sich kaum von Geräten mit 4,7″ Display unterscheidet. Bravo!

Dazu punktet LG mit einem 3000mAh-Akku im G2 der wirklich sagenhaft lange hält. Selbst bei intensiver Nutzung bringt er den User nicht nur „über den Tag“, sondern mindestens über 2 Tage.

Doch damit nicht genug. Als erster Smartphone-Hersteller wagt LG einen entscheidenden Schritt: Ein- und Ausschalter sowie Lautstärkewippe werden auf die Rückseite des Gerätes verbannt. Ungewöhnlich aber effektiver als mancher sich vorzustellen vermag. Nur Nachahmer seien gleich gewarnt: Diese Maßnahme funktionierte nur gepaart mit einem weiteren innovativen Feature: Dem Knock-Knock (jetzt nur noch Knock). Ein zweimaliges Antippen des Displays bewirkt, dass sich das G2 ein- und auch wieder ausschaltet. Hervorragend, wenn man das Gerät auf dem Tisch liegen hat und nur mal kurz einen Blick auf Uhrzeit oder eingegangene E-Mails werfen will, ohne das Handy aufzuheben und umständlich auf der Rückseite den Powerbutton zu drücken.

Bravo, LG! Nun könnte man auch den Bildstabilisator der 13 MP Kamera noch als schöne Neuerung nennen, wenn denn die Kamera wirklich so gut wäre – aber sorry, nach Korea. Das iPhone 5S macht deutlich … d e u t l i c h   bessere Fotos als das G2, das muss auch mal gesagt werden.

Werfen wir noch einen Blick nach Taiwan zur High Tech Corporation, kurz HTC. Mit dem HTC One haben die Mädels und Jungs ein sehr feines und edles Gerät herausgebracht, dass sich vom Design nicht vor Apple verstecken muss und von der Wertigkeit sogar das iPhone noch übertrifft. Während so ein iPhone auf dem Tisch einfach nur wirkt wie irgendetwas, was da so rumliegt, beweist das HTC One auch Form und Kurven. Macht echt was her.

Innovativ hier in Sachen Software die Sense 5.0 Oberfläche. Man mosert als Nutzer gerne über die von Herstellern aufgezwungenen angepassten Android-Launcher. HTC hat aber einiges richtig gemacht, und damit meine ich nicht den Blinkfeed, den ich eigentlich nicht genutzt habe. Aber der App-Drawer ist eine Krönung für sich. Ein integriertes Widget zeigt Uhrzeit, Datum und Wetter. Schnellzugriff auf den Play Store. Und die Icons im Drawer sind nach eigenem Gusto frei anzuordnen und können in Ordnern gebündelt werden.

Als ich noch das HTC One besaß, hatte ich auf einer einzigen Screenseite kompletten Zugriff auf alle meine Apps. Sehr schön gelöst von HTC.

Innovation spiegelte sich auch bei der 4 MP Ultrapixelkamera wider. Schöne Bilder, die mal nicht wahnsinnig viel Speicher fressen und trotzdem aussagekräftig sind. Rasche Uploads zur Dropbox oder Google+ garantiert und endlich mal Bilder die bei 100% Darstellung auf einem 1080p-Display nicht den Rahmen des Betrachtbaren sprengen.

Statt in diesen Bereichen weiter zu entwickeln und zu forschen, bringen auch diese Hersteller jetzt erst einmal ein paar Gurkenapparate auf den Markt, die entweder abgespeckte oder aufgebohrte Versionen der Flaggschiff-Geräte darstellen. Mal ganz ehrlich, was soll ich mit einem iPhone 5C, einem HTC One Max, einem HTC One Mini oder einem LG G2 Lite anfangen? Bitte, etwas mehr Seriosität.

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