Hörbücher: Gekürzt oder ungekürzt?

Immer wieder habe ich mich gefragt, wie viel vom Original denn bei einem Hörbuch in gekürzter Fassung fehlen möge. Letztes Jahr war das noch kein Thema, da ich bis August 2013 keine Hörbücher gehört habe, weil …

… ich abends dabei einschlafen würde

… ich beim Autofahren immer Angst hatte, ich würde was verpassen.

Daher kam sowieso nie in Frage Hörbücher auf CD zu kaufen und zu hören. Wie finde ich eine verpasste Stelle wieder?

Nun kam es, dass Norbert Seufert mit letztes Jahr Das Lied von Eis und Feuer im Hörbuch schmackhaft machte. So linste ich das erste Mal bei Audible rein. Letzte Position wird gespeichert, egal auf welchem Gerät man hört, spielt hervorragend über Bluetooth zum Autoradio und wenn man mal was überhört hat, kann man die 30Sec-Zurück-Taste einmal, zweimal oder mehrfach drücken.

Das war mal eine Option.

Da alle Eis und Feuer-Bände ungekürzt erschienen, machte ich mir über die eingangs erwähnte Frage keine Gedanken. Doch auch irgendwann geht der längste Lesestoff aus, und als ich dann neuen Hörstoff suchte, achtete ich bei Audible peinlich darauf, dass dort „ungekürzte Ausgabe“ stand.

Dennoch blieb die Frage, wie viel ist vom Buch noch in einer Kürzung drin?

Ich dachte vielleicht an Füllkapitel, die man weggelassen hatte. Vielleicht eine oder zwei Stunden weniger Erzählzeit?

Pustekuchen. Ich habe mir jüngst bei Audible Sebastian Fitzeks Roman „Passagier 23“ zugelegt und staunte nicht schlecht, dass Audible mittlerweile zwei Versionen anbietet – die gekürzte und die ungekürzte Fassung.

Die Originalversion wird von Simon Jäger in 10 Stunden und ein paar Minuten gesprochen.

Für die geschnittene Fassung braucht Herr Jäger nur noch 5 Stunden.

Noch krasser bei Andreas Eschbachs „Der Jesus Deal“ – im Original sind da locker 23 Stunden Vorlesestoff drin, doch die gekürzte Fassung bringt es auf weniger als ein Drittel. Mit knapp 7 Stunden kommt der Leser aus.

Da frage ich mich, wo bleibt das Lese- bzw. Hörvergnügen, wenn ein Buch dermaßen radikal der Schere zum Opfer fällt?

Kurz in die Runde gefragt, wies mich Oliver Naujoks darauf hin, dass man früher ja auch arg beschnittene Super-8-Filmspulen zu Spielfilmlängen bekommen hat. Wie war das noch, knapp 90 Minuten Star Crash auf zwei 20-Minuten-Spulen zusammengequetscht? Oder 120 Minuten Star Wars auf drei mal 20-Minuten-Spulen reduziert?

Nun, ich bleibe bei ungekürzt. Man will ja auch was von einem Buch haben. Und wenn der Preisunterschied nur einen Euro beträgt oder wie in Eschbachs Fall die ungekürzte Version mit 5,95 Euro sogar wesentlich günstiger als die gekürzte Fassung ist, fällt die Entscheidung sowieso leicht (vorausgesetzt man ist Audible-Abonnent. Nicht Abonnenten zahlen 39,95 bzw. 13,95).

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