Die Zukunft des Smartphone-Designs

Immer perfomantere Prozessoren, mehr Arbeitsspeicher, bessere Kamera – was bieten Smartphones in Zukunft an einem MEHR als nur immer noch ein Update der bisherigen Komponenten zu liefern?

Blickt man Zurück auf die Geschichte der heutigen Smartphones (beginnend mit Apples iPhone in 2007) hat sich auch optisch einiges getan.

Während zuvor Mobiltelefone immer kleiner wurden („Sie machen Sie immer kleiner, und warum? Damit man sie verliert! Damit man sich ein neues kauft!“, Leo Getz in Lethal Weapon III) ist das Display von Smartphones über die Jahre deutlich angewachsen.

Auch wenn einige Menschen jammern, dass ihnen alles zu groß wird, muss man aber auch bedenken, was auf einem Smartphone konsumiert wird. Ganze Webseiten, Bücher, vielleicht sogar die Arbeit mit Tabellen und Texten, das Anschauen von kompletten Spielfilmen und vieles mehr. Viel Inhalt passt nicht auf kleine Bildschirme.

Aus Androiden-Anfängen von 2,7 – 2,8″, dem 3,5″ iPhone wurden dann schon bald die 4″ Größe und später die 5″ Größe überschritten.

Heute bewegen wir uns jenseits der 6″ und es wird gejammert, das sei alles viel zu groß. Oft ist es jedoch nur der Wert auf dem Papier, der die Menschen irritiert. Denn machen wir uns nichts vor: Die Smartphones von heute haben zwar wahnsinnig große Displaygrößen, sind aber im Verhältnis in ihrer Bauweise nicht angewachsen. Neue Technologien ermöglichen es uns, mehr Fläche zum Sehen zu generieren und dafür Überflüssiges wie Seitenränder zu eliminieren.

Zum Vergleich: Das Nexus 6, seinerzeit von Motorola für Google produziert, besaß 2014 eine Bildschirmdiagonale von 6″. Mit seinen äußeren Abmessungen und seiner Dicke ist es aber größer gewesen als ein iPhone Xs Max mit 6,5″ Displaydiagonale oder einem Huawei P30 Pro mit ebenfalls 6,5″.

Selbst das neue Oneplus Pro 7, das von vielen als vieeeel zu groß bezeichnet wird, misst nur 2 Millimeter in der Höhe mehr als das Nexus 6 von 2014, ist in der Breite jedoch um 7 Millimeter schmaler und 1,3 Millimeter dünner – und das mit einer Diagonale von gut 6,67″.

Der Trend, der sich in der Geschichte des Smartphones abzeichnet ist hier klar erkennbar: Wir wollen Display und keine Ränder und keine überflüssigen Knöpfe.

Nachdem Homebuttons & Co verschwunden sind, Fingerabdrucksensoren auf die Rückseite verbannt wurden, kam Samsung 2017 mit einem kleinen Design-Kunststück auf den Markt. Extrem wenig Rand, gerade im oberen und unteren Bereich und viel Display-Fläche. Sicher galt das auch für das bereits 2016 erschienene Mi Mix von Xiaomi, das aber hierzulande nur in Szenekreisen populär wurde, da Xiaomi noch nicht so tief im europäischen Markt verwurzelt war, wie heute.

Apple ging einen ähnlichen weg. Der Displayformfaktor änderte sich vom typischen 16:9 auf ein 18:9 Format und man brachte 2017 das iPhone X als fast randloses Smartphone auf den Markt – musste jedoch Abstriche machen. Statt den Fingerabdrucksensor auf die Rückseite zu legen, entschied man sich in Cupertino für eine neue Sicherheits-Identifikation des Nutzers: Face-ID. Bis heute unerreicht durch andere Geräte, denn nur Face-ID setzt auf eine dreidimensionale Gesichtserkennung. Die Kameras und Infrarotsensoren, die dafür in die Front verbaut werden mussten, nahmen wieder einen Teil des Displays weg, sodass die berühmte Notch (Einkerbung) entstandt.

Mit diesem technischen Dilemma setzte Apple allerdings einen neuen Trend. Fast alle namhaften Hersteller setzten zunächst sehr schnell auf die Notch (bis auf Samsung in den Flaggschiffgeräten, um nicht als Copycat dazustehen). Unter Android ließ sich die Notch zumindest ausblenden, sodass man sie nicht wahrnahm und dennoch rechts und links neben ihr einen Mehrgewinn durch die Anzeige von mehr Informationen bekam.

Da die meisten Hersteller auf die Tiefeninformationen bei der Gesichtserkennung verzichtete, musste man nicht ein großes Kamerasetup installieren – es reichte also quasi eine Selife-Cam auf der Front. Die Technologie ermöglicht es heute, andere Sensoren, wie den Umgebungslicht-Sensor oder den Annäherungssenor unter das Display zu bringen, sodass der Nutzer ihn gar nicht sieht.

Voilà, geboren war die Tropfennotch. Wieder mehr Display für den Anwender, dafür weniger Sicherheit bei einer Entsperrung per Gesichtserkennung. Doch die Android-Geräte nutzen weiterhin Fingerabdrucksensoren auf der Rückseite, sodass man hier keine Abstriche machen musste.

Doch auch der Tropfen kann stören. Der Traum, das Ziel hinter allen Bestrebungen ist ein komplett randloses Display, ohne stören Einkerbung und ohne Kameraloch, wie Samsung es mit dem Galaxy S10 eingeführt hat.

Die Chinesen kamen dann mit einer neuen Idee um die Ecke. Vivo griff mal so richtig in die Trickkiste und stellte ein Konzept mit einem Fingerabdrucksensor unter dem Display vor, somit konnte man den Sensor wieder nach vorne verlegen, wo er eher gebraucht wird, als auf der Rückseite. Und damit nicht genug, es war meines Wissens auch Vivo, die dann die erste Selfie-Kamera zum Ein- und Ausfahren präsentieren, um noch mehr Display-Fläche einzusparen.

Inzwischen sind sie nicht mehr die einzigen. Auch Huawei präsentierte mit dem P smart Z bereits eine Kamera, die im Gehäuse verschwindet und nur auftaucht, wenn man sie aktiviert. Asus geht mit dem Zenphone 6 sogar den weg eine rotierende Kamera zu integrieren, die dann sowohl Haupt, als auch Selfie-Kamera darstellt. Ansatzweise ähnlich macht es Samsung mit dem A80.

Das anfängliche Gespött, mechanisch-elektrische Bauteile würden schnell kaputt gehen, wich mittlerweile Neugier und Faszination. So bestätigte OnePlus das die ein- und ausfahrbare Kamera des Oneplus 7 Pro eine getestete Lebensdauer von 300.000 Kamerafahrten hat. Genug also, um jeden Tag 200 Selfies auf 4 Jahre Nutzung zu machen.

Oneplus 7 Pro mit fast nur Display-Fläche. Die Frontkamera befindet sich im Gehäuse und fährt bei Bedarf automatisch ein und aus.

Aber auch die Mechanik ist nicht die Königslösung. Der Clou liegt unter dem Display. Wir haben mittlerweile alle Sensoren inklusive Fingerabdruck unter dem Display (egal ob mit Licht oder Ultraschalltechnologie), was liegt näher, als auch die Linse der Frontkamera unter das Display zu verlagern – so wie ich es schon 2017 mal in den Raum gerufen habe.

Skeptiker fragten sofort: Wie soll das denn gehen?

Über das Wie sollen sich Ingenieure die Köpfe zerbrechen – zwei Unternehmen haben es getan und bereits Prototypen gezeigt, die eine Möglichkeit offerieren, die Kamera unter dem Display zu verstecken. Sowohl Oppo als auch Xiaomi kamen quasi zeitgleich mit neuen Technologien um die Ecke.

Sie Zukunft des Smartphones wird also im nächsten Schritt „Ganz Display“ heiße, ohne Kompromisse. Spätestens 2020 werden die ersten Smartphones mit In-Display-Kameras herauskommen und 2021 Standard sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass wir dort stehen bleiben werden. Es gibt noch so viele Möglichkeiten. Falt- und Rolldisplays, wenn echte Einsatzmöglichkeiten dafür gefunden werden und nicht nur ein „Weil wir es können“-Effekt präsentiert wird, transparente Geräte, projizierende Geräte – schaut euch mal die Ideen von SF-Autoren in der TV-Serie Westworld oder im Remake von Total Recall an 🙂

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