Was’n mit Samsung los?

Weniger ist manchmal mehr – öfter als man denkt.

Sicherlich ist Samsung Nr. 1 wenn es um die Sparte mobile Endgeräte geht – sprich Smartphones. Doch muss man deswegen ein unüberschaubares Angebot an Geräten vorhalten?

Dass Samsung ein breites Portfolio an Endgeräten besitzt ist schon lange bekannt. Da gibt es Smartphones in der Einsteigerklasse, untere Mittelklasse, Mittelklasse, obere Mittelklasse und High End Geräte. J-Serie, Y-Serie, dann die A-Serie und die S-Serie.

Aber wie viel Konkurrenz sich die Südkoreaner im eigenen Haus machen, scheint denen nicht bewusst zu sein. Der Käufer hat die sprichwörtliche Qual der Wahl, da wundert es einen, dass man überhaupt noch zu einem Gerät von Samsung greift.

Kostprobe? Aktuell listet Samsung 42 (!) verfügbare Smartphones auf seiner Webseite, da sind Auslaufmodelle, die zwar noch im Handel sind, aber nicht mehr aktiv beim Hersteller beworben werden, nicht mit eingerechnet. Unter den 42 sind auch Ankündigungen, die noch nicht verfügbar sind, wie das Galaxy Fold, aber halt nur wenige. Schauen wir uns doch mal das Mittelklasse Segment an.

Es gibt das A80, A70, A50, A40 und A20e. Wer soll sich das alles merken? Und obwohl alle zu einer Klasse gehören, sind sie doch verschiedener, wie sie nicht sein könnten. Vom Low Budget Gerät von 179 Euro bis hoch zum fast High End Gerät für 649 Euro. Dazu gibts allerlei Design-Variationen, dass man nicht mal erkennen kann, zu dass sie alle einer Geräteklasse angehören. Von der Tropfennotch im Display, über das Punchhole, bis hin zu einer ausfahrbaren Wendekamera. Alles dabei.

Aber es gibt ja noch die A-Serie aus dem Jahr 2018, die ebenfalls noch aktiv verkauft wird. Das A9, das A7. Das A8, das A6+, das A6 … niemand steigt da mehr durch. Vermutlich Samsung auch nicht mehr.

Im Bereich der Flaggschiff-Klasse hat Samsung seit dem Galaxy S3 auf zwei Premium-Geräte in der Oberliga gesetzt: Das im Frühjahr erscheinende S-Gerät und das im Herbst erscheinende, damals vermutlich noch experimentelle Nischengerät der Note-Reihe, für die man gerne den Begriff Phablet (Phone-Tablet) geprägt hat.

Ich hab ein S4 oder ein Note 2 – damit wusste man was anzufangen. Der eine hat Geld für das Top-Smartphone auf den Tisch gelegt, der andere etwas mehr, für ein noch größeres Display und eine Stifteingabe. So einfach war das.

Und heute? Lassen wir mal experimentelle Edge-Geräte außen vor. Mit dem Galaxy S8 hat Samsung dann noch einen drauf gesetzt. Jetzt gab es nicht zwei Flaggschiffe, sondern derer drei. Das S8 für die Normalreichen, das S8+ für die Mehrreichen oder die „das ist mir zu groß“-Sager und das Note 8 für die Stiftliebhaber, natürlich wieder mit größerem Display.

Kann man machen. Im Folgejahr lief das mit der 9er Reihe ebenso ab. Wieder ein S9, ein S9+ und ein Note9. Fast noch überschaubar.

Doch 2019 entschloss sich Samsung aus purer Langeweile (vermute ich) mal alles auf den Markt zu werfen, was man so werfen kann. Die Flaggschiffreihe umfasst 2019 nicht drei Geräte, nein auch nicht vier, nein auch nicht fünf – sondern sage und schreibe SECHS Geräte.

SECHS Flaggschiffsmartphones. Wer, beim Handygott, soll das alles kaufen? Wer? Und dann jammert man, dass es kein gutes Jahr wird?

Fangen wir an. Das Samsung Galaxy S10 ist gesetzt, ebenso sein größerer Bruder das S10+ – unnötig zu erwähnen, dass hier wieder die Displaygrößen gewachsen sind, was aber durch schmalere Ränder erzeugt wurde und sogenannte Punchholekameras, um ja keine Notch zu bringen, weil Steve Jobs aus dem Grab gerufen hätte „Copycat!“.

Nein, man haut einfach Löcher direkt ins Display. Und andere Hersteller ziehen auch gleich nach. Schlimmer wird’s beim S10+ – aus dem runden Loch wird ein Balken, weil man mehr Kameras verbaut – aber ich schweife ab, es geht ja gar nicht um Design, sondern um die Flut an Geräten, die Samsung auf den Markt geworfen hat und ihn damit förmlich überschwemmt.

Eine Light-Variante des Flaggschiffs kommt plötzlich ins Spiel. Das S10e – mit der Displaygröße mit der das S8 und S9 gestartet sind und ein paar abgespeckte Spezifikationen, was Kamera, Prozessor, Akku usw. anbelangt.

Nun sind wir bei drei Geräten plus das Note 10, das als gesetzt galt. Aber nein, halt! Samsung ist noch nicht fertig. Mit dem Galaxy S10 5G bringen sie noch ein viertes Gerät der S-Klasse heraus.

Mit 6,7″ Displaydiagonale setzt es dem Ganzen auch die Krone auf. Sicherlich ist 5G ein herausstellendes Merkmal, aber es ist nicht nur einfach ein S10+, das ein 5G Modem an Bord hat sondern eine Klasse für sich. Display, Akku, Kamera-Setup – alles anders als das 10+.

Und mit 6,7″ zerschießt es auch gleich die ursprünglich größte Geräteklasse: Das Note. Denn das war zuletzt bei 6,4″ angekommen, die Größe, die jetzt das S10+ aufweist.

Aber es ist ja nicht so, als wäre jetzt schon Schluss, denn das Note10 kommt nicht alleine. Es ist sogar noch geschrumpft und da fragt man sich, was soll denn der Tinnef? Die Displaygröße bietet einen extremen Vorteil bei der Stifteingabe. Je mehr Fläche ich habe, desto eher gelingt mir, etwas zu notieren oder zu skizzieren. Das Galaxy Note 10 wird mit 6,3″ Displaydiagonale daher kommen, hat aber einen größeren Bruder im Schlepp, nämlich das Galaxy Note 10+ – und das muss bei Plus auch wieder das größte Gerät im Bunde ausstechen, damit es seine Daseinsberechtigung hat.

Es gilt also, nicht das Galaxy S10+ zu toppen, sondern das Galaxy S10 5G – und damit wird das Note 10+ eine Diagonale von 6,8″ aufweisen.

Und jetzt bitte noch einmal, liebe Damen und Herren von Samsung: Wisst ihr überhaupt, was ihr da tut? Oder hatte euer CEO einen Schluckauf und sprudelte immer wieder „Golox, Golox, Golox, Golox, Golox …“?

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